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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Trittin erhält Erneuerbare Energien
Nun werden Landwirte Energiewirte
Pressemitteilung vom 17.10.2002


Mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) aus April 2000 wurde die Grundlage für einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energiequellen durch Solar-, Photopholtaik- und Windstrom geschaffen. Die Erhöhung des Anteils grüner Energie an der Stromerzeugung ist ein wesentlicher Beitrag zum Erreichen des Klimaschutzzieles. Dabei ist die Windkraft - neben der Biomasse - von besonderer Bedeutung. Die Erneuerbaren Energien sind auch – gerade in strukturschwachen Regionen – eine Chance, den Bauern eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Der „Bauer als Energiewirt“ ist ein Leitbild der neuen Landwirtschaftspolitik. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 3,5 Prozent der Energie durch Windkraft erzeugt. Damit gehört Deutschland weltweit zu den Spitzenreitern. Um aber das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, die CO²-Emission in Deutschland bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, müsste sich der Anteil der erneuerbaren Energien noch wesentlich erhöhen. Mit der Fortführung der Agrarwende durch rot-grün sind die umweltpolitischen Rahmenbedingungen für die Windenergie noch günstiger geworden. Da die Wachstumsmöglichkeiten der Familienbetriebe eher eingeschränkt sind, erkennen viele Landwirte in der Windenergie eine neue Einkommensquelle. Früher waren sie auf vielen Höfen unentbehrlich, die Windräder - ob zum mahlen von Getreide oder zum Antreiben von Wasserpumpen. Heute sind sie hochtechnisiert, ragen oft über 100 Meter in den Himmel und verwandeln die Kraft des Windes in elektrischen Strom.

Windmühlengegner von CDU instrumentalisiert
Mit der Stärkung von Umweltminister Jürgen Trittin durch die Übernahme des Bereiches Erneuerbaren Energien aus Clements Wirtschaftsministerium ist die Windmühlenopposition eher geschwächt worden. In Sachsen hatte die auf Atomenergie setzende regierende CDU die Kritik an Windkraftanlagen politisch organisiert, auch die FDP schürte im Wahlkampf Neidkampagnen, die sich in Bürgerinitiativen artikulierten. An die Spitze dieser „Umweltschützer“ stellte sich der frühere CDU-Landrat von Freiberg, Löffler. Dabei sind deren Argumente eher fadenscheinig: Windanlagen kämen der Allgemeinheit teuer zu stehen, der Flächenbedarf sei erheblich, Vögel und Wild würden vertrieben, die Anlagen seien zu laut und außerdem hässlich. Tatsächlich ist Windenergie die Form der Energieerzeugung, bei der am wenigsten gesellschaftlicher Kosten anfallen. Ganz anders bei der Stromversorgung mit fossilen Energien und Atomkraft: Tanker-Havarien, Säuberung verstrahlter und verschmutzter Gebiete, militärische Sicherung der Zugänge zu den Rohstoffen sowie Umwelt-, Gesundheits- und Gebäudeschäden – diese ökologischen und politischen Folgekosten zahlt die Allgemeinheit. Windenergieerzeugung dagegen ist nachhaltig – sie geht nicht auf Kosten zukünftiger Generationen.

Flächenbedarf nur gering
Dem Ausbau der Windenergie wird vorgehalten, in hohem Maße Fläche zu verbrauchen. Das ist falsch! Im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung aus Braunkohle schneidet die Windenergie sehr gut ab: Bei einer jährlichen Stromerzeugung von rund 150 Milliarden kwh hat die deutsche Braunkohle derzeit einen Flächenbedarf von rund 700 km². Für die gleiche Strommenge würden Windkraftanlagen nur 15 Prozent dieser Fläche in Anspruch nehmen. Das im Rheinland geplante Braunkohlenprojekt Garzweiler II soll auf einer knapp 50 km² großen Fläche jährlich rund 30 Milliarden kwh liefern. Auf der gleichen Fläche könnten Windturbinen der 1,5 MW-Klasse das Dreifache an Strom produzieren, ohne – im Gegensatz zur Braunkohle - die Fläche tatsächlich zu verbrauchen. Denn nur ein Prozent der Fläche wird tatsächlich genutzt, 99 Prozent kann weiterhin z. B. der Weidehaltung oder auch dem Ackerbau dienen.

