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Ein LPG-Konzern geht an die Börse
Pressemitteilung vom 15.11.2007


Von 18 Mio. Euro Umsatz 2006 kamen 4 Mio. Euro aus Brüssel. Nur mit Hilfe dieser Subventionen betrug der Gewinn des Agrar-Multis 2,5 Mio. Euro.

Wie die LANDPOST bereits berichtete, will eine sogenannte „KTG Agrar AG“ an die Frankfurter Börse. „Die Medien reden von einem Bauern. Das aber ist ein Schimpf auf den Berufsstand und die Verbrämung einer umwelt- und kulturzerstörenden industriellen Agrarpolitik in Deutschland, sagte Dieter Tanneberger, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL). „Ein westdeutscher Konzern, der am ostdeutschen LPG-Betrug aus der Gründerzeit 1990/91 profitieren will, hat sich über einen Herrn Siegfried Hofreiter mit 19 landwirtschaftlichen Firmen, vorrangig OST-LPG-Genossen mit rund 14.000 Hektar Fläche aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zusammengeschlossen. Er wird offensichtlich unterstützt von Sonnleitners (DBV) und den Ost-DBV-Genossen eines Wolfgang Vogel, der als SLB-Präsident noch kürzlich von einem Einheitsverband aller Bauern schwätzte. Jetzt trägt der faule Baum des politik-tol(l)erierten LPG-Unrechts seine giftigen Früchte. Bis zu 28 Millionen Euro soll der erste Börsengang am 15. November einbringen. Aber gleich zu Beginn stürzte der Emissionskurs von 17,50 € um über 5% auf 16,70 €. Für die Notierung am Entry Standard sind bis zu 1,8 Millionen Aktien ausgegeben worden, von denen 1,3 Millionen aus einer Kapitalerhöhung stammen. Das erhoffte frische Kapital soll für den Kauf weiterer Betriebe und Ackerland verwendet werden, sagte Vorstandschef Hofreiter.

Insolvenzverschleppung
Ach wenn doch diese „Altlasten“ nicht wären. Sie rücken den Unternehmer Hofreiter in kein gutes Licht. So wurde er 2002 vom Amtsgericht Dachau in jeweils zwei Fällen der Konkursverschleppung und des Bankrotts schuldig gesprochen. Fünf Jahre lang durfte er keine Kapitalgesellschaft führen. Außerdem wurde eine KTG-Tochter Anfang 2007 auf die Herausgabe von 530 Hektar bei Putlitz verklagt, die sie, so der Börsenprospekt, "trotz zeitlichem Ablauf ihres Pachtvertrags weiter bewirtschaftete". Die Klage endete mit einem Vergleich. Da ein Großteil der KTG-Flächen gepachtet sind, fürchten einige Investoren weitere Schwierigkeiten. Nach diesem Exkurs kehrte Hofreiter zurück ins Agrargeschäft. Zunächst beriet er andere Bauern beim Getreideanbau. Und er beteiligte sich an Betrieben. Nach und nach bauten Hofreiter, sein Bruder Werner (37) und Lebensgefährtin Beatrice Ams (36) einen Agrarkonzern mit immer mehr Höfen auf.

Mit LPG-Gülle an die Börse
Derzeit betreibt KTG Agrar 10 Biogasanlagen mit einer elektrischen Anschlussleistung von insgesamt rund 6,5 Megawatt. Neben den genannten Geschäftsfeldern erwirbt die Gesellschaft mit Vorliebe Agrarunternehmen, ist im Agrarhandel tätig bzw. erzeugt und vermarktet Sonderkulturen. Als wichtige Agrar-Standorte werden Anklam (Mecklenburg-Vorpommern), Putlitz, Oranienburg (Brandenburg), Quesitz (Sachsen), Raseiniai und Mazeikiai (Litauen) genannt.

Und die EU zahlt diesen „Bauern“ massive Prämien
"Großbetriebe wie die KTG leben von Brüssel", sagt Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. "Wenn die Prämien nicht mehr fließen, sind sie in den Miesen." In Brüssel wird über eine Kürzung der Prämien diskutiert. Wer bisher mehr als 300.000 Euro pro Jahr erhalten hat, soll 45 Prozent weniger bekommen. Noch im November könnte die Kommission diesen Vorschlag vorlegen. KTG würde das hart treffen: Von 18 Mio. Euro Umsatz im vergangenen Jahr kamen 4 Mio. Euro aus Brüssel. Mithilfe dieser Subventionen betrug der Gewinn rund 2,5 Mio. Euro. Hofreiter baut auf die Verlässlichkeit der EU: "Da wird nichts über Nacht geändert." Bis 2013 seien die Prämien sicher. "Sollte sich dann etwas ändern, steigen zwangsweise die Lebensmittelpreise, und wir machen trotzdem Gewinn."

Mit Aktien Kredite tilgen, die die KTG aufgenommen hat
Der Börsengang soll KTG Emissionserlöse von bis zu 31,5 Mio. Euro einbringen. Davon fließt nicht alles in das Unternehmen: Bis zu 8,75 Mio. Euro gehen an Beatrice Ams, die die Aktien verkauft - nicht gerade ein Vertrauensbeweis aus Sicht der umworbenen Investoren. Frau Ams sagt der Finanziel Times, sie wolle Kredite tilgen, die sie für KTG aufgenommen hat. Das weitere Geld der Kapitalerhöhung will die Holding nutzen, um Flächen in Ostdeutschland und Osteuropa zu kaufen. "Irgendwann vielleicht auch in den USA oder Kanada", sagt Hofreiter der WELT.
Seit 1995 machen er und sein Bruder Geschäfte in Ostdeutschland. "Ihr sucht noch Land?", fragte ein Freund, "kommt schnell her." 24 Stunden später saßen beide in Sachsen-Anhalt beim Notar - und kauften einen ehemaligen LPG-Betrieb, gemeinsam mit der ostdeutschen Gärtnerin Beatrice Ams. Nach und nach übernahmen sie weitere Höfe.
KTG wäre nicht das erste Unternehmen, das von einem Boom profitiert, sich bodenständig gibt - und dann Konkurs geht. Vor allem aber ist der suspekte Börsengang ein Schlag ins Gesicht der ostdeutschen LPG-Struktur. Bessere Argumente könnte der VDL für die Einführung von Förderobergrenzen nicht finden. Hat jener (muß man die Politik fragen) der an der Börse auf Fremdgeld spekuliert, Steuergelder aus Brüssel und Berlin überhaupt nötig?

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