• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Vogelgrippevirus H5N1 mit Mutationen
Pressemitteilung vom 24.11.2006


Eine Forschergruppe aus Japan hat herausgefunden, dass zwei Mutationen eines Proteins des Vogelgrippevirus H5N1 auch Menschen befallen können. Ein Team um Yoshihiro Kawaoka hat, wie die Forscher im Fachblatt "Nature" berichten, zwei unabhängige Mutationen im Virusprotein Hämagglutinin (HA) gefunden, die auch Zellen der oberen Atemwege des Menschen befallen können.

Das ursprüngliche Vogelgrippevirus kann nur an Zellen von Vögeln andocken - und an menschliche Zellen der unteren Atemwege, deren Rezeptoren denen der Vögel ähnlich sind. Um aber auf andere Menschen übertragen zu werden, müsste das Virus auch die oberen Atemwege befallen. Von dort könnte es über Husten oder Niesen nach draußen gelangen.

Eine Vogelgrippe-Pandemie unter Menschen ist trotz aller Warnungen bisher ausgeblieben, weil das Virus nach wie vor hauptsächlich Vögel befällt und nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Doch die Studie zeigt, dass sich das Virus verändert. Die mutierten Viren fanden die japanischen Forscher nur in Proben aus erkrankten Menschen. Vögel trugen hingegen ausschließlich die unveränderte Form von H5N1.

Vermutlich seien noch weitere Mutationen in anderen Virus-Proteinen notwendig, um H5N1 vollends ansteckend zu machen, schreiben die Forscher. Doch die gefundenen Veränderungen könnten auf eine erste Phase der Anpassung hinweisen. Zusätzlich sind sie auch nützlich für die Wissenschaft: "Die Mutationen, die wir identifiziert haben, könnten als molekulare Marker für infektiöse H5N1-Stämme dienen", sagt Kawaoka. Man könnte isolierte Viren gezielt auf diese Veränderungen hin untersuchen, um ihr pandemisches Potenzial rechtzeitig zu erkennen.

An der Vogelgrippe sind bislang mehr als 250 Menschen erkrankt, die meisten im asiatischen Raum. Im vergangenen Winter waren überall in Europa und auch in Deutschland zahlreiche Fälle von Vogelgrippe in Wildvögeln und Nutzgeflügel aufgetaucht. Im Sommer wurde es jedoch weitgehend ruhig um die Vogelgrippe. Dennoch werden weiterhin gelegentlich Todesfälle gemeldet - zuletzt ist ein Kleinkind in Indonesien gestorben. Auch aus Deutschland sei das Virus noch nicht verschwunden, auch wenn es über den Sommer kaum kranke Vögel gegeben habe, sagt Elke Reinking vom Friedrich-Löffler Institut (FLI) auf der Insel Riems. "Das Virus schlummert vermutlich in Wildvögeln", so Reinking. "Ein erneuter Ausbruch im Winter würde uns nicht überraschen."

Forscher in aller Welt beschäftigen sich deshalb weiterhin mit der Möglichkeit, dass das Virus mutiert. Die Meinungen dazu gehen jedoch weit auseinander, denn das Virus wütet seit zehn Jahren in Asien und hat sich bisher nicht verändert. "Die einen sagen, es wird nie passieren. Die anderen sagen, es kann nicht mehr lange dauern", beschreibt Reinking die Positionen. Generell könne man nicht voraussagen, dass H5N1 tatsächlich eine Pandemie auslösen werde. "Die nächste Pandemie kann auch von einem ganz anderen Virusstamm ausgehen."

Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten, damit die Vogelgrippe gar nicht erst um sich greifen kann. Das FLI empfiehlt, Geflügel in Risikogebieten im Stall zu halten. "Dazu gehören Küsten und Gewässer, weil dort die Wasservögel ihre Rastplätze haben", sagt Reinking. Wasservögel gelten als Überträger der Vogelgrippe, erkranken jedoch nicht daran. "Auch Regionen mit einer hohen Geflügeldichte zählen zu den Risikogebieten", erklärt Reinking weiter.

Zum Schutz der Vögel vor dem Virus reiche jedoch gerade bei privaten Haltern eine Voliere, die nach oben hin geschlossen sei. "Wichtig ist, dass Wildvögel keinen Kontakt zum Nutzgeflügel haben."

Quelle: Friedrich-Löffler Institut (FLI) auf der Insel Riems

zurück