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Sachsen-Anhalt
Proteste gegen Genweizen-Probeanbau
Verbände warnen vor Risiken - FDP begrüßt hingegen die Entscheidung
Pressemitteilung vom 30.11.2006


Magdeburg/dpa. Umweltschützer und Bauernverbände haben gegen den bevorstehenden Probeanbau von genmanipuliertem Weizen in Sachsen-Anhalt protestiert. Der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Erzeugerverband Bioland erklärten, die Risiken des bundesweit ersten derartigen Probeanbaus seit zwei Jahren seien unabsehbar, die Genehmigung daher unverantwortlich. Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben will kommende Woche zu Forschungszwecken 11.200 genveränderte Winterweizenpflanzen säen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte am Donnerstag trotz 29 000 Einsprüchen grünes Licht für das Vorhaben gegeben.

«Die Genehmigung ist eine klare Absage an Risikovorsorge und Verbraucherschutz», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. «Hier werden Steuergelder für ein unsinniges Projekt zum Fenster herausgeworfen.» BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf warnte: «Ein großes Risiko besteht vor allem für die weltweit bedeutende Genbank für Kulturpflanzen in Gatersleben, die dadurch verseucht werden könnte.»

Die Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Annemarie Volling, sprach von einem «Schlag ins Gesicht für die deutsche Land- und Lebensmittelwirtschaft». Weizen als wichtigstes Grundnahrungsmittel in Europa dürfe nicht mittels Gentechnik manipuliert werden. Zu den kurzfristigen Folgen des Versuchs gehöre, dass wegen der Gefahr von Verunreinigungen kein herkömmlicher Weizen aus der Region mehr zu vermarkten sei. Der Verband Bioland erklärte: «Hier vergreifen sich Politik und Wissenschaft durch Genmanipulation an unser aller "täglich Brot".»

Instituts-Sprecherin Waltraud Mühlenberg sagte der dpa, von dem Freisetzungsversuch gingen keine Risiken aus, auch nicht für die in der Einrichtung beheimatete Genbank für Kulturpflanzen. «Wir können alle Sicherheitsauflagen auf den Punkt erfüllen. Es besteht keine Gefahr der Vermischung mit anderen Kulturen.» Das 1200 Quadratmeter große Feld, auf dem der Genweizen angebaut wird, sei mit Hecken abgeschirmt. Darüber würden Vogelnetze gespannt. Sicherheitsabstände zu anderen Feldern und zur Genbank seien gewährleistet. Der Genweizen soll einen höheren Proteingehalt und daher einen höheren Nährwert als herkömmlicher Weizen haben. Der Versuch soll bis 2008 dauern.

Das Umweltinstitut München kündigte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Spitzenbeamte des Bundesamtes wegen «Parteinahme für die Agro-Gentechnik und Befangenheit» an. Die Grünen sprachen sich gegen das Vorhaben aus. Die FDP auf Bundes- und Landesebene begrüßte den Probeanbau hingegen als «gutes Signal für den Forschungsstandort Deutschland und Sachsen-Anhalt». Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hatte den Versuch im Bundestag ebenfalls verteidigt.


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Gen-Weizen darf auf den Acker
Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben darf mit der Freisetzung von gentechnisch verändertem Winterweizen beginnen. Eine entsprechende Genehmigung wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erteilt. Bei dem Gentech-Weizen soll geprüft werden, ob die im Gewächshaus erzielten positiven Resultate bezüglich der Erhöhung des Proteingehaltes auch im Freiland gelingen. In diesem und dem kommenden Winter dürfen jeweils 11 200 Pflanzen im Freiland angebaut werden. Das BVL sieht keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

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