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Glosse
Was ist ein Ei?
Pressemitteilung vom 09.12.2005


Letzte Woche wollte unser Chef uns eine vorweihnachtliche Freude bereiten und uns zu einer Fortbildungsveranstaltung über die demnächst in Kraft tretenden EU-Lebensmittelhygiene-Verordnung mitnehmen. Weil keiner freiwillig wollte, wurden wir eben gezwungen. Das Beeindruckenste an der Veranstaltung waren die wunderschönen alten Hörsäle der Humboldt-Universität zu Berlin, die ich als Absolventin der Freien Universität noch gar nicht kannte. Aber auch sonst hat das Seminar bleibende Eindrücke beim mir hinterlassen, und ich habe viel gelernt: Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, klärt uns die EU-Richtlinie 852/2004 gleich auf der zweiten von 17 Seiten u. a. darüber auf, dass „Im Sinne der Anhänge dieser Verordnung die Ausdrücke „erforderlichenfalls“, „geeignet“, „angemessen“ und „ausreichend“ im Hinblick auf die Ziele dieser Verordnung „erforderlich“, „geeignet“, „angemessen“ und „ausreichend“ bedeuten.“ Ich bin froh, dass das jetzt endlich geklärt wurde.

Wie alle EU-Richtlinien, Gesetze und Verordnungen ist das Ganze sehr übersichtlich und leicht verständlich. Die Verordnung 853/2004 braucht nur 50 Seiten, um u.a. klarzustellen, was Fleisch ist: „Fleisch sind alle genießbaren Teile der unter Punkt 1.2 bis 1.8 genannten Tiere, einschließlich Blut“. Blut ist Fleisch? Ich gebe offen zu, dass ich das vorher nicht gewusst habe, was daran liegen mag, dass ich mir sehr selten mal ein Blut in die Pfanne haue. Unter Punkt 1.2 bis 1.8 werden nun folgende fleischliefernde Tiere aufgezählt: Haustiere der Gattung Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Einhufer (was für eine Schande!), Geflügel, Hasentiere (wozu ausdrücklich auch Nagetiere zählen! Schon mal Ratte probiert?), frei lebendes Wild, Farmwild (z.B. Straußen), Kleinwild und Großwild. Und nachdem wir jetzt gerade gelernt haben, dass Fische nicht zu den Fleischlieferanten gehören, kommen wir zu Kapitel III Punkt C derselben Verordnung und stolpern sofort über „Vorschriften für durch maschinelles Ablösen von Fleisch gewonnene Fischereierzeugnisse“. Im weiteren Verlauf von Kapitel C bekommen wir dann noch eine ganze Menge mehr Fleisch vom Fisch! So weit, so unklar.

Wer aber denkt, ein gekochtes Ei wäre immer noch ein Ei, der irrt, denn: “Eier sind Farmgeflügeleier in der Schale – ausgenommen angeschlagene Eier, bebrütete Eier und gekochte Eier – die zum unmittelbaren menschlichen Verzehr oder zur Herstellung von Eiprodukten geeignet sind.“ Brüssel wird in den Gremien zügig den Status von gekochten Eiern klären müssen. Schließlich kann man die Menschen nicht ewig darüber im unklaren darüber lassen, was die ovalen weißen oder braunen Dinger sind, die sie zum Frühstück essen.

Das war eine winzigkleine Kostprobe all der Vorschriften, Verordnungen, Gesetze und Richtlinien, die von mit Steuergeldern hoch bezahlten EU-Bürokraten in unzähligen Gremien und Kommissionen ausgebrütet und täglich tonnenweise über Europa verteilt werden.

Quelle: Web-Seite der „Achse des Guten“: www.achgut.de

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