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Agrarprogramme nutzlos für den Umweltschutz?
Holländische Forscher: Geförderte Maßnahmen sichern nicht die Artenvielfalt
Von Peter Hergersberg
Pressemitteilung vom 12.11.2001


Mehr als zwei Milliarden Euro gibt EU-Kommissar Franz Fischler jährlich für Agrarumweltprogramme aus, so für Maßnahmen die die Arten erhalten, die die Gewässer schützen und Landschaften bewahren sollen. Alles umsonst, behaupten nun niederländische Wissenschaftler der Universität Wageningen im Fachmagazins „Nature“: Zumindest dem Artenreichtum bringe dies alles nichts: „So wie die Programme gestaltet sind, helfen sie keiner Art“, sagt Studienleiter David Kleijn. Sein Team prüfte den ökologischen Nutzen eines Programms, das Bauern unterstützt, wenn sie dem Austerfischer und der Uferschnepfe das Überleben auf Wiesen sichern. Zum Beispiel müssen sich genügend Regenwürmer als Futter durch den Boden winden, und Landwirte dürfen erst mähen, wenn sie die Brut nicht mehr stören. Für den Verdienst, der ihnen entgeht, kassieren sie den Großteil der rund 100 Millionen Euro, die in den Niederlanden als Prämie für zurückhaltende Landwirtschaft fließen – eine Hälfte davon stammt aus Brüssel. Mit Geld belohnt werden auch Landwirte, die Dünger und Pestizide sparen, damit dich Gräser und Insekten breit machen. Doch die Biologen aus Wageningen fanden keinen größeren Artenreichtum auf den EU-geförderten Wiesen als in schonungslos genutzten Gebieten.

„Dass die Maßnahmen nicht greifen, liegt aber nicht an den Programmen, sondern an den Bedingungen der niederländischen Landwirtschaft“, sagt Reiner Plankl, der Agrarumweltmaßnahmen an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig begleitet. So berücksichtigten niederländische Bauern die Regeln nur auf gut zwei Prozent der genutzten Fläche. Ihre deutschen Kollegen wendeten sie dagegen auf rund 30 Prozent der Äcker, Wiesen und Weiden an. „Rundherum um die geschonten Flächen wirtschaften die niederländischen Landwirte sehr intensiv - mit kräftiger Stickstoffdüngung“, sagt Dietrich Plankl, Leiter des Fachgebietes Umwelt und Landwirtschaft beim Umweltbundesamt: „Da ist doch klar, dass die Maßnahmen nichts bringen.“ Dann sei der Pegel an Nährstoffen auch im geschonten Boden so hoch, dass genügsamere Pflanzen keine Chance hätten. Jedenfalls könne man anhand der niederländischen Studie nicht auf Deutschland schließen, sagt Wolfgang Reimer, Leiter der Abteilung Agrarstrukturpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Er ärgert sich über das pauschale Urteil der Wissenschaftler. Und Florian Schöne, Agrarreferent beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unterstützt ihn: „In Nordrheinwestfalen schützen einige Programme Wiesenbrüter wie den Brachvogel und die Uferschnepfe sehr erfolgreich“, sagt er. Das streitet der niederländische Ökologe Kleijn nicht ab. „Aber die EU muss die Maßnahmen Viel besser auf die Gegebenheiten in einem Gebiet anpassen und strenger kontrollieren“, sagt Kleijn. Ee wisse nur noch von einer einzigen Studie in Südengland, die den ökologischen Erfolg der EU-Programme untersucht. Dieser Befund erstaunt Joachim Weiss.

Denn er ist dafür zuständig, diesen Erfolg an der Nordrhein-Westfählischen Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (Loebf) zu kontrollieren. Demnach profitieren Brachvogel und Uferschnepfe von den Programmen. Als Refugien blieben ihnen gerade die von der Landwirtschaft geschonten Gebiete, so Weiss. Denn Obwohl das Bundesland den Nationalpark Djoudj im Senegal fördert, wo die Vögel überwintern, nimmt die Zahl der in Deutschland brütenden Tiere ab. Dass honorierte Auflagen eingehalten werden, genügt Agrarpolitikern in Baden-Württemberg nicht. Sie schufen ein Programm, das Bauern nur Geld bringt, wenn sie eine größere Artenvielfalt auf den Flächen nachweisen können. Damit haben sie als Erste in der EU praktisch umgesetzt, was die Agrarminister in der Agenda 2000 als Ziel formuliert haben – dass die Agrarumweltprogramme mehr der Natur zugute kommen sollen. Als sie 1992 geschaffen wurden, liefen die Maßnahmen noch unter dem Label MeKa: Marktentlastungs- und Kulturausgleichsförderung und sollten also in erster Linie den Landwirten helfen und nicht bedrohten Arten.

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