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Kasachstan: Ackerbau im großen Stil
Pressemitteilung vom 02.12.2005


Um mehr als die Hälfte ist die Zahl der bayerischen Bauernhöfe in den vergangenen drei Jahrzehnten geschrumpft. Gut 130.000 waren es noch im Jahr 2003. Die möglichen Hofer-ben entscheiden sich immer öfter für andere Berufe, weil sich als Landwirt heute nur noch schwer rentabel wirtschaften lässt. Gutes Pachtland ist knapp und teuer, dafür sind die Prei-se für Getreide im Keller.

Beamte als Quereinsteiger
Begibt man sich weit in Richtung Osten, rund 5.000 Kilometer bis nach Kasachstan, findet man eine ganz andere Situation vor. In dem Land in Mittelasien lockt der derzeitige Auf-schwung der Landwirtschaft auch solche Menschen, die vorher andere Berufe hatten. Denn der an Russland grenzende, neuntgrößte Staat der Erde, besitzt etwas in fast unbegrenzter Menge, das in Deutschland immer knapper wird: potenzielles Ackerland.

10.000 Hektar Weizenfelder
Berik Batirschinov war bis vor zwei Jahren Beamter, jetzt arbeitet er als landwirtschaftlicher Unternehmer. Klein hat er von Anfang an nicht begonnen - Berik hat 10.000 Hektar Land gepachtet. Das bewirtschaftet er mit einem ganzen Fuhrpark an Maschinen, bestehend aus elf Traktoren, Pflügen und Mähdreschern. 40 Angestellte beschäftigt der Landwirt heute. Be-riks Anbaufläche klingt im Vergleich zu bayerischen Verhältnissen gigantisch. Bei rund 25 Hektar liegt die durchschnittliche Betriebsgröße im Freistaat, in den neuen Bundesländern sind es immerhin etwas mehr als 180 Hektar.

Die Menge macht's
Der karge, trockene Steppenboden zwingt zum Anbau auf großen Flächen. Die Pflanzreihen liegen 25 Zentimeter auseinander, damit jeder Halm genügend Nährstoffe und Wasser be-kommt. In diesem Jahr sei die Ernte wegen der Trockenheit noch niedriger ausgefallen als sonst, sagt Berik. 800 Kilogramm Weizen brachte durchschnittlich jeder Hektar, in Deutsch-land rechnet man gewöhnlich mit dem Zehnfachen: acht Tonnen.

Niedrige Pachtpreise sollen locken
Platz spielt in Kasachstan kaum eine Rolle. Das Land ist achtmal größer als Deutschland, kommt aber bei der Einwohnerzahl nur auf gut ein Fünftel. Der Staat bietet das Ackerland interessierten Unternehmern zu niedrigen Pachtpreisen an, um nach dem Zerfall der Sowjet-union 1991 der Landwirtschaft auf die Beine zu helfen. "Für jemanden, der in die Landwirt-schaft investieren will", sagt Berik, "sind das sehr gute Bedingungen." Vor zehn Jahren noch lagen viele Felder brach, nachdem sich die genossenschaftlichen Großbetriebe, die Kolcho-sen, aufgelöst hatten.

Teurer Dünger schlägt zu Buche
Der Gewinn unter dem Strich kommt durch die großen Ackerflächen zusammen. Bei 800 Kilogramm Weizenernte pro Hektar erreicht Berik auf seinen 10.000 Hektar 8.000 Tonnen. Die verkauft er für insgesamt 800.000 Dollar. "Wir machen mehr Gewinn als in der Sowjet-zeit", sagt der Bauer. Doch die Ausgaben für Technik, Herbizide und Düngemittel seien hoch. Der Durchschnittslohn in Kasachstan lag im Jahr 2004 bei knapp 27.000 Tenge pro Monat, das sind rund 165 Euro. Noch arbeitet Berik Batirschinov daran, die 300.000 Dollar hereinzuwirtschaften, die er und seine Familie in den Betrieb investiert haben.

Vom kleinen Beamten zum Millionär
Bereits ausgesorgt hat ein anderer ehemaliger Staatsdiener: Oleg Kunajew handelt mit Wei-zen, und er scheint sein Geschäft zu verstehen. Heute gehört er zu den zehn größten Wei-zenhändlern Kasachstans. Er beliefert ganz Zentralasien, Marokko, die Ukraine und Russ-land. Mit Weizenhandel und Agrarchemie macht Oleg Kunajew inzwischen 58 Millionen Dol-lar Umsatz jährlich.

http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/unserland
/landwirtschaft_forst/landw_verbraucher/kasachstan.shtml

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