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GRÜNE legen Studie zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Sachsen vor
Pressemitteilung vom 04.12.2008


Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag hat heute eine Studie zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Sachsen bis 2020 vorgelegt.

"Bis zum Jahr 2020 können in Sachsen 82 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden", so Dipl. Ing. Hans-Jürgen Schlegel, bis zur Pensionierung Referent für Klimaschutz im Landesamt für Umwelt und Geologie, der federführend bei der Erstellung der Studie tätig war. "Das ist zwar weniger als in einem flächenstarken Land wie Brandenburg, aber ein bedeutender Beitrag zur Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen."

"Wir wollen ein Ende der Ausreden. Die Studie zeigt deutlich, dass wir in Sachsen ein Umsetzungs- und kein Erkenntnisproblem haben", so Antje Hermenau, Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. "Eine solche Studie hätte die Staatsregierung schon lange vorlegen müssen. Für dieses Versäumnis sind namentlich Ministerpräsident Stanislaw Tillich, sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Thomas Jurk, und die munter wechselnden Umweltminister verantwortlich, um deutlich Ross und Reiter zu nennen."

"Mit der Studie ist erstmals für Sachsen belegt, dass wir schon in naher Zukunft unsere Stromversorgung vollständig und zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umstellen können", erläutert Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion. "Die Staatsregierung muss endlich ihren sogenannten Klimaaktionsplan, zu einem Masterplan für den Ausbau der Erneuerbaren Energien machen. Während die Bundesregierung immerhin der Zielstellung von zaghaften 25-30 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien bis 2020 Gesetzeskraft gegeben hat, fehlen in Sachsen jegliche Ausbauziele."

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2020 82 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs von gut 21.200 Gigawattstunden pro Jahr aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden kann. Windenergie könnte mit 26 Prozent dazu beitragen, Photovoltaik zu 27,4 Prozent, feste Biomasse zu 14,3 Prozent, Biogas zu 12 Prozent und Wasserkraft zu etwa zwei Prozent.

Damit könnten die Kohlendioxid-Emissionen um 15,9 Mio Tonnen verringert werden, das wäre eine Reduktion um 28 Prozent.

Die Berechnungen der Autoren sind durchaus konservativ und beruhen auf zahlreichen, zum Teil seit Jahren vorliegenden, Studien. Dabei ist die von der Bundesregierung im Rahmen des Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramms (IEKP) beschlossene Reduzierung des Stromverbrauchs um 11 Prozent bis 2020 noch nicht berücksichtigt. Auch im Vergleich zu anderen Bundesländern sind 82 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2020 keineswegs zu ehrgeizig. So sieht etwa die Energiestrategie von Brandenburg einen Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2020 von 90 Prozent vor. Derzeit werden in Sachsen 14 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien hergestellt.

Die Studie wurde vom Verein zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien Sachsen (VEE) im Auftrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag vorgelegt.

Eckpunktepapier
Grüne Ausbaustudie 2020 - Perspektiven für Erneuerbare Energien in Sachsen

I. Anlass der Studie
Der Klimawandel und die drohende Klimakatastrophe ist eine der größten Herausforderungen für das Überleben der Menschheit, globale Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Erfolg im 21. Jahrhundert. Deutschland muss seine Kohlendioxid-(CO2) Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent auf der Basis von 1990 senken. Für Sachsen bedeutet dies eine Senkung von 57 Mio Tonnen (t) im Jahre 2011 auf 8 bis 10 Mio t im Jahre 2050. Die zentrale Aufgabe der alten Industriestaaten und damit auch Sachsens besteht darin, die Energiebasis möglichst schnell auf die Erneuerbaren Energien umzustellen.

Dieser Herausforderung wird die Staatsregierung sowie CDU und SPD nicht gerecht. Der sogenannte „Klimaaktionsplan“ der Staatsregierung vom Juli 2008 sieht keine konkreten Maßnahmen, sondern nur Prüfaufträge vor. Insbesondere fehlen konkrete Minderungsziele für den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen, insbesondere CO2. Die Staatsregierung setzt sich auf Bundesebene in allen entscheidenden Fragen gegen eine Minderung der Treibhausgase ein, so erst kürzlich Umweltminister Kupfer bezüglich des Treibhausgasemissionshandels.

Hauptziel der Staatsregierung und der diese tragenden Fraktionen von CDU und SPD ist die weitere Privilegierung und Subventionierung der Braunkohle. Daher fehlen auch konkrete Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien in Sachsen, die heute schon in Deutschland den größten Beitrag an der Treibhausgasminderung leisten.

Die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag hat daher für den 2. Sächsischen Klimakongress am 6. Dezember 2008 eine Studie beim Verein zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien in Sachsen – VEE Sachsen e. V. – in Auftrag gegeben, um die technisch-wirtschaftlichen Potentiale der Erneuerbaren Energien in einem mittelfristigen Zeitraum bis 2020 zu ermitteln.

Für die Federführung und Gesamtleitung der Studie konnte die Fraktion den langjährigen Klimaschutzreferenten a. D. im Landesamt für Umwelt und Geologie, Herr Dipl. Ing. Hans-Jürgen Schlegel, gewinnen - einen der besten und anerkanntesten Kenner und Förderer der Erneuerbaren Energien in Sachsen. Herr Dipl.-Ing Schlegel konnte erfahrene Praktiker aus der sächsischen Branche der Erneuerbaren Energien sowie anerkannte Wissenschaftler aus Sachsen zur Mitarbeit gewinnen.

II. Vorgelegte Ergebnisse
Die Studie belegt erstmals für Sachsen in dieser Breite und Tiefe, dass wir schon in der nächsten Zukunft unsere Stromversorgung vollständig und zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien umstellen können!

