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Der Agrarrebell
Permakultur – eine Sonderform des naturnahen Landbaus in den Alpen
Pressemitteilung vom 07.11.2002


Im „Sibirien von Österreich“, dem Lungau im südlichen Zipfel des Salzburger Landes, betreibt der Bauer und Waldbesitzer Sepp Holzer auf seinem Bergbauernhof eine ganz besondere Form der Landwirtschaft: Permakultur.

Entgegen allen konventionellen Regeln und Bergbauern-Traditionen und trotz der Grenzlage des Hofs, der sich zwischen 900 und 1.400 Metern Höhe erstreckt und einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 4,5 Grad ausgesetzt ist, hat er dort eine exotisch anmutende Terrassenlandschaft angelegt, ähnlich den Reiskulturen in Asien: auf 46 Hektar, der früher von Weiden und Fichtenwald bedeckt war, gedeihen nun verschiedene Getreide-, Obst- und Gemüsesorten, die man in dieser Lage nicht vermuten würde: Neben Kirschen, Äpfeln und Kürbissen zum Beispiel auch Kiwis und Zitronen, daneben Kräuter, Pilze oder Enzian, dessen Wurzeln die Grundlage für Schnaps sind. Und dazwischen rund 45 Fischteiche, Wassergärten und Feuchtbiotope, in denen sich Fische, Krebse, Kröten und zahllose Insekten tummeln.

Auf den Gebrauch von Pestiziden, Herbiziden und Kunstdünger wird gänzlich verzichtet. Stattdessen baut Sepp Holzer die Pflanzen so an, dass sie sich gegenseitig unterstützen – genau wie es die Vorfahren Jahrhunderte lang getan haben. So liefern sich die Pflanzen gegenseitig Stickstoff, Grunddüngung oder Feuchtigkeit, und auch die Tiere spielen eine Rolle. Seine freilaufenden Schweine „eggen“ und düngen zum Beispiel den Boden,

„Permakultur“ ist der Insider-Begriff für diese Sonderform des naturnahen Landbaus. Als Sepp Holzer 1962 den „Kameterhof“ als 19 Jähriger von seinem Vater übernahm und Zug um Zug seine Ideale umzusetzen begann, kannte man diesen Begriff allerdings noch gar nicht. Und jahrelang wurde er nur verspottet und verlacht. Heute lacht keiner mehr. Der Kameterhof ist Ziel von Landwirtschaft-Experten und Universitätsprofessoren geworden und wurde als Modell-Projekt in die Expo 2000 aufgenommen. Während viele umliegende Bauern aufgeben mussten, geht es Sepp Holzer heute so gut wie noch nie.

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