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Die Bauern werden wieder gebraucht
In der Landwirtschaft ist die Stimmung so gut wie seit Jahren nicht mehr, nur die Einkommen hinken noch hinterher
Pressemitteilung vom 28.12.2006


Butterberge und Milchseen sind Vergangenheit. Deutschlands Landwirte produzieren nicht mehr auf Halde - sondern für einen rasant wachsenden Weltmarkt. "Man braucht uns wieder", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner stolz. Verglichen mit den Löhnen, die in der Wirtschaft gezahlt werden. hinken die Einkommen auf den mehr als 366 000 Höfen in der Bundesrepublik allerdings noch immer um 17 Prozent hinterher.

Gegenwärtig sei die Stimmung so gut wie seit Jahren nicht mehr, betonte Sonnleitner in Berlin. Danach ist der durchschnittliche Gewinn eines Betriebes im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2005/2006 zwar um 2,9 Prozent auf 31 700 Euro gesunken (Bayern: plus 1,0 Prozent). Die ökonomischen Rahmendaten aber machen der Landwirtschaft Mut: In diesem Jahr dürften die deutschen Agrarexporte um zehn Prozent steigen - auf beachtliche 40 Milliarden Euro. Der weltweite Agrarhandel wächst mit konstant hohen Raten um die neun Prozent, die Preise für Fleisch und Getreide liegen am Weltmarkt teilweise um 40 Prozent höher als noch im Jahr 2000. Ein Blick in den Situationsbericht des Bauernverbandes zeigt: Die Märkte entwickeln sich deutlich besser als erwartet.

Die Branche in Zahlen: Ende Juni bewirtschafteten insgesamt 366 300 Betriebe in der Bundesrepublik eine Fläche von rund 11,7 Millionen Hektar. Insgesamt arbeiten auf diesen Höfen mehr als 1,2 Millionen Menschen, das sind umgerechnet 559 000 Vollzeit-Jobs. Nach wie vor jedoch geben jedes Jahr drei bis vier Prozent der Betriebe auf - weil sie zu klein sind, weil der Bauer keinen Nachfolger findet oder weil er hohe Investitionen scheut.

Der Boom bei Bio: Mehr als 17 000 Bauern mit gut 800 000 Hektar Fläche arbeiten nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus. Tendenz: steigend. Mit einem Öko-Anteil von 4,7 Prozent liegt Deutschland zwar über dem EU-Schnitt von 3,7 Prozent, andere Länder aber sind weiter: In Österreich etwa werden über 14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet.

Die Einkommen der Bauern: Im Schnitt kommt ein selbstständiger Landwirt heute auf ein Monatseinkommen von 1900 Euro brutto. Bei genauerem Hinsehen aber zeigt sich: Die Lage ist, je nach Wirtschaftsweise, höchst unterschiedlich. Betriebe, die sich auf Milchvieh und Futterbau spezialisiert haben, konnten ihre Ergebnisse um 10,2 Prozent steigern, die Erträge der Schweinezüchter stagnieren auf hohem Niveau. Die größten Verluste, nämlich 4,4 Prozent, haben die typischen "Gemischtwarenläden" mit ein paar Schweinen, einigen Kühen und ein paar Hektar Ackerland.

Das Geschäft mit der Energie: Nicht nur das Heizen mit Holz ist wieder in - auch das Geschäft mit Biomasse, Bioethanol oder Biogas boomt. Mit Heizöl und Erdgas könnten die nachwachsenden Rohstoffe "preislich bereits heute mithalten", sagt Sonnleitner.
Gegenwärtig verhandelt er mit den Gasversorgern über eine Einspeisung von Biogas in deren Netze. Ende vergangenen Jahres betrieben 2700 Bauern in Deutschland Biogas-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 650 Megawatt.

Die weiteren Aussichten: Durch die attraktive staatliche Förderung wird vor allem das Geschäft mit nachwachsenden Rohstoffen weiter wachsen. Unterm Strich allerdings, fürchtet der Bauernverband, werden die Erträge der Betriebe im Wirtschaftsjahr 2006/2007 nicht nennenswert steigen. Zwar freuen sich die Landwirte über steigende Preise für Getreide oder Fleisch - auf der anderen Seite allerdings dürften die Ernten in diesem Jahr geringer ausfallen als zuletzt.

Quelle: DBV

Grüne widersprechen DBV
Landwirte müssen nüchtern feststellen, daß Ihnen der Regierungswechsel sinkende Gewinne gebracht hat.
Zum Situationsbericht der Landwirtschaft 2007 des Deutschen Bauernverbandes erklärt Cornelia Behm, Bundestagsabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus Brandenburg:
„Die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe gingen laut Situationsbericht des Bauernverbandes im schwarz-roten Wirtschaftsjahr 2005/2006 um 2,9 % zurück. Gleichzeitig sanken die Bruttoinvestitionen der Betriebe um 5,2 %. Dieser Trend überrascht angesichts der Tatsache, dass an den Agrarmärkten aufgrund des von rot-grün initiierten Bioenergiebooms Aufbruchstimmung herrscht.
Im Wirtschaftsjahr 2004/2005 - also zu rot-grünen Zeiten - nahmen die Gewinne der Agrarbetriebe laut Agrarbericht der Bundesregierung hingegen noch um 24 % zu. Die Landwirte in Deutschland müssen nüchtern feststellen, dass ihnen die von ihrem Präsidenten herbei geredete Bauernbefreiung durch den Regierungswechsel außer einem besseren Gefühl nur gesunkene Gewinne gebracht hat.
Diese Entwicklung hat einen Grund, denn die Hofberichterstattung des Bauernverbandes gegenüber der Regierung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Regierung die Interessen der Landwirte mit Füßen tritt. Den Boom bei den Biokraftstoffen hat sie jäh abgewürgt und nahm drastische Einsparungen bei den Mitteln für ELER- und GAK-Mitteln für den ländlichen Raum vor. Bei der Gesetzgebung nimmt die Regierung keine Rücksicht auf die Landwirte, wie sich bei der Novellierung des Tierzuchtgesetzes gezeigt hat. Denn sie hat die verbändeübergreifende Kritik daran - auch die des Bauernverbandes - schlicht in den Wind geschlagen. Eine Fortsetzung dieser gegen die Landwirte gerichteten Politik droht, denn Agrarminister Seehofer plant einen Kahlschlag bei der Agrarforschung. Außerdem will die Regierung die Landwirte von den Bundeszuschüssen für die versicherungsfremden Leistungen ausgrenzen, obwohl es hierfür keine sachliche Begründung gibt. Die Landwirte werden sich bald danach sehnen, dass die Landwirtschaftspolitik wieder begrünt wird.“

PRESSEMITTEILUNG von Cornelia Behm, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 15.12.06

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