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Chefredakteur der Ostseezeitung unter Stasi-Verdacht
Als IM Reger zum Agenten im Operationsgebiet (Bundesrepublik) ausgebildet
Pressemitteilung vom 11.11.2005


Nach Medienberichten hat der Chefredakteur der "Ostsee-Zeitung" in Rostock jahrelang in Diensten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gestanden. Das ergibt sich aus Dokumenten der Birthler-Behörde. Nach diesen Akten hat sich Gerhard Spilker am 28. November 1967 verpflichtet, "freiwillig das Ministerium für Staatssicherheit im Kampf gegen alle Feinde unseres Staates zu unterstützen". Ihm sei bewußt, daß er über die Zusammenarbeit mit keiner Person sprechen dürfe, heißt es in seiner Verpflichtungserklärung für das MfS. Die Ostsee-Zeitung ist mit einer Auflage von rund 169.000 Exemplaren täglich die größte Zeitung Mecklenburg-Vorpommerns und gehört durch direkte und indirekte Beteiligungen mehrheitlich zum Verlag Axel Springer.

Spilker, zunächst Redakteur einer Betriebszeitung und später Wirtschafts-Chef der Ostsee-Zeitung, arbeitete laut Aktenlage als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) mit dem DDR-Geheimdienst unter dem selbst gewählten Decknamen Siegfried Reger zusammen. Bis zu seiner Abschaltung im Jahr 1980 lieferte IM Reger mehrere Berichte, bespitzelte dabei auch Kollegen und Bekannte. Das MfS hielt in seinem Abschlußbericht am 30. September 1980 fest: "Der IM berichtete in dieser Zeit der Zusammenarbeit zu Personen, Problemen in der Redaktion der Ostsee-Zeitung und zu einer Reportagefahrt in westliche Länder." Die Stasi war allerdings zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht mehr zufrieden mit den Arbeitsergebnissen ihres IM. Zudem waren seine Vorgesetzten darüber empört, daß er sich mit Unterstützung des Geheimdienstes persönliche Vorteile zu verschaffen versucht habe, zum Beispiel ein "vorzeitiges Zurückerlangen der Fahrerlaubnis".

Spilker, seit der Wende Chefredakteur, war zuvor für das MfS ein jahrelang geschätzter Mitarbeiter, das belegen die Stasi-Akten. Bei der Kontaktaufnahme 1967 gelangte ein Stasi-Leutnant zu der Überzeugung, daß der damalige Kandidat aus innerer Überzeugung heraus für den Geheimdienst arbeiten wolle. In den Akten heißt es: "Nachdem der Kandidat eine allgemeine Einschätzung über die betriebliche Situation gegeben hatte, wurde ihm die Frage eines engeren Kontaktes mit dem MfS gestellt. Es wurde dazu herausgestellt, daß es darum geht, unser Ministerium über alle betrieblichen Probleme, die den Verdacht einer Feindtätigkeit zulassen, zu informieren. Der Kandidat erklärte hierzu, daß es bei dieser Frage keine Unklarheiten gibt und er jederzeit bereit ist, daß MfS zu unterstützen."

Spilker hat nach den vorliegenden Dokumenten damals geäußert, daß er gern Spionageaufträge ausführen würde. Es sei ihm erläutert worden, daß diese Zusammenarbeit einen streng konspirativen Charakter trage und er mit keiner Person darüber sprechen dürfe.

„Dieses sah der Kandidat auch ein und versprach, alles in seinen Kräften stehende zu tun, um alle Aufgaben gewissenhaft durchzuführen." IM Reger sollte dann auch tatsächlich als Agent des Einsatzkaders im Operationsgebiet (Bundesrepublik) ausgebildet werden. Es war bereits ein konkreter Plan erarbeitet worden. Demnach sollte der IM im Zeitraum Mai bis Dezember 1977 so geschult werden, "daß ab Januar 1978 die Regimereise ins Operationsgebiet durchgeführt werden kann." Es wurde ein westdeutscher Reisepaß für ihn angefertigt, damit er mit einer Legende in den Westen hätte reisen können.

Schon im Februar 1977 hatte IM Reger einen Bericht über eine Journalisten-Reise nach Hamburg, Bremen, Rotterdam und Libyen abgegeben. Ausführlich berichtete er 1976 über das Innenleben der Ostsee-Zeitung. Auf von ihm selbst unterzeichneten sieben Seiten schilderte der IM detailliert die Arbeit der Redaktion und das Partei-Leben. Im April 1979 erzählte er seinem Stasi-Kontaktmann in der eigenen Wohnung, daß ein Bundesbürger angeboten habe, einer Bekannten von Spilker zur Flucht aus der DDR zu verhelfen. Inwieweit dieser Fluchtversuch durch diesen Verrat beeinflußt wurde, geht aus den Akten nicht hervor.

Der Verlag der Ostsee-Zeitung reagierte sofort: "Bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe hat die Geschäftsführung der Ostsee-Zeitung Gerhard Spilker mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Chefredakteur freigestellt."

Quelle: Birthler-Behörde

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