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Die 55 Rittergüter in der Amtshauptmannschaft Meißen
Pressemitteilung vom 05.12.2002


1901 erschien eine Zusammenstellung der Rittergüter im Königreich Sachsen, die Hartmut Schmidt in den DNN v.25.11.02 beschreibt: „Danach wurden für die am 15. Oktober 1877 gebildete Amtshauptmannschaft Meißen noch 55 Besitzungen formal als Rittergüter aufgeführt. Allerdings war das Gebiet der Amtshauptmannschaft Meißen weit größer als der heutige gleichnamige Landkreis. Es entsprach etwa dem Amt Meißen, das zu den größten und ältesten Ämtern des wettinischen Territorialstaates gehörte und einst den Kern der Markgrafschaft Meißen bildete. Es erstreckte sich beispielweise nach Westen weit über Döbeln hinaus. Auch Riesa gehörte zum Amt Meißen.
Die besondere Stellung eines sächsischen Rittergutes gegenüber einem „normalen“ großen Bauerngut erklärt sich aus den einst an das jeweilige Gut gebundenen Pflichten und Privilegien. Dazu gehörten die sogenannte niedere Gerichtsbarkeit der Gutsherren und die Teilnahme an den kursächsischen Landtagen. Mit einer durchschnittlichen Flächenausstattung von etwa 200 Hektar je Gut, darunter im Schnitt rund ein sechstel Wald, würden die hiesigen Rittergüter auch unter heutigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen noch als sehr leistungsfähige Gruppe innerhalb der landwirtschaftlichen Einzelunternehmen im Haupterwerb gelten. Aber eine eingehendere Betrachtung der Besitzverhältnisse zeigt, dass sich seinerzeit nur rund die Hälfte dieser Rittergüter in der Hand adeliger Besitzer befanden. Deren Güter waren allerdings mit durchschnittlich 297 Hektar deutlich flächenstärker als die Höfe bürgerlicher Besitzer.
Die der Fläche nach größten Rittergüter in der Amtshauptmannschaft waren seinerzeit die Güter Oberau (488 Hektar, v. Carlowitz), Bieberstein und Krummhennersdorf (484 Hektar, v. Schroeter) und Gut Rothschönberg mit dem Vorwerk Perne (460 Hektar v. Schönberg-Rothschönberg). Mit nur knapp einen Hektar war hingegen das im Besitz des Herrmann Hanss befindliche Gut Leschen das kleinste „Gut“ mit zumindest noch formalen Rittergutsstatus.
Im Verlaufe der Zeit war es zu einer deutlichen Konzentration von Gütern und Land in den Händen einzelner Familien gekommen. So besaßen die von Schönberg-Rothschönberg, von Schönberg und die von Carlowitz zusammen ein Fünftel der gesamten Rittergutsfläche. Mit 957 Hektar, verteilt auf drei Güter, waren die von Schönberg zugleich die größten Besitzer von Rittergutsland in der Amtshauptmannschaft. Allein die Flächenausstattung spiegelt jedoch nicht exakt der Wert und die Ertragsfähigkeit des jeweiligen Gutes wieder. Dieses Problem wurde bei der Veranlagung zur Grundsteuer durch die damalige Verwaltung auf gegriffen und eine entsprechende Bewertung und der Ertragsabschätzung der Parzellen vorgenommen.
Neben der allgegenwärtigen landwirtschaftlichen Produktion widmete man sich auf manchem Gut auch einer intensiven Tier- und Pflanzenzucht. So bestanden auf Gut Deutschenbora eine Schafstammzucht, eine Yorkshire-Vollblutschweinezucht und auch eine Weizensaatzucht. Der Zucht von Oldenburger Rindvieh und Meißner Landschweinen widmete man sich auf Gut Proschwitz. Überdies war auch auf den hiesigen Rittergütern bodenständige industrielle Produktion wie die Stein-, Sand-, Tonabbau und Ziegelherstellung als auch die Veredlung der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte in eigenen Brennereien und Brauereien allgemein üblich“. Soweit die DNN.

Heute bewirtschaften 15 Agrargesellschaften mit 1000 bis 5000 Hektar und wenige Wiedereinrichter die 80er und 100er Zuckerrüben- und Weizenböden in der Landschaft Meißen, zu der auch Deutschlands ertragreichster Ackerbaustandort, die Lommatzscher Pflege mit ihren Schwarzerdeböden gehört. Nicht die 45/49 Enteigneten, nicht die Erben der seit Jahrhunderten hier ansässig gewesenen kultur- und geschichtsträchtigen Bauernfamilien, sondern altkommunistische Rote Barone beherrschen hier wie anderswo die ländlichen Räume.

VDL-Präsident Dieter Tanneberger fordert deshalb für Ostdeutschland eine neue Boden- und Landreform gegen die industriellen Agrarstrukturen. Gesellschaften über 500 Hektar müssten aufgelöst und Förderobergrenzen eingezogen werden. Er befürchtet für das Ende des Jahrzehnts nach der Erweiterung der EU massive Kleinbauernunruhen in Polen, Frankreich und Süddeutschland, wenn der Trend zur Industrialisierung der Landwirtschaft nicht gestoppt werde.

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