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Landwirtschaftsmuseum in Markkleeberg aufgelöst
VDL begrüßt Abkehr von agrargeschichtlichen Fälschungen
Pressemitteilung vom 11.12.2003


Als der damalige sächsische Landwirtschaftsminister Rolf Jähnichen am 17.Juli 1997 das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Markkleeberg feierlich eröffnete, wollte er sich und seiner Politik ein Denkmal setzen. „Das Museum ist die einzige Einrichtung in Deutschland, die die Geschichte der ostdeutschen Landwirtschaft von 1949 bis 1989 lückenlos darstellt“, sagte Jähnichen. Die 5,7 Millionen Mark teure Einrichtung sollte „gemeinsam mit dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum Hohenheim bei Stuttgart zu einer Einheit verschmelzen“. Das war der Wunsch des Ministers: „Sowohl der baden-württembergische Ministerrat als auch das sächsische Kabinett haben dem Vorhaben bereits zugestimmt. So können nun Verhandlungen mit dem Bund über den Abschluss eines Staatsvertrages aufgenommen werden.“ Doch daraus wurde nichts. Den süd-westdeutschen CDU-Politikern war die LPG-Tunke wohl doch zu stark aufgetragen. Und so dümpelte der Millionenbau über Jahre ohne Besucher dahin und kostete und kostete. Aus dem angedachten LPG-Hymnus wurde nun zu recht eine LPG-Grabstätte. Mitte Oktober schloss der sächsische Landtag mit der Mehrheit der CDU-Fraktion auch ein Millionengrab von Steuergeldern. Der Fundus der zahlreichen Ausstellungsstücke soll in den nächsten Wochen in das Freilichtmuseum Blankenhain abtransportiert werden.

Zweifellos handele es sich bei den technischen Ausstellungsstücken um agrargeschichtlich wertvolles Kulturgut, zumindest was die 110 Traktoren und Landmaschinen betrifft, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger. Was aber an SED-Propaganda unkommentiert aus über 185.000 Filmen und Dias, sowie Hunderten von Tondokumenten und Plakaten drang, stand von Anfang an unter Kritik des VDL. Tanneberger kritisierte an der Ausstellung bereits zur Eröffnung in der LANDPOST: „dass der kommunistische Terror, der 1960 zur Zwangskollektivierung und zuvor zur „Bodenreform“-Enteignung 45/49 führte“, durch Jähnichens Konzept verklärt werde. „Dass viele freie Bauern 1960 durch den wochenlangen Psychoterror in den Dörfern durch die Propaganda-Kolonnen der SED in den Selbstmord getrieben wurden und 30.000 zum großen Exodus in den Westen aufbrachen – davon kein Wort in Markkleeberg“. Der Mauerbau 1961 sei nicht zuletzt eine Folge dieser Massenflucht gewesen. Den nachfolgenden Generationen werde ein falsches Bild der tatsächlichen Geschehnisse in der SBZ bzw. der DDR vermittelt. Der nicht informierte Besucher oder Schüler- und Studentengruppen müssten den Eindruck gewinnen, dass das „Experiment des Sozialismus in der Landwirtschaft“ nicht mit Exzessen einherging und man eigentlich den Kommunisten noch dankbar sein müsse, dass sie nun in Ostdeutschland „wettbewerbsfähige Agrarstrukturen“ hinterlassen hätten.

Damit setze Jähnichen trotz aller gegenteiligen Beteuerungen fort, was er mit der Duldung und Förderung der DDR-Agrarstrukturen seit 1990 agrarpolitisch zu verantworten habe, so Tanneberger damals.

Einer der ersten Besucher des Agrarmuseums in Markkleeberg war 1998 Manfred Rühl aus Krensitz zwischen Delitzsch und Eilenburg.

Er schrieb damals einen Artikel für die LANDPOST:
Vielen Dank für die interessante Ausstellung“ stand auf einer Kinderzeichnung, die einer der Schüler im Ausstellungsraum abgelegt hatte; eine Lehrerin hatte mit ihrer Klasse soeben die zahlreichen Bildtafeln betrachtet, die neben Vitrinen die prächtige Ausstellungshalle schmücken. In einem originellen, immer an der Wand entlang schräg nach oben führenden Rundgang - symbolisch für Aufwärtsentwicklung - wird der Besucher mit der Chronologie der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft der DDR vertraut gemacht, beginnend 1945/46, als Handarbeit und primitive, veraltete Technik auf dem Felde und im Stall dominierte.

Jähnichens Absichten entlarven sich bis heute
Walter Ulbricht ist zu sehen und Parteitagsbeschlüsse werden zitiert, wie durch Bildung von Genossenschaften ab 1952 das Leben der Bauern erleichtert und verbessert werden sollte. Auch ist festgehalten, dass durch entsprechende Beschlüsse des ZK der Partei das Ablieferungssoll der Betriebe unter 10 ha zu Lasten der Bauern mit über 20 ha wesentlich herabgesetzt wurde. Konnte der durch die Differenzierung des Solls schwer belastete Großbauer die ihm aufgebürdete Pflichtablieferung nicht erbringen, wurde, so heißt es, ein Treuhänder eingesetzt. Das hört sich 1998 für den Laien und für die oben erwähnten Schüler als Ausstellungsbesucher logisch und normal an. Keine kritische Bemerkung weist darauf hin, welch unmenschliche Auswirkung dieser Beschluss hatte: Trieb er doch in den 50er Jahren Hunderttausende ehrbarer Bauernfamilien in den (von der Partei beabsichtigten) Ruin! Es begann ein nie da gewesener Terror mit Drangsalierungen, wie Verweigerung der Schlachtgenehmigung, Verhöre, Verhaftungen, Aberkennung der Bauernfähigkeit, Zwangsverpachtung mit Rausschmiss aus dem eigenen Bauernhof, Verweis aus dem Dorfe, Diffamierung in der Zeitung, Anklage und Verurteilung vor Gericht, Bewachung und Bespitzelung des Hofes bei Tag und bei Nacht, Durchsuchung und Beschlagnahme der Vorräte und des Viehs in den Ställen - Devastierung nannte man das.

