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Landwirt nimmt Orden nicht an
Gustav Pommerehne kämpft um Rückgabe von Familieneigentum in Mecklenburg-Vorpommern
Von Karla Götz, Salzgitter-Zeitung vom 21.11.2003
Pressemitteilung vom 11.12.2003


OTHFRESEN. Den Orden schickt das Landratsamt Goslar jetzt zurück an die Niedersächsische Staatskanzlei nach Hannover. Gustav Pommerehne verzichtet auf das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundesverdienstkreuz genannt. Der 72-jährige Landwirt aus Othfresen hat seine Gründe.
"Es geht nicht um mich persönlich, es geht um die Familie meiner Frau." Deren Vater war in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone während der Bodenreform enteignet worden, verlor ein mehr als 100 Hektar großes Gut in Mecklenburg-Vorpommern und weitere 83 Hektar, beides in der Nähe von Demmin.
Pommerehne ist empört über den Einigungsvertrag, in dem die Kohl-Regierung auf Rückgabe solcher großen Güter verzichtete und nur geringe Entschädigung gewährt. Aus Protest ist er im vergangenen Jahr aus der CDU ausgetreten, in der er 30 Jahre lang Mitglied und deren Fraktionsvorsitzender er lange Jahre im Gemeinderat der Samtgemeinde Liebenburg war. Für das Bundesverdienstkreuz hatten ihn die Liebenburger Christdemokraten wegen seiner vielfältigen Aktivitäten vorgeschlagen – darunter auch die Arbeit im Kreistag Goslar. Fast 40 Jahre lang war Pommerehne im Vorstand des Unterhaltungsverbandes Obere Innerste, zehn Jahre ehrenamtlicher Landwirtschaftsrichter am Amtsgericht Goslar. Während seiner aktiven Berufszeit als Landwirt hat er auf seinem Hof in Othfresen 60 Lehrlinge ausgebildet. In seinem Kampf um Rückgabe des schwiegerväterlichen Eigentums hat er sich ebenso konsequent engagiert. "Vor vier Jahren habe ich ein strafrechtliches Verfahren gegen die Bundesrepublik angestrebt, es schleppt sich seither ohne Ergebnis dahin", sagt er grimmig. Einen Orden des Staates, den er verklagt, könne er nicht annehmen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete Pommerehne die "Arbeitsgruppe Niedersachsen für Recht und Eigentum".
Deren Vorsitzender Horst Nilges berichtet: "Wir haben 57.000 Briefe an Politik, Justiz und Medien geschrieben." Er äußert Respekt vor der Konsequenz seines Mitstreiters.
Mehrere Verbände haben das Rückgaberecht inzwischen beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg eingeklagt. Am 29. Januar ist die erste Verhandlung. Pommerehne ist als privater Kläger dabei.
Dass jemand das Bundesverdienstkreuz nicht annehmen will, das geschah im Landkreis Goslar zuletzt vor etwa 15 Jahren, wie der Pressesprecher des Landrats, Reinhard Beutner, berichtet. "Eine Dame sollte für ihr soziales Engagement geehrt werden und hielt das für selbstverständlich."

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