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Biogasgewinnung aus Feststoffen
In Rechenberg-Bienenmühle Pilotanlage in Betrieb gesetzt
Strom aus Mais, Getreide, Kartoffeln, Kuh- und Pferdemist ohne Zugabe von Gülle
Pressemitteilung vom 21.10.2004


Im Erzgebirge hat vorige Woche ein neues Zeitalter der Energiegewinnung begonnen, titelt die Freie Presse Chemnitz in ihrem Wirtschaftsteil. In der Agrargenossenschaft „Bergland“ in Rechenberg-Bienenmühle (Landkreis Freiberg) ging eine Pilotanlage zur Gewinnung von Biogas aus organischen Feststoffen in Betrieb. Das Unternehmen beschreitet mit dieser Form der Trockenvergärung technologisches Neuland. Aus nachwachsenden Ressourcen wie Mais- oder Grassilage, Getreide und Kartoffeln sowie aus Biomasserohstoffen wie Pferde- oder Kuhmist kann ohne Zugabe von Gülle Biogas gewonnen werden.

Gewinn bei der Energieproduktion über Futtermittelherstellung
Nach Abzug aller Kosten liege der Gewinn pro Hektar bei der Energieproduktion wesentlich höher als bei reiner Futtermittelherstellung, sagte Lothar Eckhardt, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft. Seit drei Jahren betreibe das Unternehmen schon eine Flüssiggasanlage, diese sei jedoch nach 21.000 Betriebsstunden an ihre technischen und wirtschaftlichen Grenzen gestoßen.

Thalheim: „Hier ändert sich etwas grundlegend“
Mit der neuen Anlage suchen Forscher und Landwirte nach Möglichkeiten, die nachwachsenden Ressourcen möglichst gewinnbringend einzusetzen. Ein Wachstumsmarkt, den das Verbraucherministerium gezielt unterstützt: Im nächsten Jahr will Berlin 43,45 Millionen Euro dafür ausgeben. Auch in Rechenberg-Bienenmühle übernimmt das Ministerium mit 235.000 Euro die Hälfte der Kosten. Die begleitende Forschung wird mit knapp 200.000 Euro gefördert. Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Agrartechnik Bornim (ATB) wollen aus der Kombination der herkömmlichen Nassvergärung und der neuen Trockenfermentation Zukunftsoptionen für die 2000 in Deutschland bestehenden Biogasanlagen entwickeln. Gelingt der Praxistest im Erzgebirge, könnten daraus Methoden entwickeln werden, Biogas komplett aus Pflanzen zu erzeugen. „Hier ändert sich etwas grundlegend“, erklärte der parlamentarische Staatssekretär Gerald Thalheim (SPD) zur Einweihung der Pilotanlage. Die Energiepreise würden künftig weiter nach oben klettern, unter anderem wegen der rasant gestiegenen Nachfrage aus boomenden Regionen wie China, die im vergangenen Jahr 40 Prozent mehr Erdöl orderten.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor
Das einheimische Energiepotential sei deshalb ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zurzeit werden mehr als eine Million Hektar Ackerland in Deutschland bewirtschaftet, die doppelte bis vierfache Größe wäre denkbar. Hinzu kommt die Nutzung organischer Nebenprodukte und Abfallstoffe, etwa Stroh oder Klärschlamm, die bisher kaum genutzt würden.
Zehntausende Jobs in ländlichen Regionen könnten Thalheim zufolge auf diese Weise gesichert oder geschaffen werden. Den bereits bestehenden Beschäftigungseffekt beziffert das Verbraucherministerium mit 50.000 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2003 erzielte der Bioenergiesektor Umsatzerlöse von 1,3 Milliarden Euro. Zugleich wurden 1,5 Milliarden Euro investiert.

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