Jähnichen ließ sozialistische Umgestaltung der Dörfer verherrlichen
In ihrer Not und Bedrängnis flohen die so Misshandelten Nacht für Nacht in Scharen über Berlin in den Westen, und das jahrelang. Bis die Partei mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 die Notbremse zog, um ein weiteres Ausbluten des Landes zu verhindern. Die da in den Westen geflüchtet sind, haben das nicht aus Übermut oder Abenteuerlust getan, sondern im Ergebnis unerträglicher seelischer Belastung, um ihr nacktes Leben zu retten. Sie haben ihre in Jahrhunderten gewachsenen, mit dem Schweiß und Fleiß und vielen Entbehrungen ganzer Generationen von Bauern errichteten Höfe nicht verantwortungslos verlassen, sondern völlig verzweifelt und verarmt wegen eines unmenschlichen Regimes, das in den Dörfern wütete, um die Zwangskollektivierung durchzusetzen. Doch darauf fehlt jeder Hinweis in dieser Ausstellung. Im Gegenteil: Die sozialistische Umgestaltung der Dörfer wird eindeutig verherrlicht.

Mit den Machenschaften des Sozialismus auf dem Lande geprahlt
Die „Straße der Besten“ ist mit Wimpeln, Orden und Ehrenzeichen zu sehen. Honecker, Felfe und andere vom Politbüro werden auf Schautafeln gezeigt und zitiert, die Fahnen der DDR, der VdgB, des FDGB und der DBD (Bauernpartei) werden als Kostbarkeit auf seidenen Tüchern in wertvollen Schaukästen dargeboten.
Der Besucher glaubt, die DDR sei wiederauferstanden von den Toten, so wird mit den Machenschaften des Sozialismus auf dem Lande geprahlt. Kein Wort der Kritik. Dabei gäbe es doch so viele Gründe hierfür:

Das Eigentumsrecht der Bauern wurde mit Füßen getreten - sie hatten kein Verfügungsrecht mehr über ihren Grund und Boden und über ihre Gebäude. Beides mussten sie jahrzehntelang unentgeltlich der LPG überlassen, und diese hat noch nicht einmal die Werterhaltung durchgeführt.

Der Besuch von Hochschulen war den Bauern verwehrt. Dem Autor wurde bei seiner Bewerbung unverhohlen ins Gesicht geschleudert: „Wir brauchen Arbeiterkinder an unseren Hochschulen, keine Großbauernsöhne!“

Die Bauern und ihre Kinder waren nur als Landarbeiter, Traktoristen und Viehpfleger gefragt. Kein Wunder, dass sich jetzt so wenige selbständig machen: ihnen fehlt das betriebswirtschaftliche Können, das Kaufmännische, das Management.


Das Deutsche Landwirtschaftsmuseum in Markkleeberg ist blendend eingerichtet - es blendet im wahrsten Sinne des Wortes. Unkritisch wird die Zwangskollektivierung verherrlicht, als wäre sie das Non plus Ultra für die Bauern gewesen. Natürlich hatte sie auch ihre Vorzüge, weil auf großen Schlageinheiten kostengünstiger produziert und die Landtechnik höher ausgelastet und rationeller betrieben werden kann. Auch die mit der Zwangskollektivierung verbundene Spezialisierung und Arbeitsteilung in der Feld- und Stallarbeit bedeutete einen Fortschritt gegenüber der herkömmlichen Landarbeit. Schwere Handarbeit wie Kartoffelnlesen, Dungbreiten u.a. wurde mechanisiert. Die alljährlichen Betriebsausflüge waren für viele die ersten und einzigen Urlaubsreisen. Das wird gar nicht in Abrede gestellt; doch der Weg dahin, die Art und Weise der Umwandlung war - wie beschrieben - fragwürdig, wird aber im agrar-Museum völlig negiert.

Zurschaustellung der „Errungenschaften“ des Sozialismus
Gemeckert werden durfte nicht. Wer das tat, wurde eingesperrt. Wie mein Schwiegervater. Der hat über zwei Jahre im Gefängnis verbringen müssen, weil er 1961 geäußert hat: „Die LPG und die DDR gehen eines Tages pleite.“ Von solchen Repressalien erfährt der Museumsbesucher nichts. Diese unkritische Zurschaustellung der „Errungenschaften“ des Sozialismus - das ist es, was ich an der Einrichtung des Museums zu bemängeln habe. Die Ausstellung ist nicht komplett, solange die hier aufgezeigten Tatsachen nicht eingearbeitet worden sind. Übrigens: Die Bildungsstätte, von der hier die Rede ist, nennt sich „Deutsches Landwirtschaftsmuseum“, zeigt aber nur die Entwicklung in Ostdeutschland; nach der in Westdeutschland befragt, wurde mir empfohlen, nach Stuttgart zu fahren ...“

(Der Autor war langjähriger Vorsitzender des VDL-Regionalverbandes Nordsachsen)

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