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Glosse Late Night
Egon Krenz im Müllhaufen der Geschichte
Pressemitteilung vom 09.11.2006


Im Kreuzverhör beim N24-Talk „Links-Rechts“ hatte der Honecker-Nachfolger nichts zu lachen. Das Moderatorenteam stellte ihn auf eine Stufe mit Saddam Hussein. Außerdem solle Krenz froh sein, jetzt 1000 Euro Rente zu bekommen – schließlich habe er nur „dämliche Ostmark“ eingezahlt.

Berlin - Netter als ein Kaffeekränzchen mit der Spanischen Inquisition ist nur eine nächtliche Weinrunde, in der man eingekeilt zwischen den Moderatoren Hajo Schumacher und Hans-Hermann Tiedje sitzt. Dass ihm im Kreuzverhör mit den beiden Journalisten nichts Gutes blühen würde, hätte sich Egon Krenz denken können. Dem letzten Staats- und Parteichef der DDR wurden beim N24-Politik-Talk „Links-Rechts“ die Fragen aus beiden Richtungen nur so um die Ohren geballert.

Schon die Eröffnungsfrage machte klar, woher der Wind weht: Heute sei ein Verlierer zu Gast, moderierte Schumacher die Sendung an und wandte sich mit einem charmanten „Wie fühlt man sich auf dem Müllhaufen der Geschichte?“ an Krenz. Keine Zeit beleidigt zu sein, der Nachfolger Erich Honeckers musste schnell lernen, zackig zu antworten, um zwischen den vielen Fragen überhaupt zum Reden zu kommen.

Spricht er fließend russisch wie Merkel, warum fährt er einen Opel und keinen Trabbi, hatte er bei der WM eine Deutschlandflagge an seinem Auto, warum kommen so gute Fußballer aus der Ex-DDR, hat er sich mit Honecker gemeinsam Sexvideos angesehen – nur eine halbe Stunde Zeit für Fragen, die die Welt bedeuten.

Eine längere Redezeit kann Krenz nur in den raren Momenten ergattern, in denen Schumacher an seinem Wein nippt und gleichzeitig Tiedje mit Streichhölzern und Zigarre kämpft. Dann darf Krenz endlich davon faseln, wie unfair ihn die Journalisten beim Mauerschützenprozess behandelt haben, dass Merkel sich ihre Ellbogen in der Bundesrepublik angeeignet hat und wie ungerecht es eigentlich ist, dass jemand mit Putins Biografie in Berlin noch nicht mal Chancen als Müllmann hätte.

Bevor er sich hinein stürzt in die Klage-Arie darüber, dass Geschichte in Deutschland nicht so behandelt wird, wie sie behandelt werden müsste, schalten sich zum Glück die Moderatoren wieder mit einer unangenehmen Frage ein: „Hussein wird aufgehängt, haben Sie nicht manchmal das Gefühl, dass Sie noch Glück hatten?“

Eine richtige Antwort bleibt Krenz schuldig. Egal, eine weitere verbale Ohrfeige naht beim Thema Rente: Rund 1000 Euro erhalte er, erzählt Krenz mitleidig - im Vergleich zu anderen Politikern sei das natürlich wenig. Er könne froh sein, dass er überhaupt was kriege, konterte Schumacher, schließlich habe er nur „so dämliche Ostmark“ eingezahlt. „Warum sagen Sie nicht einfach mal Danke?, schlägt der Moderator vor. Nur Schweigen wäre noch schöner.

Quelle: Sandra Fomferek über den N24-Talk „Links-Rechts“

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