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Markus Wolf ist tot
Pressemitteilung vom 09.11.2006


Der frühere Geheimdienstchef der DDR, Markus Wolf, ist tot. Er starb in der Nacht zum 9. November, der Nacht, in der vor 17 Jahren die Berliner Mauer fiel im Alter von 83 Jahren in Berlin, teilte seine Schwiegertochter der dpa mit. Wolf sei in seiner Wohnung friedlich eingeschlafen.

Markus Johannes („Mischa") Wolf (* 19. Januar 1923 in Hechingen; † 9. November 2006) leitete 34 Jahre lang die Hauptverwaltung Aufklärung (den Auslandsnachrichtendienst) im Ministerium für Staatssicherheit der DDR . Sein Vater war der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf, sein Bruder war der Filmregisseur Konrad Wolf. Da sein Vater Friedrich Wolf jüdischer Herkunft und aktiver Kommunist war, emigrierte die Familie Wolf 1933 zunächst in die Schweiz, danach nach Frankreich und 1934 in die Sowjetunion. Von 1940 bis 1942 besuchte Wolf die Hochschule für Flugzeugbau in Moskau, anschließend die aus Moskau nach Kuschnarenkowo im Ural evakuierte Parteischule des Exekutivkomitees der Komintern. Ab 1943 war er Redakteur und Sprecher beim Moskauer "Deutschen Volkssender". 1945 kehrte Wolf mit einer der ersten Gruppen deutscher Exilkommunisten - jedoch nicht mit der Gruppe Ulbricht - nach Deutschland zurück. Zunächst war er - unter dem Decknamen "Michael Storm" - beim neu aufgebauten Berliner Rundfunk tätig, wo er bis 1949 verblieb. 1945/46 war er als Berichterstatter beim Nürnberger Prozess akkreditiert. Nach der Gründung der DDR wurde Wolf 1949 als Erster Rat an die DDR-Botschaft in Moskau berufen. Diese Tätigkeit dauerte bis 1951.
Ab September 1951 beteiligte sich Wolf am Aufbau des als Institut für wirtschaftswissenschaftliche Forschung getarnten Außenpolitischen Nachrichtendienstes der DDR (APN) in Berlin. Er wurde stellvertretender Leiter der Hauptabteilung III (Abwehr) des Nachrichtendienstes. 1952 wurde er als Nachfolger von Anton Ackermann, der bei SED-Chef Walter Ulbricht in Ungnade gefallen war, zum Leiter des Stasi-Vorläufers APN berufen. 1953 wurde der APN ins MfS eingegliedert. Wolf wurde nach der Eingliederung Leiter der Hauptabteilung XV (Auslandsaufklärung).
Ab 1956 lautete dessen Bezeichnung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA). Wolf wurde Generalmajor und war als "Spionagechef“ auch 1. Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit (zunächst unter Wollweber) dann unter Mielke. Ironie der Geschichte: Klaus Kinkel, der ebenfalls aus Hechingen stammt, war 1979-82 sein direkter Gegenspieler als Präsident des Bundesnachrichtendienstes. 1979 wird Wolf durch den DDR-Überläufer Werner Stiller beim BND auf einem Foto des schwedischen Nachrichtendienstes identifiziert, nachdem es seit den 50er Jahren kein aktuelles Foto von ihm im Westen gegeben hatte, daher auch sein zeitweiser Beiname "der Mann ohne Gesicht". Seitdem waren seine Reisemöglichkeiten ins westliche Ausland stark eingeschränkt.
Im Mai 1986 wurde Wolf, der den Dienstgrad Generaloberst erreicht hatte, auf eigenen Wunsch beurlaubt. Noch im November desselben Jahres erfolgte seine Entlassung aus dem MfS. Anschließend wurde er schriftstellerisch tätig; sein erstes Buch war "Die Troika".
Am 4. November 1989 trat Wolf auf der Großdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz als Redner auf. Er bekannte sich zu den Reformen in der DDR, forderte aber auch Anerkennung für die Mitarbeiter des MfS, woraufhin er ausgepfiffen wurde. Seine zeitweiligen Pläne einer zweiten Karriere als SED-Reformpolitiker fanden damit ein schnelles Ende. 1990 flüchtete Markus Wolf kurz vor der Wiedervereinigung über Österreich nach Moskau, da ihm bekannt war, dass ihm im wiedervereinigten Deutschland eine Verhaftung drohen würde.
1991 beantragte Wolf in Österreich politisches Asyl. Nach der Ablehnung des Antrags stellte er sich an der deutschen Grenze den deutschen Behörden. 1993 wurde Wolf durch das Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Landesverrats in Tateinheit mit Bestechung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Das Urteil wegen Landesverrats hatte keinen Bestand, „da die Spionage im Auftrag des souveränen Staates DDR und im Einklang mit ihren Gesetzen erfolgte“, so das Bundesverfassungsgericht.
1997 kam es zu einer Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe unter Gewährung von Strafaussetzung zur Bewährung wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung in vier Fällen. Im gleichen Jahr wurde Wolf wegen Aussageverweigerung im Spionageprozess gegen den SPD-Politiker Paul Gerhard Flämig drei Tage Beugehaft verhängt. Zwischenzeitlich lebte er im badischen Emmendingen.

Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie

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