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Horst Seehofer
Diplomverwaltungswirt (FH)
Pressemitteilung vom 20.10.2005


Geboren am 4. Juli 1949 in Ingolstadt, katholisch, verheiratet, drei Kinder. Seit September 1994 stellvertretender Landesvorsitzender der CSU. Mitglied des Bundestages seit 1980. Von April 1989 bis Mai 1992 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, 6. Mai 1992 bis 26. Oktober 1998 Bundesminister für Gesundheit. Bis November 2004 stellvertretender Vorsitzender der CDU/ CSU-Fraktion.

Seehofer wird Agrarminister
CSU-Chef Edmund Stoiber hat nun doch seinen umstrittenen Vize Horst Seehofer als Agrarminister vorgeschlagen. Kanzlerkandidatin Merkel hatte vergeblich versucht, seine Berufung zu verhindern.

VDL-Präsident Dieter Tanneberger begrüßte in einem Schreiben an Seehofer dessen Nominierung:
„Die privaten Landwirte in den neuen Bundesländern, die vor 15 Jahren aus der Zwangskollektivierung und Enteignung durch die friedliche Revolution befreit wurden, jedoch bis heute den LPG-Nachfolgern in der Vermögensauseinandersetzung und in der Landvergabe durch die BVVG unterlegen sind, setzen in Sie, sehr geehrter Herr Seehofer, große Hoffnungen. Die VDL-Verbände konnten nach der Wende mit dem Deutschen Bauernverband, der die LPG-Vertreter aufgenommen hat, zu keiner Übereinkunft kommen. Zu groß waren und sind die Nachwirkungen der Vermögenskonflikte mit den früheren LPG und die Linkslastigkeit der Altkader, die unter dem Synonym „rote Barone“ die deutsche und europäische Agrarpolitik zunehmend bestimmt haben. Wir wollen mehr Gerechtigkeit durch Einziehung einer Förderobergrenze von 200.000 € je Betrieb und eine gerechtere Privatisierung der staatlichen BVVG-Flächen.“

Union hätte mit Seehofer Wahl gewonnen
Analysten des Wahlergebnisses stellten schnell fest, daß im Wahlkampf eine Persönlichkeit wie Seehofer fehlte, der vor allem die "kleinen Leute" anspricht. CSU-Chef Stoiber war deshalb einer der ersten, der seinen Stellvertreter wieder aus dem Hintergrund zurück in die erste Reihe schob. Seehofer ist politischer Generalist, der sich alles zutraut. Seine Vielseitigkeit dürfte den Ausschlag gegeben haben, weshalb Stoiber seinen umstrittenen Stellvertreter mit in Berlin am Kabinettstisch haben will. Der SPIEGEL nennt ihn „ein politisches Schwergewicht mit ungeheurer Erfahrung“: So sitzt der am 4. Juli 1949 geborene Verwaltungswirt bereits seit 1980 im Bundestag. Dort war er von 1989 bis 1992 unter Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) Parlamentarischer Staatssekretär, weshalb er bis heute den Ruf des "letzten Blümianers" trägt. Anschließend übernahm der verheiratete Vater von drei Kindern das Amt des Gesundheitsministers, das er bis zur Abwahl der Kohl-Regierung 1998 behielt. Als Gesundheitsexperte verhandelte er seitdem mehrfach mit der rot-grünen Bundesregierung über Reformen im Gesundheitswesen.

Nicht auf Kartoffeln und Bananen zu beschränken
Mit Horst Seehofer rückt ein mächtiger Verfechter des Sozialstaats in Merkels Kabinett. In der CDU fürchtet man eine Sozialdemokratisierung der Union. Der oft populistisch agierende Bayer hat das Zeug dazu, der designierten Regierungschefin manchen Ärger zu bereiten. Er werde sich nicht auf Kartoffeln und Bananen beschränken lassen, kündigte er bereits an. Da der CSU-Mann an der Basis äußerst beliebt ist, muß Merkel Streit mit ihm fürchten. Die ohnehin schwierige Konstellation einer großen Koalition wird damit noch komplizierter. Für FDP-Chef Guido Westerwelle ist Seehofer ohnehin ein Roter. "Mit Seehofer hat die SPD jetzt neun statt acht Minister", höhnte der Liberale.

