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Was ist ein Pofalla?
Glosse von Peter Dausend in der „Welt“
Pressemitteilung vom 21.10.2004


Eigentlich geht es in einem Parlamentsbüro auch nicht anders zu als früher im Lateinunterricht: Da blättert man den ganzen Tag so lernhungrig und wissensdurstig durch "Kürschners Volkshandbuch Deutscher Bundestag" wie einst durchs Vokabelheft, und wenn der Bürochef dann fragt: "Dausend, was ist ein Pofalla?" muß man doch wieder raten: ein halber Friedrich Merz? Das Futur 2 der Union? Der Irrealis von "Wahlsieg", das Plusquamperfekt von "Wirtschaftskompetenz"? "Ein Pofalla ist das, was übrigbleibt, wenn ein Merz abzieht und ein Schäuble nicht kommt." "Falsch. Das ist ein Meister." "Ach ja. Dann ist Pofalla wohl der Imperativ von ,den Mist wegräumen"." "Und wie lauten die Stammformen von Angela Merkel?" "Schwach, schwächer, Stoiber?" "Nein, das sind die Steigerungsformen." "Ah so. Dann sind die Stammformen vielleicht ,Angie, ausgemerkelt, abgekanzlert"." "Schon besser. Und jetzt konjugier mal Gudrun Schaich-Walch, Dieter Wiefelspütz und Gerhard Rübenkönig."
Das Schöne an unserem Beruf ist ja, daß er "life long learning" garantiert, wenn es auch nicht jeder versteht. Was haben wir allein in den vergangenen Wochen alles gelernt! Daß überall, wo Sieger sind, auch Verlierer sein müssen - nur nicht bei Landtagswahlen in Brandenburg. Daß die Kopfpauschale jetzt "Gesundheitsprämie" heißt, Raider immer noch Twixx, die Bürgerversicherung aber noch immer nicht "Problemlösungsplacebo - zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihre Kind- und Kindeskinder". Daß eine Bundesregierung abtauchen kann, ohne daß irgend jemand etwas merkt. Daß ein Schurkenstaat nur so lange ein Schurkenstaat ist, bis ein Terrorprinz einem Bundeskanzler ein Video über die Hinterlassenschaften eines Wüstenfuchses vorführt. Daß die Union keine Volksentscheide will - es sei denn, das Volk entscheidet gegen Türken. Und daß es zwischen CDU und CSU allein schon deshalb nie brüderlich zugehen kann, weil die beiden ja Schwesterparteien sind.
Und weil es nicht nur schön ist, das learning, sondern auch life long, geht es jetzt gleich weiter. Zunächst wiederholen wir noch einmal die Vokabeln "Ronald Pofalla" und "Michael Meister" - und dann lernen wir für 2006 ein paar neue. "Bundesinnenminister Günter Beckstein" zum Beispiel. Oder "Super-Edi". Sowie "Kanzleringatte" und "Herrenprogramm". Die "Kanzlerin Merkel" büffelt übrigens auch gerade. Sie will ja lange im Amt bleiben - und mit Blick auf 2019 konjugiert sie schon mal den FDP-Bundestagsabgeordneten Jürgen Türk: "Ich Türk, du Türk, die EU türkt."

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