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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Altersvorsorge in der Landwirtschaft
Pressemitteilung vom 05.12.2002


Im Mai 2001 hat der Bundesrat eine der größten Sozialreformen der deutschen Nachkriegsgeschichte beschlossen. Künftig werden die Renten hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung zurückbleiben. Zum Ausgleich fördert der Staat mit garantierten Zulagen eine verstärkte private Altersvorsorge, die so genannte "Riester-Rente".

Riester für die Bauern
Neben den pflichtversicherten Arbeitern und Angestellten gehören auch versicherungspflichtige Bäuerinnen und Bauern zu den so genannten "begünstigten Personen", welchen der Staat bei einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge finanziell unter die Arme greift - sofern sie wollen. Denn die "Riester-Rente" ist freiwillig.

Kaum vorgesorgt
Gerade die ältere Bauerngeneration hat die zusätzliche private Vorsorge für den eigenen Lebensabend vernachlässigt. Jetzt reizt natürlich manchen die staatliche Zulage zur "Riester-Rente". Wer daher auf die Idee kommt, z.B. eine bestehende Lebensversicherung in eine förderfähige "Riester-Rente" umzuwandeln, sollte allerdings vorsichtig sein: Die "Riester-Rente" ist eigentlich keine zusätzliche Altersvorsorge. Sie ist nur ein Ausgleich für die schrumpfenden gesetzlichen Renten. Einen Lebensabend ohne finanzielle Sorgen garantiert sie also keineswegs.

Zubrot Bauernrente
Deutsche Landwirte haben zwar seit den 50er Jahren eine eigenständige gesetzliche Alterskasse. Doch die war von Anfang an - ähnlich wie die Riester-Rente - nur als Zubrot gedacht. 582.000 bäuerliche Rentenempfänger erhielten im Juni 2001 im Schnitt als ehemalige Unternehmer monatlich 929 Mark Rente und ihre Ehegatten 407 Mark. Einen flotten Lebensabend kann man allein damit sicher nicht finanzieren.

Die Beitragszahler schwinden
In jüngster Zeit ist auch das Vertrauen in die gesetzliche Bauernrente geschwunden. Immer mehr Betriebsleiter geben ihren Hof auf, immer weniger verbleibenden Beitragszahlern steht eine wachsende Zahl an bäuerlichen Rentenempfängern gegenüber. Immer mehr Landwirte wollen daher ihre landwirtschaftliche Alterskasse verlassen. Dabei scheint die Panik der Landwirte nicht gerechtfertigt. Die in die Bauernkasse eingezahlten Beiträge hätten sich bislang nicht schlechter verzinst als in der gesetzlichen Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten, so Johannes Foraita von den Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträgern Franken und Oberbayern. Außerdem wird das Defizit in der Kasse vom Staat aufgefangen. Bereits jetzt finanziert der Bund zur Hälfte die landwirtschaftliche Sozialversicherung.

Die Kosten übernehmen die Steuerzahler
In ihrem Lagebericht 2001 zur landwirtschaftlichen Alterssicherung rechnet die Bundesregierung in Zukunft mit jährlich 4,5 Prozent weniger versicherten bäuerlichen Unternehmern. Da sich der Bund per Gesetz zur Defizithaftung in der landwirtschaftlichen Alterssicherung verpflichtet hat, wird er seinen Zuschuss zur Bauernrente von derzeit 2,2 Milliarden auf 2,9 Milliarden im Jahr 2011 erhöhen müssen.

Zahlende Ehefrauen
Damit die eigenständige Alterssicherung der Landwirte für den Bund finanziell nicht total aus dem Ruder läuft, hat schon die vormalige unionsgeführte Bundesregierung bei der Agrarsozialreform1995 die Ehefrauen von Landwirten zu eigenständigen Beiträgen in die landwirtschaftliche Alterskasse verpflichtet. Dagegen sträuben sich natürlich viele Landwirts-Ehefrauen. Gegen die Chancen einer privaten Altersvorsorge über die "Riester-Rente" sollten sie sich dagegen nicht grundsätzlich sperren. Ein Beispiel: Ein Nebenerwerbslandwirt, Alleinverdiener, drei Kinder, verdient im Jahr 2007 außerlandwirtschaftlich 20.000 Euro im Jahr und hat einen Gewinn von 3.750 Euro aus Land- und Forstwirtschaft. Der Nebenerwerbsbauer und seine nicht berufstätige Ehefrau sind beide in der landwirtschaftlichen Alterskasse pflichtversichert. Also haben auch beide einen Anspruch auf Zulagen zu einer eigenen Riester-Rente. Die Kinderzulagen sollen dem Ehemann zugerechnet werden. Der Mann zahlt dann im Jahr 2008 mindestens 241 Euro eigene Aufwendungen, bekommt dazu allerdings 709 Euro Zulage zu einer Riester-Rente. Die Ehefrau zahlt nur einen Sockelbetrag von jährlich 60 Euro, erhält aber 154 Euro Riester-Zulage. Die Riester-Rente ermöglicht also vor allem Hausfrauen eine bescheidene, aber staatlich geförderte Alterssicherung, sogar dann, wenn sie selbst gar nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Statt Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung
Noch ein Problem: Bei der Vorsorge für den Lebensabend denken die meisten Leute nur an die Altersrente. Doch was ist, wenn Sie schon früher erwerbs- oder berufsunfähig werden? Neben 274.000 bäuerlichen Altersrenten-Empfängern registrierte die Bundesregierung im Juni vergangenen Jahres auch 100.000 ausbezahlte Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. An Erwerbsminderungs-Rente kommen Betroffene aber immer schwerer. Im Zuge der Rentenreform 2001 wurde die gesetzliche Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung abgeschafft. Jetzt gibt es nur noch eine zweistufige Erwerbsminderungsrente: Die volle Rente erhält nur noch der, der weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Wer zwischen drei und sechs Stunden arbeiten kann, erhält die halbe Rente - zumindest wenn in der Region entsprechende Teilzeitarbeitsplätze vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, erhält auch er die volle Rente. Nur wer am 1.1.2001 bereits 40 Jahre alt war und außerlandwirtschaftlich in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war, genießt noch den alten Schutz bei Berufsunfähigkeit.

Private Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung
Wer sich gegen die finanziellen Einbußen einer Erwerbs- und Berufsunfähigkeit absichern will, sollte das rechtzeitig tun. Die Riester-Rente reicht meist nicht aus, um zukünftige Rentenlücken zu schließen. Manko ist neben der Berufsunfähigkeit vor allem die Hinterbliebenenversorgung.

Quelle: www.br-online.de

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