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Zur „Erbfolge“ in den Agrar-e.G.
Pressemitteilung vom 28.11.2002


Die altgewordenen LPG-Genossen wollen auf das „erwirtschaftete“ Kapital der eG zugreifen, was die inneren LPG-Strukturen zerreißen lässt. Das gegenseitige Wissen um das gemeinsam verschobene Mitgliedervermögen und die menschlichen Schwächen des Eigennutzes und des Erwerbsvorteils übertreffen inzwischen den früheren ideologischen „Gemeinsinn“ der LPG-Kader und offenbaren nur die gewöhnliche Moral aller Räuberbanden bei der Aufteilung der Beute.

Der bekannte Agrar-Rechtler Prof. Dr. Rolf Steding, Universität Potsdam, schreibt in den Briefen zum Agrarrecht 11/02: „Gleichwohl mehren sich in den letzten Jahren die Stimmen einer gewissen Unzufriedenheit mit der (genossenschafts-)rechtlichen Struktur der Agrar-eG. Kritisch beurteilt werden vor allem

· das Prinzip des Egalitarismus im Sinne einer absoluten Gleichstellung der Genossen (mit Kopfstimmrecht),
· die schwache Möglichkeit zur Beschaffung von Kapital für die Genossenschaft sowie

· die weitgehende Unzulässigkeit einer Beteiligung ausscheidender Mitglieder am Substanzwert einer Agrargenossenschaft.


Der letzte Aspekt ist allerdings dominierend und in Anbetracht des in den Agrargenossenschaften stattfindenden Generationswechsels ein besonders aktuelles Diskussionsthema“. (...)

· „Die ausscheidenden Genossen wollen für die Vergangenheit Zugriff auf das von ihnen maßgeblich miterwirtschaftete Kapital der eG nehmen,

· während deren Nachfolger für die Zukunft nicht selten ein unternehmerisches Modell anstreben, das ihnen fortan persönlich Zugriff zum erwirtschafteten Ergebnis ermöglicht“.


Der VDL sieht in dieser Feststellung eine Bestätigung seiner Auffassung, dass die vielfach gescheiterten LPG-Umwandlungen historisch falsch, gesellschaftlich verheerend und ordnungspolitisch zerstörerisch auf Eigentum, Sitte, Kultur und Tradition in den ostdeutschen Dörfern waren und sind. Der VDL ist 1990 überhaupt nur gegründet worden um die Fortsetzung der zwangskollektivierten „LPG mit anderen Mitteln“ zu verhindern, sagte VDL-Präsident Dieter Tanneberger. Das war ein gesellschaftlicher Irrweg des DBV und der gesamten politischen Klasse. Eifer und Geifer um das verschobene LPG-Vermögen sei in den Agrar-Vorständen in vollem Gange. Viele LPG-Chefs von 1990 hätten zwar über Söhne und Töchter, Schwiegerkinder oder Anverwandte die LPG-Clans im Dorf inzwischen gesichert.

Das gegenseitige Wissen aber um das gemeinsam verschobene Mitgliedervermögen und die menschlichen Schwächen des Eigennutzes und des Erwerbsvorteils überträfen jedoch nunmehr den früheren ideologischen „Gemeinsinn“ der Kader. Nun offenbaren sich die gewöhnlich Verdächtigen bei der Aufteilung der Beute. Das Wissen um die Täterschaften bei der Vermögensverschiebung werde die Nachfolgegesellschaften zerreißen, so Tanneberger.

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