• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

"Bauernaufstand" gegen Sonnleitner <
Pressemitteilung vom 20.11.2008


Ruhstorf - Mit einem nächtlichen "Haberfeldtreiben", einer Art Landgericht, demonstrierten rund 2.000 Milchbauern am Samstagabend gegen den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner.

Sie kamen in dunklen Umhängen und Hüten mit Fackeln, die Gesichter geschwärzt nach Ruhstorf in Niederbayern, das Heimatdorf Sonnleitners. Mit Kuhglocken, Trommeln und Ratschen zogen sie durch den Ort, voran eine Blaskapelle. Auf Sonnleitners Hof ein paar Hundert Meter weiter versammelten sich rund 150 Getreue aus ganz Bayern sowie die Verbandsspitze, um den Präsidenten des Bayerischen und Deutschen Bauernverbandes zu unterstützen. Die Polizei sicherte den Hof.

Einige Milchbauern sehen sich vom Bauernverband angesichts drastisch sinkender Milchpreise im Stich gelassen. Der Verband vertrete nicht die Bauern, sondern beuge sich den Interessen der Industrie. Einige verlangten auch den Rücktritt Sonnleitners.

Bauernverband, Bauernverband!
Du bist nimmer Vertreter von Leute vom Land!
Drum pack jetzt zusammen und nimm deinen Hut Denn ohne dich gehts a genau a so gut!"


rief Haberfeldmeister Anton Prechtl, und aus Hunderten Kehlen schallte es zurück: "Wahr is!" Nicht ganz dem Brauchtum entsprechend hatten sich manche mit Oktoberfesthüten ausstaffiert. Die modernen Haberer durften auch ihre Gesichter nicht ganz schwärzen - das hätte gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

"Die neue Regierung sei gewarnt und aufgeklärt, wenn das jetzt ned bald besser werd , dann kannst den Bauernstand vergessen und Leut könnens Zeug vom Ausland fressen!", skandierte Prechtl - auf einem großen Milchkübel stehend, unter johlendem Applaus.

Anwohner verfolgten das nächtliche Schauspiel, das zu früheren Zeiten Angst und Schrecken verbreitete, vom Straßenrand aus. Der Protest habe eine neue Qualität bekommen, sagte Sonnleitner selbst. "Dass man an den Wohnort angeht, das ist neu." Er habe Verständnis für den Frust der Milchbauern. "Aber es kann nicht sein, dass wir uns gegenseitig zerfleischen." Alle müssten an einem Strang ziehen. Haberfeldtreiben hätten schon früher aus Verleumdungen bestanden und seien ja schließlich auch verboten worden. "Gerd - wir stehen zu Dir", hieß es auf Transparenten und T-Shirts der Anhänger, auch Sonnleitners 84-jährige Mutter Juliane hielt unverdrossen ein Manifest hoch. Bereits am Freitag fand in Herrsching eine Solidaritätskundgebung für Präsident Sonnleitner statt.

Hintergrund
Der Zwist zwischen einem Teil der Milchbauern und dem DBV hat sich drastisch zugespitzt. Wegen des niedrigen Milchpreises hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Sommer zum Milchlieferstopp aufgerufen, der Bauernverband sah darin ein ungeeignetes Mittel. In der Folge seien Marktanteile verloren gegangen. Die Situation eskalierte erneut, als vor gut einer Woche der Bundesrat eine nationale Beschränkung der Milchproduktion kippte.

Einige Milchbauern fühlen sich verraten und werfen dem Bauernverband vor, er habe mit einem Argumentationspapier den Bundesrat beeinflusst. Der Beschluss müsse rückgängig gemacht werden. Sie verlangen, Deutschland als größter Milchproduzent müsse als erstes eine flexible Mengenregulierung umsetzen, um die Preise zu stützen. Der Bauernverband warnt hingegen vor nationalen Beschränkungen der Milchmenge. Die Molkereien könnten im Ausland Milch kaufen, die Einkommen der deutschen Bauern würden nur noch mehr geschmälert. Die Bauern brauchen mindestens 40 Cent, um wirtschaftlich zu arbeiten. Derzeit liegt der Preis in Bayern um 35 Cent, es wird befürchtet, dass er im neuen Jahr unter 30 Cent sackt.

zurück