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Aus Schandflecken wieder Vorzeigbares machen
Was der DDR-Sozialismus ruiniert hat: Gutshäuser, Herrenhäuser, Schlösser, Parkanlagen
Von Klaus-Peter Krause
Pressemitteilung vom 13.11.2008


Es gibt sie immer noch im Angebot: Gutshäuser, Herrenhäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings unglaublich verwahrlost, heruntergekommen, verwüstet, also nur als Ruinen dessen, was sie einmal gewesen sind. Und ihre unmittelbare Umgebung mit zerstörten Ställen, Scheunen, sonstigen Nebengebäuden und der ganzen architektonischen Trübseligkeit von Um- und Neubauten während der DDR-Zeit bietet ebenfalls ein Schreckensbild sozialistischer Realität. Wer mag, wer kann so etwas noch erwerben und sich diesen überaus kostspieligen Wiederaufbau zumuten? Staatliche Stellen wie die Bodenverwertungs- und -Verwaltungs GmbH (BVVG) und die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) sowie einzelne Gemeinden bieten es an wie Sauerbier, um aus den Schandflecken wieder Vorzeigbares werden zu lassen; deren Anblick ist für die örtlichen Bewohner und Besucher unerträglich geworden.

Der wiedervereinte deutsche Staat hätte die Gemäuer früher anbieten sollen, nämlich gleich 1990, als die DDR unter - und in der Bundesrepublik Deutschland aufgegangen war, und zwar durch schlichte Rückgabe an deren Eigentümer, wie es sich für geraubtes Gut gehört. Aber die politische Führung Deutschlands, das sich preisend so gern als Rechtsstaat darstellt, hat dies verweigert und verweigert es immer noch - und mit ihnen die Gerichte, obwohl die gesetzlichen Regelungen, wenn auch schwer durchschaubar, die Rückgabe nicht nur ermöglichen, sondern sogar gebieten. Die vielen Eigentümer hätten dann individuell selbst über die Zukunft ihrer Anwesen entscheiden können, schneller als der Staat, sinnvoller als der Staat, und es wäre rechtsstaatskonform gewesen. Wer von ihnen für eine eigene Nutzung zu alt oder nicht hinreichend betucht war, hätte es an Interessenten seines Vertrauens in eigener Regie verkaufen können. Menschen gehen mit ihrem Eigentum vernünftiger um als eine Behörde und durchweg zum größeren Nutzen auch für Staat und Gesellschaft.

Damals, 1990, waren diese Bauten meist noch keine Ruinen wie heute. Dazu geworden sind sie erst in den Jahren danach. Viele der Bauten hat die DDR genutzt als Kinderheim, Krankenhaus, Altersheim, Schule, Ferienunterkunft, Verwaltungsgebäude oder Konsum-Verkaufsstelle. Dann sind wenigstens Dächer und Fenster dicht geblieben, die Räume gelüftet und geheizt worden. Wohl wurde das Innere schändlich verunstaltet, wohl war alles entsetzlich ramponiert, aber das Gebäude selbst ist, als die DDR verblich, in seiner Substanz noch passabel erhalten geblieben. Was der Unrechtsstaat DDR zwar fürchterlich verschandelte und herunterwirtschaftete, dem gab und gibt der Rechtsstaat Bundesrepublik den endgültigen Todesstoß. Gerade diese Gebäude wären leichter und weniger kostspielig wieder herstellbar gewesen, hätte man sie den Eigentümern einfach zurückgegeben.

Eben das aber ist nicht geschehen, und deshalb sind nun die einst so schönen Anwesen ein besonders schlimmes Bild der Trostlosigkeit - wiederum durch staatliche Schuld. Die Ursachen dafür finden sich in ideologischer Verblendung auch nach 1990, politischer Verbohrtheit, kultur-historischer Ignoranz und töricht-trotzigem Verweigern von Einsicht in die auch wirtschaftlichen Folgen dieser Haltung. Was nicht (mehr) genutzt wird, was leer steht, wird ausgeplündert, verfällt, wird von Vandalisten mutwillig noch weiter zerstört. Regen dringt durch kaputte Dächer und eingeschlagene Fenster, durchnässt Mauerwerk und Decken, Frost setzt das Zerstörungswerk fort, der Schwamm zieht ein.

