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Klassenkampf per Stasi-Fax?
Pressemitteilung vom 19.12.2007


Man denkt, es ist ein Leserbrief eines Nichtmitglieds. Die LANDPOST hat im Osten jedenfalls mehr Leser als der VDL Mitglieder hat. Und das nicht von ungefähr. Keine Agrar-Postille bringt die aktuellen Themen derart kontrovers auf den Punkt, wie diese, mit ihren wöchentlichen Ostseiten. Wäre der Absender ein streitbarer Zeitgenosse, wie es der erste Anschein des in gefälligem Stil und zugespitzter Kontroverse geschriebenen Brief vermuten läßt, könnte man daraus eine öffentliche Diskussion der angestoßenen agrarpolitischen Themen beginnen. Aber weit gefehlt. Den angegebenen Fax-Absender gibt es wohl so gar nicht. Obwohl die Fax-Kennung eine Nummer, die 036967/595955 – angibt, ist weder diese real noch ist sie eine Telefonnummer. Auch die Adresse ist in der Gemeinde Schleid unter „A. Goebel“ unbekannt. Und deshalb veröffentlicht der VDL den „Leserbrief“ unter Bezug auf dessen letzten Satz: „Über ein Antwortschreiben Ihrerseits wäre ich sehr gespannt! Sie können dieses Fax gerne veröffentlichen, wenn nicht, ich kann´s auch!“.

Lieber A.Goebel, bitte melden Sie sich! Oder versteckt sich hinter dem Anonymus ein ganz gewöhnliches Stasi-Fax im ostdeutschen Klassenkampf?


Sehr geehrter VDL-Vorstand,
mit Verlaub, wenn ich Ihre populistischen Äußerungen gegenüber landwirtschaftlichen Großbetrieben lese, wird mir ziemlich schnell schlecht! Bei Ihren favorisierten Familienbetrieben handelt es sich schlichtweg um ein (Europa-)weites Auslaufmodell.
Wie ich dazu komme??? Ganz einfach: Was sich schon vor Jahrzehnten in der Industrie abspielte, läuft in der Landwirtschaft jetzt erst an: Der Übergang von Einzelmanufakturen (Einzelbauern) in gewerbliche Lohnarbeitsbetriebe (Agrargenossenschaften, Großfarmen usw.) mit selektierten Arbeitsabläufen, Lohnarbeitserfassung und geregelten Arbeitszeiten! Ihre Familienbetriebe in Ost- und vor allem in Westeuropa sind zur Zeit noch (motorisierte) Einzelmanufakturen, welche sich vom nichtagrarischen Rest der Wirtschaft weitgehend (dank EU-Überlebenshilfe!) abgekoppelt haben! Mit drastischen Folgen für die betroffenen Bauern. 13.000 sogenannte Betriebe haben letztes Jahr in Deutschland wieder mal alles in den Sand gesetzt (aufgegeben); trotz Direktzahlungen. Warum wohl? Weil diese das NON-PLUS-ULTRA in der Agrarproduktion sind?
Nicht nur Ihre berühmten „LPG-Barone“ werden mittelfristig den westeuropäischen Agraranachronismus ein jähes Ende setzen:
Haben Sie sich schon mal in den 10 größten Flächenstaaten (USA, Kanada, Australien, Russland, Argentinien, Brasilien usw.) umgeschaut? Wie sind denn da die Agrarunternehmen organisiert?
Ist es dort etwa so, dass ein Einzelbauer noch „Hans Dampf“ in allen Gassen spielt? Mitnichten! Ja, ich habe mir schon Agrarfirmen in Flächenstaaten angeschaut: Sie haben eine erstaunliche (betriebsstrukturelle) Ähnlichkeit mit Ihren so verhassten LPG-Nachfolgern, und in diesen Ländern durchaus ihre Akzeptanz und Daseinsberechtigung!
Übrigens, hätte man in Westeuropa schon in der Zeit große Agrarbetriebe gegründet, wo sie in Osteuropa und Asien entstanden sind, hätte sich die EU-Agrarkommission Billionenbeträge an Beihilfen sparen können! Stellen Sie sich vor, man hätte den gleichen Subventionsaufwand bei industriellen Betrieben getätigt und gleichzeitig Manufakturen gepredigt, weil diese keinen Fabrikschornstein besitzen, vermeintlich „umweltfreundlicher“ produzieren und die „Wertschöpfung“ in der Familie bleibt! Eine Katastrophe für die Weltwirtschaft, ohne Frage!
Nein, bei Ihrem „Verein“ handelt es sich um ein paar Hundert Anachronisten, die nicht mal ansatzweise in der Lage sind, über Ihre eigene Scholle hinaus zu schauen und wenn doch, dann nur soweit wie man anderen den Produktionsfaktor Boden streitig machen kann!
Leute wie Sie haben die Landwirtschaft in (West) Europa ökonomisch und moralisch in die Peripherie gedrängt und tun dies immer noch!
Wenn in einigen Jahren die Beihilfen für die kleinen (Folklore-, Pseudo,- und Hobbybauern) abschmelzen, wird es für 95 % der „Betriebe“ ein böses Erwachen geben, dann hat diese nämlich die Zukunft eingeholt, welche in den oben genannten Ländern schon längst begonnen hat!
Über ein Antwortschreiben Ihrerseits wäre ich sehr gespannt! Sie können dieses Fax gerne veröffentlichen, wenn nicht, ich kann´s auch!

Mit freundlichen Grüßen
A. Goebel, Schleid, den 07.12.2007
FAX: 036967/595955

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