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Sonderbericht der Landpost: Die „grüne Zukunft“
Pflanzenöl statt (Bio-)Diesel / Tanken im Supermarkt
Autoren: Thomas Kamp und Kerstin Dreher
Pressemitteilung vom 20.12.2001


Um Klima und Geldbeutel zu schonen, tanken umweltbewusste Besitzer von Dieselfahrzeugen seit einigen Jahren vermehrt den sogenannten „Bio-Diesel“. Der Kraftstoff ist gut 20 Pfennig billiger als herkömmlicher Dieselkraftstoff und kann fast problemlos getankt werden. Man benötigt nur andere Kraftstoffschläuche. (Infos dazu unter www.ufop.de und www.biodiesel.de). Biodiesel wird hierzulande meist aus Raps gewonnen, aus einem nachwachsenden Rohstoff. Aber dann hört es auch schon auf mit dem „Bio“. Biodiesel entsteht nämlich erst durch den Einsatz von viel Chemie und Energie. Daher hat Biodiesel - der genaue Name lautet Rapsmethylesther - laut Umweltbundesamt nur eine mäßige Ökobilanz und ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Biodiesel ist - wie Diesel aus Rohöl - giftig und wassergefährdend. Naturbelassenes, kaltgepresstes Rapsöl dagegen ist ungiftig und billig. Ein Liter Diesel kostet zurzeit (Mitte/Ende Oktober 2001) 1,60 bis 1,65 Mark, ein Liter Bio-Diesel 1,40 bis 1,45 und ein Liter Salatöl gibt es im Supermarkt schon für unter einer Mark. Schön wäre es daher, wenn man im Supermarkt tanken könnte. Geht leider nicht? Geht vielleicht doch.

Schon mehr als 2.000 Autobesitzer fahren in Deutschland mit billigem Pflanzenöl statt mit teurem Diesel. Dafür haben sie allerdings ihr Fahrzeug umgerüstet. In Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Werkstätten, die sogar High-Tec-Diesel auf Pflanzenöl trimmen - eine in Kaarst bei Neuss, die andere in Aachen (Anschriften im Anhang). Die Kosten für den Umbau, je nach Fahrzeugtyp: vier- bis sechstausend Mark. Das ist viel Geld. Doch Pflanzenöl, etwa aus Raps, ist pro Liter 50 Pfennig billiger als Diesel. Nach 50.000 bis 80.000 Kilometern sind somit die Umbaukosten wieder raus. Damit moderne Dieselmotoren fit für´s Pflanzenöl werden, benötigen sie einen neuen Kraftstoff-Filter, einen Wärmetauscher und Heiz-Elemente. Denn Diesel und auch Biodiesel sind dünnflüssiger als natürliches Rapsöl. Erst ab ca. 60 Grad Celsius wird Rapsöl ähnlich dünnflüssig.

Rapsöl oder Diesel - nach dem Umbau macht das keinen Unterschied mehr für den Motor. Und auch sonst bleibt vieles beim Alten, wie Manfred Schindel vom Umrüster UNICAR in Aachen betont: „In Bezug auf die Wartung ändert sich eigentlich überhaupt nichts. Der Fahrzeughalter kann weiterhin seine ganz normale Werkstatt aufsuchen. Was wir wohl empfehlen, ist ein verkürztes Wartungsintervall des Motoröls, mit einem Motoröl auf Pflanzenölbasis.“

Denn natürliches Pflanzenöl als Kraft- und Schmierstoff ist alles andere als ein Low-Tec-Produkt. Der Motor läuft weicher und es entstehen weniger Schadstoffe - ohne dass das Fahrzeug dabei Leistung verliert. High-Tec-Motoren laufen auch ohne High-Tec-Sprit optimal. Das belegt auch die Praxis: Einige Fahrzeuge sind mit Pflanzenöl bereits mehrere hunderttausend Kilometer gefahren. Ohne kraftstoffbedingte Schäden an Motor oder Einspritzanlage.

