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Freiversuch wirft Gen-Hersteller zurück
Umweltschützer feiern / Biologische Vielfalt nimmt ab / Industrie bestreitet Niederlage

Pressemitteilung vom30.10.2003


Nach Zeitungsberichten hat ein dreijähriger Freiversuch mit genetisch veränderten Feldfrüchten in Großbritannien eine negative Umweltbilanz erbracht. Bei zwei von drei genmanipulierten Früchten ergaben sich Belastungen für die Umwelt. Der von der Regierung veranlasste Feldversuch war der größte wissenschaftliche Test über genetisch veränderte Lebensmittel, der jemals in der Landwirtschaft vorgenommen wurde. Daher feierten die Gegner solcher Lebensmittel die Ergebnisse als Rückschlag der neuen Technologie. Sie verwiesen auch auf die Entscheidung des amerikanischen Agrarchemiekonzerns Monsanto, sich aus Europa teilweise zurückzuziehen und auf das Saatgutgeschäft zu verzichten. Das Unternehmen bringt diesen Schritt zwar nicht in direkten Zusammenhang mit der Gen-Diskussion in Europa, hat aber aus seiner Frustration über die Widerstände gegen genmanipulierte Lebensmittel in Europa kein Geheimnis gemacht.

Felder des Freiversuchs zerstört
Großbritannien galt im Vergleich mit etlichen Ländern auf dem europäischen Kontinent bislang als vergleichsweise offen gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln. Umweltschutzgruppen haben zusammen mit einer wachsenden Gruppe von ökologischorientierten Landwirten aber eine geschlossne Front des Widerstandes aufgebaut. Militante Umweltschützer zerstörten mehrfach Felder des Freiversuches, und etliche Bauern brachen die Teilnahme an dem Projekt ab. Auch die Bevölkerung wendet sich in Umfragen inzwischen mehrheitlich gegen genmanipulierte Lebensmittel.

Test mit genmanipulierten Raps, Zuckerrüben und Mais
Die Regierung will im kommenden Jahr darüber entscheiden, ob sie den kommerziellen Anbau von genmanipulierten Früchten zulässt, nachdem sie weitere Studien ausgewertet hat. „Die Regierung ist weder dafür noch dagegen. Unser Ziel ist es, die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen, dabei aber auch den Verbrauchern die Wahlfreiheit zu erhalten“, sagte Landwirtschaftsminister Margaret Beckett. Sie will die Ergebnisse des Feldversuches den anderen europäischen Regierungen zur Verfügung stellen.
Die britische Wissenschaftlerin testete, wie sich der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln im Zusammenhang mit den genmanipulierten Feldfrüchten Raps, Zuckerrüben und Mais auswirken würde. Der Mais und der Raps wurden einem breit wirkenden Herbizid von Bayer ausgesetzt, während die Zuckerrüben mit einem Präparat von Monsanto behandelt wurden. Die Feldfrüchte wurden so genmanipuliert, dass sie von den Unkrautvernichtungsmitteln nicht beeinträchtigt wurden.

Greenpeace zweifelt Ergebnisse an
Die Herbizide haben aber beim Raps und den Zuckerrüben derart viel Unkraut vernichtet, dass für Bienen, Schmetterlinge und bestimmte Vogelarten kein Lebensraum mehr vorhanden war. Beim Mais dagegen hätten sich die Umweltbedingungen verbessert. Greenpeace zweifelte dieses Ergebnis indes an. Die Wissenschaftler hätten bei dem zum Vergleich vorgenommenen konventionellen Anbau ein Unkrautvernichtungsmittel verwendet, das die Europäische Union wegen seiner Umweltbelastung in Kürze verbieten werde.
Vertreter der agrochemischen Industrie bestritten die Behauptung, der Feldversuch sei zu Ungunsten von genmanipulierten Feldfrüchten ausgegangen. Sie verwiesen auf das positive Resultat bei Mais und erklärten, dass die biologische Vielfalt bei Zuckerrüben und Raps durch einen gezielteren Einsatz der Herbizide erhalten werden könnte, ohne dass die Ertragssteigerung für die Feldfrüchte verloren gehe.

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