Anwalt der kleinen Leute
Seehofer gilt wie kein zweiter in der Union als Anwalt der kleinen Leute. Das schlechte Abschneiden der Union sei dafür die Quittung gewesen, meint Seehofer und fordert eine deutliche Kurskorrektur. Der Bayer spricht manchen in der Bevölkerung aus dem Herzen. Der Frust über die Reformen der rot-grünen Regierung sitzt bei vielen tief. Die Union war sowohl an der letzten Gesundheitsreform als auch an der Hartz IV-Reform über den Bundesrat mitbeteiligt. Dennoch attackierte Seehofer die Einschnitte als unsozial. Seine schärfsten Geschütze aber feuerte er gegen das eigene Lager ab. Die von Merkel zunächst angestrebte Radikalreform im Gesundheitswesen mit der Einführung einer einkommensunabhängigen Gesundheitsprämie geißelte er als Sozialabbau. Auch das entschärfte Modell, auf das sich CDU und CSU im vergangenen Herbst geeinigt hatten, zerriß der frühere Gesundheitsminister in der Luft. Im Streit mit Merkel verzichtete er auf seinen Posten als stellvertretender Unionsfraktionschef und zog sich in die Heimat zurück. Doch wer glaubte, damit sei Seehofers politische Karriere beendet, hatte den Ingolstädter unterschätzt. Als gewiefter Taktiker setzte er auf die Macht der Popularität. Als der VdK Bayern ihm den vakanten Chefposten des größten Landesverbandes der mächtigsten Soziallobby Deutschlands antrug, griff er zu. Wenn die Sozialpolitik in der Union keine große Rolle mehr spielt, so seine Überlegung, müsse der Druck eben von außen auf die Partei ausgeübt werden.

Wulff, Merz und Seehofer als populärste Unionspolitiker
Seehofers Rechnung ging auf. An der Spitze des VdK Bayern legten seine Umfragewerte noch zu. Regelmäßig führt er mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff und dem Finanzexperten Merz die Liste der populärsten Unionspolitiker an. Auch beim Wähler kommt der 56-jährige gut an. In seinem Wahlkreis in Ingolstadt holte er 65,9 Prozent der Erststimmen. Seehofer sieht sich denn auch als Wahllokomotive. Hätte die Union Friedrich Merz und ihn mit an der Spitze gehabt, wäre die Wahl von Schwarz-Gelb gewonnen worden, soll er gesagt haben.

Merkel ätzt: Um alle Bauern gleichermaßen kümmern
Für den VdK Bayern war Seehofer wie ein Sechser im Lotto. Seit seinem Amtsantritt im April wuchs der Verband um 20 000 neue Mitglieder auf über 500 000 an. Doch auch der CSU-Vize profitiert von der Zusammenarbeit. Denn die stillschweigende Drohung, notfalls den mitgliederstärksten Sozialverband gegen die Politik der Union in Stellung zu bringen, machte vor allem auf Stoiber Eindruck. Auch deshalb wollte der CSU-Chef Seehofer ins Kabinett einbinden, um ihn damit besser unter Kontrolle zu haben. Daß Merkel hier ihre Zweifel hat, zeigte ihre Mahnung an Seehofer, er möge sich bitte nicht nur um die bayerischen, sondern um alle Bauern gleichermaßen kümmern.

Erfahrungen als Patient
2002 erkrankte Seehofer schwer am Herzen und rang wochenlang mit dem Tod. Auch diese Erfahrungen als Patient bringt er seither häufig ein. Es ist dieser persönlich gefärbte Ton, der beim Publikum ankommt. Im Bierzelt in seiner Heimat reißt er die Massen mit. Auch in kleinen Runden, auf Dorffesten, auf dem Fußballfeld oder bei der Einweihung sozialer Einrichtungen ist Seehofer unermüdlich dabei, seine Popularität zu pflegen.

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