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Windparks / Stromnetze
Koalition legt Streit bei
Energiekonzerne müssen Windparks ans Stromnetz anschließen
Pressemitteilung vom 26.10.2006


Berlin - Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU haben den regierungsinternen Streit über den Ausbau der Windenergie und den sogenannten Gebäude-Energiepass weitestgehend beigelegt. Das geht aus Bundestagskreisen und Pressemeldungen hervor. Der Kompromiss sieht vor, dass die Energiekonzerne künftig sicherstellen, Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee ans Stromnetz anzuschließen. Die Kosten dafür können die Versorger auf die Verbraucher überwälzen. Neue Stromtrassen an Land sollen nur in einem 20 Kilometer breiten Küstenstreifen unterirdisch verlegt werden. Auch die Mehrkosten hierfür sollen über die Strompreise abgewälzt werden. Das entsprechende "Infrastrukturgesetz" ist vergangene Woche vom Bundestag verabschiedet worden.

Alternative Energie
Windkraft überlastet Deutschlands Stromnetz
Bürgerinitiativen in Norddeutschland wehren sich gegen Hochspannungsleitungen auf der Gemeindefläche. Im schleswig-holsteinischen Landtag kam Mitte September deshalb sogar ein fraktionsübergreifender Beschluss zustande: "Der Landtag ist der Auffassung, dass neuen Hochspannungskabeln als Erdkabel wo dies technisch und wirtschaftlich vertretbar ist, der Vorrang eingeräumt werden sollte."
Der Widerstand gegen Hochspannungsmasten bringt die Stromkonzerne und auch die Windkraft-Betreiber inzwischen in arge Bedrängnis. Denn immer mehr Elektrizität wird in Norddeutschland von der boomenden Windkraft erzeugt und muss zu den großen Verbrauchszentren im Ruhr- oder Rhein-Main-Gebiet abtransportiert werden. Doch es fehlen Leitungen. Wegen der anhaltenden Bürgerproteste "liegen zwischen Antragstellung und Baubeginn einer Trasse in der Regel mehr als zehn Jahre", klagt ein Manager der E.on Netz GmbH in Bayreuth. Weil die Netzbetreiber immer öfter ganze Windparks wegen Netzüberlastung abschalten müssen, entstehen der Branche zudem inzwischen Millionenverluste.
Jetzt handelt die Bundesregierung: Noch im November will das Parlament ein "Infrastrukturgesetz" verabschieden. Es soll endlich die Planungsfristen für den Bau von Stromleitungen verkürzen. Um die Kommunen und Bürgerinitiativen zu besänftigen, sollen die Energiekonzerne verpflichtet werden, in einem zehn Kilometer breiten Küstenstreifen alle Stromleitungen zum Landschaftsschutz unterirdisch zu verlegen. Wenn sich die Trasse einem Siedlungsgebiet nähert, soll das Kabel ebenfalls unterirdisch weitergeführt werden. Norddeutsche Netzbetreiber wie die E.on AG oder Vattenfall Europe dürfte das Gesetz in eine Zwickmühle bringen. Denn die Verkabelung unter der Erde ist teuer.
Die deutsche Energieagentur verweist darauf, dass es vier- bis zehnmal teurer ist, armdicke Höchstspannungskabel der 380 Kilovolt-Klasse unterirdisch zu verlegen. Kleinere 110-Kilovolt-Leitungen zu vergraben, sei immerhin noch fast doppelt so teuer wie eine Freileitung.
Nach Berechnungen der Energieversorger würden die in Deutschland zusätzlich benötigten Hochspannungstrassen von insgesamt 850 Kilometer Länge daher bis zum Jahr 2015 mit Investitionskosten von fünf Mrd. Euro zu Buche schlagen, wenn sie unterirdisch verlegt werden müssten. Bliebe es wie bisher bei überirdischen Trassen, lägen die Kosten bei lediglich 720 Mio. Euro. Bis 2020 würden sich Kosten der Verkabelung bei dann 1950 Kilometer Leitungen auf rund 15 Mrd. Euro sogar verdreifachen.

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