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Bisher keine Entschädigung für Luxushotel "Erfurter Hof"
Rechtsanwalt v. Raumer sieht Chancen für Millionen-Entschädigung
Pressemitteilung vom 15.11.2007


Die ehemaligen Besitzer des Luxushotels "Erfurter Hof" sind für die Enteignung bisher nicht entschädigt worden. Der Sohn der einstigen Besitzer, Joachim Schäfermeier-Kossenhaschen, sagte der MDR-Sendung THÜRINGEN EXKLUSIV, für ihn sei das ein "Riesenskandal". Er betrachte den "Erfurter Hof", der durch den Besuch Willy Brandts 1970 weltberühmt wurde, bis heute als sein Eigentum. Das Hotel war Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden und gehörte bis 1946 der Familie Schäfermeier-Kossenhaschen.

Rückübertragung abgelehnt
Nach Recherchen des MDR wurde der Antrag des Erben auf Rückübertragung im April 1992 vom Land Thüringen abgelehnt. Als Grundlage wurde der Einigungsvertrag von 1990 genannt. Danach sind Enteignungen auf besatzungsrechtlicher Grundlage zwischen 1945 und 1949 nicht mehr rückgängig zu machen. Eine anschließend von der Familie beantragte Entschädigung wurde bis heute vom Landesamt für offene Vermögensfragen nicht gezahlt.
Der Berliner Spezialanwalt für Entschädigungsrecht Stefan von Raumer hält die Enteignung des "Erfurter Hofes" für möglicherweise rechtswidrig. Der Enteignung, so von Raumer, sei offenbar ein Strafurteil der sowjetischen Besatzungsmacht vorausgegangen. Wenn sich dieses Urteil als unrechtmäßig herausstelle, stehe der Familie in Deutschland eine Entschädigung in Millionenhöhe zu. Voraussetzung für eine Entschädigung sei, dass der damals Enteignete Albert Schäfermeier-Kossenhaschen von der Militärstaatsanwaltschaft in Moskau rehabilitiert werde und kein aktiver Nationalsozialist gewesen sei.

Vorwurf: Mißhandlung von Ausländern
Nach Recherchen von THÜRINGEN EXKLUSIV war Albert Schäfermeier-Kossenhaschen seit dem 1. Mai 1933 Mitglied in der NSDAP (Mitgliedsnummer 2848653). Nach vorliegenden Unterlagen hat er allerdings keine Parteifunktion ausgeübt. Am 13. August 1946 war er von einem sowjetischen Militärtribunal zu zehn Jahren "Strafarbeitslager mit Eigentumsbeschlagnahme" verurteilt worden. Ihm war Unterstützung der NSDAP, Sabotage und Misshandlung von ausländischen Bürgern vorgeworfen worden.
In den vorliegenden Unterlagen finden sich allerdings keine Einzelheiten für die angeblichen Misshandlungen. Anwalt von Raumer sagte, wer damals "aus dem Weg geräumt werden musste", für den sei üblicherweise ein Urteil "erfunden" worden. Allerdings habe es auch viele Menschen gegeben, die das NS-System aktiv unterstützt und davon profitierten hätten. Der Erfurter Historiker Dr. Steffen Raßloff sagte dem MDR, der "Erfurter Hof" habe im Dritten Reich keine besondere Rolle gespielt. Zwar seien Fremdarbeiter eingesetzt worden, aber nicht im großen Umfang. NS-Größen wie Adolf Hitler oder Fritz Sauckel hätten in Thüringen das Hotel "Elephant" in Weimar bevorzugt.
Die Familie Schäfermeier-Kossenhaschen hat außerdem Entschädigungsansprüche für den ehemaligen Wohnsitz Schloss Creuzburg und die ehemaligen Zweigniederlassungen in Magdeburg, den "Magdeburger Hof" und das "Hotel Kaiserhof", beantragt. Auch diese Anträge sind von den zuständigen Vermögensämtern noch nicht entschieden worden.

Treuhand kassierte rund 35 Millionen DM für Erfurter Hof
Der "Erfurter Hof" wurde vorige Woche wiedereröffnet. Das Hotel ist 1970 berühmt geworden, als Willy Brandt beim ersten deutsch-deutschen Spitzengespräch von den Erfurtern bejubelt wurde. Das ehemalige Luxus- und spätere Interhotel hatte die Treuhandanstalt 1991 für rund 35 Millionen DM verkauft. Allerdings musste das Hotel bereits 1995 geschlossen worden. 2004 hatte es die Landesentwicklungsgesellschaft gekauft. Hauptmieter ist nun die Sparkasse Mittelthüringen.

THÜRINGEN EXKLUSIV - Die Reportage

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