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Rückblende
43 % der LPG-Nachfolger haben gegen das Gesetz verstoßen
Ein Forschungsbericht der Kieler Agrarökonomen belegte bereits 1996 flächendeckende Vermögensmanipulation in der ostdeutschen Landwirtschaft
aus: Die Welt vom 04.Oktober 1996
Pressemitteilung vom 01.11.2001


Der Vorwurf der flächendeckenden Vermögensverschiebungen in der ostdeutschen Landwirtschaft wird von einem Forschungsbericht, der vom Bundeslandwirtschaftsministerium seit Februar unter Verschluss gehalten worden ist, noch einmal ausdrücklich untermauert. Danach haben zwischen 1991 und 1995 insgesamt 43 Prozent aller Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) in der Vermögensauseinandersetzung gegen das Gesetz verstoßen. Das ist nahezu jeder zweite Betrieb. Erste Vergleiche von Eröffnungs- und den für die Abfindung ehemaliger LPG-Mitglieder maßgeblichen Umwandlungsbilanzen zeigen, dass es von der ersten zur zweiten Bilanz im Durchschnitt zu Vermögensverringerungen von mindestens 15 % gekommen ist, heißt es in dem Bericht weiter. Das Institut für Agrarökonomie an der Kieler Universität hat im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums die Frage des Kapitalabflusses aus den LPG-Betrieben im Zuge der Umwandlung in neue Unternehmensformen untersuchen sollen. Der von Ulrich Köster und Holger Thiele ausgearbeitete Forschungsbericht stützt sich auf die eingehende Untersuchung von 60 LPG-Nachfolgeunternehmen, auf Strichproben bei weiteren 422 dieser Unternehmen, auf die Untersuchung von 274 Klagefällen sowie die Auswertung von Kontrollen der Länderministerien. Vor allem diese Kontrollen bestätigten die ökonomischen Anreize, durch Unterbewertung des Vermögens die Fortführung der Nachfolgeunternehmen zu gewährleisten. Sie belegten auch die Gesetzesverstöße in 43 Prozent aller Fälle zwischen 1991 und 1995. Zwar seien die Unternehmen von den Ministerien vielfach zur Nachbesserung aufgefordert worden, fügen die Kieler Agrarökonomen hinzu, doch lägen über deren Umfang keine Daten vor. Indessen lässt die Auswertung der 274 privatrechtlichen Klagen nach ihrer Ansicht den Schluss zu, dass keineswegs alle Gesetzesverstöße ausgeräumt sind. Die Auswertung dieser Klagen haben außerdem ergeben, dass im Durchschnitt mit nachträglichen Abfindungsansprüchen ehemaliger LPG-Mitglieder von jeweils 30 000 DM gerechnet werden müsse. Schließlich glauben Köster und Thiele, dass Ende 1996 erst 57 Prozent aller LPG-Nachfolgeunternehmen die Vermögensauseinandersetzung abgeschlossen haben werden. Dieser Anteil könne sich jedoch noch einmal vermindern, wenn es durch die Aufdeckung von Gesetzesverstößen zur Wiederaufnahme des Verfahrens kommen müsse, fügen sie hinzu. Doch die Unternehmen, heißt es in diesem Forschungsbericht weiter, hätten nicht nur durch Unterbewertung der Vermögen einem Kapitalabfluss vorgebeugt. Um einen weiteren Kapitalentzug beim späteren Austritt von zunächst in das Unternehmen mitgenommenen LPG-Mitgliedern zu minimieren, hätten vor allem die in Genossenschaften umgewandelten Betriebe ein möglichst niedriges Beteiligungskapital ausgewiesen.

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