Strom aus Erneuerbaren Energiequellen ist kein Nischenprodukt, sondern die Zukunft unserer Energieversorgung! Wir wollen die Diskussion um die notwendigen Ausbauziele vorantreiben und auf eine neue Grundlage stellen. Wir sind sicher, dass eine seriöse Diskussion um die Ergebnisse dieser Studie nicht herum kommen wird.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2020 82 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs von gut 21.200 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a) zu je knapp einem Drittel aus Windenergie (26 Prozent) und Photovoltaik (27,4 Prozent) sowie aus fester Biomasse (14,3 Prozent) und Biogas (12 Prozent) gewonnen werden kann.

Die Berechnungen der Autoren sind durchaus konservativ und lassen noch viel Luft nach oben. Dabei ist die von der Bundesregierung im Rahmen des Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramms IEKP beschlossene Reduzierung des Stromverbrauchs um 11 Prozent bis 2020 überhaupt noch nicht berücksichtigt.

Auch im Vergleich zu anderen Bundesländern sind 82 Prozent EE-Strom im Jahr 2020 keineswegs zu ehrgeizig. So sieht etwa die Energiestrategie von Brandenburg eine Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2020 von 90 Prozent voraus.

1. Windenergie
Derzeit werden in Sachsen 779 Windenergieanlagen mit einer Produktion von 1.530 GWh/a betrieben. Damit stammen bereits 7,2 Prozent des Stromverbrauchs aus Windenergie, 622.000 Haushalte werden mit Strom versorgt werden, was 1,42 Mio t CO2 einspart.

Bis 2020 kann ein Ertrag von 4.750 GWh/a mit ca. 950 sogenannten „binnenlandoptimierten“ 2 MW-Windenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von 100 bis 140 m erzielt werden. Dafür wären 0,52 Prozent der Landesfläche (incl. Abstandsflächen) erforderlich. Windenergie könnte dann 22 Prozent des Strombedarfs erzeugen.

Der Schlüssel für die Mobilisierung eines höheren Windenergieertrags ist das Repowering, also den Ersatz alter, wenig effizienter durch binnenlandoptimierte und höhere Anlagen. In Sachsen gibt es ein Potenzial von 366 Altanlagen, also fast die Hälfte des derzeitigen Bestandes von 779 Anlagen.

Durch Repowering nur der Hälfte der Altanlagen könnte bis 2020 ein Ertrag von 5.573 GWh/a und der Anteil der Windenergie auf 26 Prozent des Strombedarfs gesteigert werden. Die CO2-Einsparung würde dann 5,1 Mio t im Jahr betragen, ca. 10 Prozent des derzeitigen sächsischen Treibhausgasausstoßes.

2. Photovoltaik
Derzeit produzieren in Sachsen ca. 7.560 Photovoltaikanlagen 135 GWh/a Strom. Dies entspricht einem Anteil von 0,47 Prozent des Stromverbrauchs. Trotz des geringen Anteils ist festzuhalten, dass der Anteil der PV sehr schnell steigt: der Stromertrag stieg seit 2004 um das 15-fache!

Der mögliche Anteil der Photovoltaik hängt neben dem Wirkungsgrad maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Flächen ab.

Nach einer Untersuchung des Instituts für Energetik und Umwelt, Leipzig, von 2003 stehen in Sachsen 4.200 Hektar (ha) auf Dächern, 1.100 ha auf Fassaden und 9.200 ha Freiflächen zur Verfügung. Diese entsprechen einem Anteil von 0,8 Prozent der Landesfläche.

Bei Annahme einer verschattungsfreien Nutzbarkeit von 40 Prozent der zur Verfügung stehenden Dach- und Freiflächen und von 50 Prozent der Fassadenflächen würde sich ein Jahresertrag von 5.745 GWh ergeben. Dies entspricht einem Anteil am heutigen Strombedarf von 27,4 Prozent. Die CO2-Emissionen könnten damit um 5,3 Mio t im Jahr reduziert werden.

Bei dieser Berechnung ist der heutige durchschnittliche Wirkungsgrad zugrunde gelegt, obwohl in den nächsten Jahren aufgrund des technologischen Fortschritts schnell mit höheren Wirkungsgraden zu rechnen ist. Der Anteil des Solarstroms dürfte sich daher noch stürmischer entwickeln. Zudem dürften die zur Verfügung stehenden Flächen bisher keineswegs vollständig ermittelt sein.

3. Feste Biomasse und Biogas
Die Studie beziffert das technisch nutzbare Potential fester Biomasse aus Forst- und Landwirtschaft auf 23.000 GWh/a. Davon werden derzeit 36 Prozent genutzt. Die größten brachliegenden Potentiale liegen in der Verwendung von halmartiger Biomasse (Stroh, Schnittgut aus Dauergrünlandbewirtschaftung) und in der intensiveren Nutzung des Privatwalds.

Bis 2020 ist nach der Studie eine Erhöhung des genutzten Potentials auf 10.000 GWh/a möglich. Nach der gegenwärtigen Aufteilung zwischen Strom- und Wärmenutzung von 30 zu 70 würden 3.000 GWh/a zur Stromerzeugung zur Verfügung stehen. Dies entspricht einem Anteil von 14,3 Prozent am sächsischen Stromverbrauch und bringt eine CO2- Ersparnis von 2,7 Mio t/a.

In Sachsen bestehen heute 148 Biogasanlagen, die neben Wärme 450 GWh/a Strom produzieren. Die Anzahl der Biogasanlagen kann bis 2020 auf 450 bis 650 erhöht werden, die 2.534 GWh/a Strom produzieren. Dies entspricht einem Anteil von 12 Prozent am heutigen Stromverbrauch und erspart 2,3 Mio t CO2

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