• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

DNA im Viehfutter gelangt auch in die Milch
Pressemitteilung vom 27.10.2004


Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) unter verschärfter Kontrolle: Ausnahmen gestattet die neue EU-Verordnung bei allen Produkten, deren Fabrikation vor dem 18. April 2004 eingeleitet wurde. Für sie gelten die Regeln der alten EU-Verordnung von 1998: Danach müssen Lebensmittel, die aus GVO hergestellt wurden, nur dann gekennzeichnet werden, wenn die fremde Erbsubstanz im Endprodukt nachweisbar ist. Das Gleiche gilt für Rohstoffe aus gentechnisch veränderten Pflanzen, die vor dem 18. April geerntet wurden. Erst mit der Ernte 2004 greifen die neuen Vorschriften.

Wie das Magazin P.M. in Ausgabe 11/2004 berichtet, haben Wissenschaftler nachgewiesen, das die DNA über das Viehfutter nun doch auch in die Milch gelangen kann. Bislang ging man davon aus, das die DNA von Futterpflanzen im Kuhmagen abgebaut wird. Doch wenn jetzt nachgewiesen ist, daß natürliche Pflanzen-DNA in die Milch gelangt – finden sie womöglich bald auch manipulierte Gene, spekuliert P.M.. Die Forscher erwarten, daß wenigstens einige der fremden Gene hier und da ihren Platz in der DNA der Wirtszellen finden werden
In Europa werden gut 80 Prozent der importierten Gen-Pflanzen verfüttert. Dennoch, so die EU-Behörden und die Biotech-Konzerne, sei eine Kennzeichnung gar nicht nötig. Denn bisher könne man davon ausgehen, dass die gentechnisch veränderte DNA der Futterpflanzen im Verdauungssystem der Tiere komplett abgebaut werde und deshalb nicht in das Fleisch oder die Milch gelangen könne. Diese Auffassung läßt sich inzwischen nicht mehr halten..
Generell Befreit von der Kennzeichnungspflicht sind Produkte auch dann, wenn ihr GVO-Anteil aus „technischen Hilfsstoffen“ besteht. Zu diesen Stoffen gehören vor allem Enzyme, die man zur Fabrikation etwa von Käse, Jogurt oder Quark, Brot und Backwaren braucht: Sie kommen heute zunehmend aus Fabriken, in denen Gentechnik veränderte Mikroorganismen nichts anderes tun als Enzyme zu produzieren. Bei der Käseherstellung beispielsweise wird häufig das gentechnisch erzeugte Enzym Chymosin zugesetzt, um die Reifeprozesse zu beeinflussen – der Kennzeichnungspflicht unterliegt es nicht. Auch Lebensmittelzutaten wie Molkepulver, Vanillin, Zitronensäure oder Vitamine, die mit Hilfe von GVO entstanden sind, müssen nicht auf dem Etikett stehen.
Eine weitere Ausnahme gestattet die neue EU-Verordnung bei allen Produkten, deren Fabrikation vor dem 18. April 2004 eingeleitet wurde. Für sie gelten die Regeln der alten EU-Verordnung von 1998:
Danach müssen Lebensmittel, die aus GVO hergestellt wurden, nur dann gekennzeichnet werden, wenn die fremde Erbsubstanz im Endprodukt nachweisbar ist. Das Gleiche gilt für Rohstoffe aus gentechnisch veränderten Pflanzen, die vor dem 18. April geerntet wurden. Erst mit der Ernte 2004 greifen die neuen Vorschriften.
Auch wenn die EU-Verordnung in Teilen schwammig ist, Schlupflöcher offen hält und eine Reihe von Ausnahmen zulässt: Sie enthält die strengsten Vorschriften zum Thema Genfood, die es überhaupt auf der Welt gibt. Nach der alten Regelung von 1998 mussten beispielsweise pflanzliche Öle und Fette selbst dann nicht gekennzeichnet sein ,wenn sie zu 100 Prozent aus Gen-Soja, Gen-Mais oder Gen-Raps gewonnen wurden: Bei ihrer Herstellung werden durch Erhitzungs- und Reinigungsprozesse sämtliche Spuren der gentechnischen Veränderung getilgt – sie sind also nicht nachweisbar.
An der Stelle der Nachweisbarkeit im Endprodukt tritt jetzt das so genannte Rückverfolgbarkeitssystem. Es nimmt diejenigen, die GVO für die Lebensmittelerzeugung einsetzen, in die Pflicht: Sie müssen Ursprung und Verbleib der verwendeten Produkte über den gesamten Verarbeitungsprozess bzw. durch die ganze Handelskette hindurch dokumentieren – quasi vom Acker bis zum Teller. Wenn ein Lebensmittel danach irgendwann irgendwie mit fremden Erbsubstanzen in Kontakt gekommen ist, wird die Kennzeichnung fällig. Dementsprechend muss es jetzt auf dem Etikett stehen, wenn Öl aus gentechnisch verändertem Raps hergestellt ist, Lecithin aus genmanipulierten Sojabohnen oder Glukosesirup aus Gen-Mais. Und zwar unabhängig davon, ob GVO im Endprodukt nachweisbar sind. Um die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen, müssen Hersteller und Handel ihre Geschäftsunterlagen fünf Jahre lang auf bewahren. Aus ihnen kann die Lebensmittelüberwachung rekonstruieren, wer von wem welche GVO in Empfang genommen und an wen er sie weitergegeben hat. So soll es möglich sein, ein Gentech-Produkt schnell vom Markt zu nehmen, wenn unvorhersehbare schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf die Umwelt auftreten.

zurück