Im harten Dauereinsatz sind zum Beispiel die Firmenfahrzeuge von Volker Röwe. Er leitet einen mittelständischen Heizungs- und Sanitärbetrieb in Aachen. Seit 1998 hat er drei seiner zwölf Fahrzeuge umgerüstet. Laufleistung seit dem: 200.000 Kilometer. Röwe: „Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht mit den Motoren, auch hinsichtlich des Verbrauchs. Es gab bisher keinerlei Beeinträchtigung der Motoren. Wir sparen Geld damit, was in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, tun etwas für die Umwelt und können es allen Leuten nur weiter empfehlen.“

Pflanzenöl im Motor hat neben dem günstigen Preis noch einen anderen, ganz entscheidenden Vorteil: Es ist umweltfreundlich. Ein umgerüsteter Motor stößt bis zu 50 Prozent weniger Ruß und Kohlenmonoxide aus sowie 20 bis 40 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe. Außerdem enthält Pflanzenöl als Treibstoff so gut wie gar keinen Schwefel, im Gegensatz zum High-Tec-Dieselkraftstoff. Und es entsteht nur so viel CO2, wie die Ölpflanzen bei ihrem Wachstum aufgenommen haben. Somit ist Pflanzenöl-Treibstoff nicht klimaschädigend.

Tanken aus der Salatöl-Flasche ist allerdings unpraktisch. Und deshalb gibt es auch richtige Pflanzenöl-Tankstellen. Bundesweit achtzig, in NRW mittlerweile acht (Anschriften unter www.regiooel.de bzw. www.rerorust.de). Und wer keine Pflanzenöl-Tankstelle findet, kann auch weiterhin Diesel tanken. Denn das geht mit dem umgerüsteten Motor genau so - ist dann allerdings wieder teurer.

In Nordrhein-Westfalen läuft derzeit das Projekt „REGIO-ÖL“, initiiert vom Bistum Aachen - und unterstützt von der NRW-Umweltministerin. Eine Öl-Mühle in Mönchengladbach produziert jährlich 50 Tonnen Rapsöl aus regionalem Anbau. Die Preßrückstände, sogenannter Rapskuchen, werden sogar wiederverwendet. Als hochwertiges Futtermittel in der Landwirtschaft. Das Öl bleibt naturbelassen, es wird nur mechanisch gefiltert. So entstehen sowohl Treibstoff als auch kaltgepresstes Salatöl - alles aus der Region.

Der Anbau ist ökologisch verträglich. Saatwechsel vermeidet Monokulturen. Experimente mit anderen Ölpflanzen, zum Beispiel Leindotter, stärken die Artenvielfalt. Kurze Transportwege senken die Umweltbelastungen. Vom Erzeuger, dem Bauern, bis zum Endverbraucher, dem Autofahrer, bleibt alles in der Region und sichert Arbeitsplätze. Das hört sich etwas nach „Öko-Spinnerei“ an, ist es aber nicht. Levon Sergis vom Ingenieurbüro INCO in Aachen weiß auch, warum: „Rapsöl hat von Haus aus so gute Schmier- und Verbrennungseigenschaften, wie man sie dem Diesel, wenn man es aus Erdöl hergestellt, erst aufwendig chemisch beibringen muss. Zum anderen werden Ressourcen im großen Rahmen geschont. Bei der Bestrebung, vom Erdöl wegzukommen, arbeitet man an vielen Lösungen - an Wasserstoff, an Erdgas. Und hier reiht sich Pflanzenöl als eine von weiteren Möglichkeiten sehr gut ein.“ Ein Argument, dass auch die Stadtwerke in Aachen überzeugt. Neben erdgasbetriebenen Fahrzeugen hat auch sie VW-Transporter mit auf Pflanzenöl umgerüsteten TDI-Motoren im Einsatz. Und auch Aachens Taxi-Unternehmer wollen umrüsten. Sie warten allerdings noch auf eine 24-Stunden-Pflanzenöl-Tankstelle, die Anfang kommenden Jahres fertiggestellt sein soll.

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