Um zu retten, was vielleicht doch noch retten ist, und die „Denkmallandschaft Gutsanlagen“ zu erhalten, engagieren sich zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren Stiftungen, Arbeitsgemeinschaften und Vereine. Ständig mahnen sie, machen auf den Verfall öffentlich aufmerksam, versuchen, Abrisse zu verhindern, Rechtswidriges öffentlich zu machen, rücken, damit er hilft, dem staatlichen Denkmalschutz auf die Pelle, wirken daran mit, Erwerber zu finden, und stehen diesen dann beratend zur Seite. Aber Interessenten sind inzwischen dünn gesät, denn das Beste ist weg und der ruinierte Rest so abschreckend, daß sich, wer willens ist, schnell wieder abwendet, wenn er mit dem Anblick der Zerstörung konfrontiert wird.

Manche Häuser haben neue private Eigentümer auch schon gefunden, aber so mancher hat sich damit übernommen und den Kostenaufwand sowie den eigenen Arbeitseinsatz, der für die Wiederherstellung nötig ist, völlig unterschätzt. Es fehlt ihnen an Geld, das anfängliche Interesse ist eingeschlafen, sie lassen sich nicht mehr blicken, der Verfall geht weiter. Insgesamt hat es allein in Mecklenburg-Vorpommern einst rund 2500 Herrenhäuser, Gutshäuser und Schlösser gegeben. Im Frühjahr 2008 waren es nur noch rund 1800. Das Land hat die stärkste Dichte an solchen Häusern in ganz Deutschland, denn im Durchschnitt findet man ein Guts- oder Herrenhaus alle vier Quadratkilometer.

Von den 1200 Parkanlagen ist nach Angaben aus dem zuständigen Landesministerium die Hälfte denkmalsgeschützt. Das Land wolle sie erschließen, es gebe darüber eine Koalitionsvereinbarung. Sie sollen kulturgeschichtliche Anziehungspunkte für Touristen sein, und wenn Touristen kommen, profitiert davon auch das Hotel- und Gaststättengewerbe. Aber andere Teile der Wirtschaft profitieren ebenfalls. Denn Gutsanlagen sind ein kulturhistorisches „Gesamtkunstwerk“, das aus Gutshaus, Ställen und Scheunen, Parkanlage, Gutsdorf und Dorfkirche besteht. Dies alles wiederaufzubauen, bringt Beschäftigung für Dachdecker, Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Elektriker und für andere Gewerbeunternehmen.

Nach Angaben von Michael Bednorz vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege sind auch in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt schon 75 Prozent der Häuser „in guten Händen, selbst wenn dort noch nicht alles gemacht ist“ (Stand Frühjahr 2008). Jedenfalls gilt das für die rund 1000 denkmalsgeschützten. Davon seien 237 nach dem Stand von Anfang April vom völligen Verfall bedroht. Wieviele von den rund 800 Guts- und Herrenhäusern, die (noch) nicht unter Denkmalsschutz stehen, ebenfalls bedroht sind oder schon „in guten Händen“ sind, wusste das Landesamt im Frühjahr 2008 nicht.

Eine Entschließung verschiedener Vereine vom Januar 2003 („Warener Resolution“) appelliert an das Land, den Abriß der historischen Bausubstanz aufzuhalten und mit öffentlichen Geldern nicht den Abriss zu finanzieren, sondern die Substanz zu sichern. Sind Abrisse vorgesehen, verlangen die Vereine ein Mitspracherecht. Sie wenden sich auch gegen die Verkaufsweise von BVVG und TLG, weil diese staatlichen Gesellschaften nur Teile aus einer Gutsanlage verkaufen und den unverkäuflichen Restbestand dem Verfall preisgeben.

Das Erhalten der Gutsanlagen und damit die Pflege der Kulturlandschaft ist nicht nur für den Tourismus von Bedeutung, sondern macht das Land auch attraktiver für Interessenten aus Deutschlands Ballungsgebieten, die Raum und Ruhe suchen, hier ihren Wohnsitz zu nehmen. Nicht zuletzt bringt es im Land Beschäftigung, wirkt damit gegen das Abwandern von Arbeitskräften und fördert die Ausbildung junger Fachkräfte für die Sanierung. Was sich aus Ruinen machen läßt, wenn man dafür genug Geld hat, kann man in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls sehen. Beeindruckende Beispiele dafür gibt es schon viele.

Quelle: www.kpkrause.de

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