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`Latifundia perdidere Italiam´
Der Großgrundbesitz hat Italien in den Abgrund gestürzt
Pressemitteilung vom 29.11.2007


So lautet die wörtliche Übersetzung einer Feststellung von Plinius dem Jüngeren aus den Jahre 50 vor Chr. bezogen auf Italien. Lässt sich dies u.U. auch auf unsere sächsischen Verhältnisse übertragen, nach dem lateinischen: ´Latifundia perdidere Saxoniam´?

Es gleicht sich doch so manches, auch wenn wiederum gewisse Rahmenbedingungen anders sein müssen. Plinius hat seinerzeit den wirtschaftlichen Niedergang nach Krieg und Nachkriegswirren im alten noch römischen Italien erlebt. Beseitigung und Auflösung bäuerlicher Strukturen auf dem Lande. Landflucht und Konzentration des volkswirtschaftlich wichtigen Produktionsfaktors Boden (LN) in nur wenigen Händen. Bewirtschaftung der riesigen Landgüter nicht mehr von mit Boden und Heimat verbundenen Bauernfamilien, sondern durch Arbeitssklaven und Verwalter. Und dabei schwand die Ertragsfähigkeit der Nutzflächen. Große Ackerflächen führten zu großen Bodenerosionsschäden; einseitige Fruchtfolgen mit Handelsfrüchten und Getreide bis zu Monokulturen herrschten vor. Die Viehhaltung wies schon massentierhaltungsartige Rinderherden von über 7000 Köpfen auf.

Die Kehrseite der Landflucht war die Konzentration der Bevölkerung in Städten. Und diese Zentren wollten versorgt sein. Eine Ernährungssicherung durch Bodenbesitz in vielen Händen, wie es ursprünglich vom ehedem demokratischen Vorgängerregime gefördert wurde, war dahin. Zahlreiche einheimische Bauernfamilien als Bevölkerung im ländlichen Raum und Bevölkerungsreserve für Siedlungszwecke (und Soldaten) waren Geschichte. Die Entvölkerung ganzer ehedem dicht besiedelter und belebter Landstriche schritt voran. Und daran krankte das Staatswesen, die Steuereinnahmen gingen mit abnehmender Ertragsleistung ehedem fruchtbarer Böden zurück. Sinnbild für diese Dekadenz war der bekannte Spruch: Nur `Brot und Zirkusspiele´ können die städtische Bevölkerung bei Laune halten. Auch im ´Alten Rom ´hatte man vergessen, dass man ehedem zur Stabilisierung des Staates bewusst einen eigentumsorientierten bäuerlichen Berufsstand schuf durch Ansiedlung, und weiter beförderte, damit er zum Wohle des Staatsganzen erhalten bliebe.

Betrachten wir uns einige Strukturdaten des Freistaates Sachsen zwischen 1907 -1939 und 2004, so werden Ähnlichkeiten mit den von Plinius schon vor ca. 2000 Jahren kritisierten römischen Verhältnissen erkennbar.

1907 gab es in Sachsen nur 744 Betriebe über 100ha. 99,6% aller Betriebe lagen unter 100ha LN. 1939 gab es im ehem. Mitteldeutschland nur 8400 Betriebe über 100ha LN (1,4% aller). 58,1 % der LN war in den Händen von 98,6% aller Landwirtschaftsbetriebe. Die durchschnittliche LN aller damaligen Großbetriebe über 100 ha lag im ges. Mitteldeutschen bei 452 ha ; in Sachsen deutlich darunter , selten über 200 ha.

Der weitaus größte Teil der LN lag damals noch wie schon 1907 bei 99 % aller Landwirte, also dem wesentlichen Teil der Landbevölkerung (ca. 148.000 Landwirtschaftsbetriebe in 1907).

Um wie viel anders die Verhältnisse im heutigen Sachsen (Krieg, Nachkriegszeit, DDR, Wendezeit und sonstiger Umbrüche). Neueste Zahlen für Sachsen weisen aus, dass 75 % der LN in Sachsen von den Betrieben, i.d.R. Juristische Personen, über 500 ha bewirtschaftet werden. Diese beschäftigen allerdings nur knapp 60 % aller in der Landwirtschaft Sachsens gezählten Erwerbstätigen. Bei den selbst haftenden bäuerlichen Betrieben sieht die Besitzverteilung noch relativ ausgewogen aus. Im Jahre 2004 hatten in dieser Gruppe ca. 15 % aller eine LN von über 100 ha in Bewirtschaftung (948 Betriebe). 5349 Betriebe ( ca. 85 % ) bewirtschaften unter 100 ha. Vor 68 Jahren machte diese Gruppe noch ca. 140.000 Familien aus. Also nur noch 3,8 % der Zahl von 1939 .

Waren in 1939 noch ca. 58 % der LN von diesen Bauernhöfen bewirtschaftet, so ist deren Anteil auf ca.15 % gesunken. Wenn wir die größeren bäuerlichen Privatbetriebe zwischen 100 und 500 ha dazuzählen, so sind das 6297 Betriebsstätten mit 25% der LN.

Also ist festzuhalten: Auch aufgrund ehedem billigen Treibstoffs, moderner Großtechnik und einer Großbetrieben förderlichen Agrarpolitik und deren Fehlern, haben wir nun auch Latifundien in Sachsen . Diese ähneln in ihren Ausmaßen und den Folgen für Beschäftigung im ländlichen Raum unbedingt den römischen. Sicher lässt sich nicht jede Auswirkung von römischen Latifundien auf die ` modernen´ übertragen, aber tendenziell und z. T. im Detail sind die Ähnlichkeiten frappant. (Vorgeschichte, Tempo, menschliches Verhalten, Reaktion mit Landflucht, Entvölkerung, Wegfall der Bindung zu Eigentum und Heimat, Verstädterung, Abnahme der Bodenfruchtbarkeit durch Bodenerosion, Bodenverdichtungen, große Schläge usw.).

Zu bedenken ist, und das könnte ablenken, dass wir heute in einem hoch industrialisierten Land leben. Aber täuschen wir uns nicht: Unsere Lebensgrundlagen liegen in der Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit. Das eine hat mit der Flächengröße und der Art der Bewirtschaftung zu tun, das andere mit der Besitzverteilung: „Hat der Bauer Geld, so hat es die ganze Welt!“

Diese Weisheit war richtig als noch viele selbständige Bauern mittlerer Größe auf der Mehrzahl der Flächen wirtschafteten und Investitionsentscheidungen trafen. Damals wurde noch fast der gesamte Gewinn (wie bei den existenzwilligen Bauern auch heute noch) im `Umkreis des Kirchturms ´ also in den Dörfern investiert. Davon profitierten wiederum andere Gewerke. Bei vielen Juristischen Personen kann man das entsprechend ihrer Form nicht unbedingt behaupten (Aktiengesellschaft).

Wer politisch heute für ländliche Räume entscheiden muss, sollte diese Zusammenhänge im Auge haben. Die einseitige Besitzverteilung zugunsten von `Latifundien ´ damals – wie heute in Sachsen birgt ´Sprengstoff´. Die Erfahrungen von Plinius d. J. aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert in Italien sollten uns wegen so mancher Parallelität und dem sicher wenig geänderten menschlichen Verhalten zu denken geben.

Leserbrief von M.P. Dresden

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