Windanlagen verdrängen keine Vögel und Wildtiere
Die Tiere haben sich relativ schnell an die veränderte Umgebung gewöhnt. Windturbinen sind für das Wild eine „kalkulierbare Störquelle“. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Wildtierforschung Hannover in einer ausführlichen Untersuchung über Vorkommen, Bestandsdichten und Raumnutzung verschiedener Wildtiere. Einige Vogelarten bauen ihre Nester sogar im Schutz der Generator-Umhausung. Der sogenannte „Vogelschlag“ – also Kollisionen von Vögeln mit den Flügeln der Rotoren – spielt laut wissenschaftlich fundierten Untersuchungen – keine Rolle. Sehr viel gefährlicher für Vögel sind beleuchtete, festinstallierte Hindernisse wie Funk- und Sende-, aber auch Strommasten. Die Auswirkungen von Windturbinen auf die Lebensräume von Vögeln sowie Wildtieren lassen sich zudem durch sorgsame Standortplanung beschränken. In Natur- und Vogelschutzgebieten findet von vorneherein kein Ausbau von Windkraftanlagen statt.

„Diskoeffekt“ und Schattenwurf beherrschbar
Im Nahbereich von Windturbinen kann an sonnigen Tagen der sogenannte Diskoeffekt an den Rotorblättern – also Lichtreflexe – auftreten. Verursacht wird dieser Effekt im allgemeinen durch spiegelnde Oberflächen. Die Lichtreflexe sind zufällig und nur kurzzeitig anhaltend. Ein „Diskoeffekt“ über mehrere Stunden ist ausgeschlossen. Bei neueren Maschinen fällt der Effekt ganz weg: Die Hersteller versehen die Rotorflächen mit matten Farben. Theoretisch kann eine Windanlage 30 Stunden im Jahr Schatten werfen – wobei stets Sonnenschein, eine ungünstige Windrichtung und drehende Rotoren, vorausgesetzt werden. Faktisch – d.h. unter unseren normalen Wetterbedingungen – sind es nur sechs Stunden im Jahr. Auch der Betrieb der Anlage hat Auswirkungen auf den Schattenwurf. Bei neuen Anlagen kann deshalb eine Schaltung eingebaut werden, die in bestimmten Situationen den Rotor kurzzeitig anhält. Bei Grenzfällen muss der Betreiber im Baugenehmigungsverfahren mit einem Gutachten nachweisen, dass kein unzulässiger Schattenwurf auftritt.

Kein Infraschall
Es gibt Befürchtungen, Infraschall (tieffrequenter Schall unterhalb des Hörbereichs des menschlichen Ohres - < 30 Hz) könne der Gesundheit schaden. Eine ausführliche Studie des Bundesgesundheitsamtes ergab jedoch: Kein Grund zur Sorge!
Erst bei einem dauerhaften Schalldruckpegel von über 130 dB tritt eine Gesundheitsgefährdung auf. Messungen an Windturbinen zeigen, dass diese Werte bei weitem nicht erreicht werden und unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Abstände kaum noch messbar sind.

Schall ist kontrolliert
Von einer nennenswerten Beeinträchtigung durch Lärmentwicklung kann bei Windenergieanlagen nicht gesprochen werden. Gewöhnlich wird das Rauschen der Rotoren durch andere Alltagsgeräusche überlagert – sei es der Lärm des Straßenverkehrs oder das Rauschen von Bäumen und Büschen. Schallemissionen sind auf alle Fälle ein wesentlicher Faktor in der Planungsphase von Windkraftwerken. In der technischen Anleitung zum Schutz vor Lärm ( TA – Lärm) sind konkrete Grenzwerte für Geräuschpegel festgelegt – je spezifisch für Wohn-, Misch- und Gewerbegebiete. Um eine Baugenehmigung zu erhalten, ist die Einhaltung dieser Werte durch ein Gutachten nachzuweisen. Auch bei bereits bestehenden Anlagen ist es ggf. möglich, die Einhaltung der Grenzwerte im nachhinein sicherzustellen, z. B. durch eine Drehzahlreduzierung. Künftig wird die Lärmemission weiter an Bedeutung verlieren: Moderne, leistungsstarke Turbinen sind noch besser gedämmt und laufen langsamer als ältere Modelle.

Landschaftsbild
Sind Windkraftanlagen hässlich? Das ist Ansichtssache. Eingriffe in das Landschaftsbild sind Bestandteil der menschlichen Entwicklung und insofern keine Besonderheit von Windkraftanlagen. Über 180.000 Strommasten stehen verteilt über das gesamte Bundesgebiet. Dagegen gibt es nur rund 10.000 Windkraftanlagen in Deutschland. Zudem werden die Anlagen nicht willkürlich aufgestellt. Regionalplanung und kommunale Flächennutzungsplanung bieten genügend Instrumente, so dass Belange des Landschafts- und Naturschutzes unter Beteiligung aller Betroffenen berücksichtigt werden. Gesetzlich unterliegt die Aufstellung dem Baurecht, das der kommunalen und regionalen Planung die Möglichkeit zur umfassenden Gestaltung einräumt. Dabei geht es um eine Standortplanung auf regionaler Ebene mit der Ausweisung von Vorrang- bzw. Ausschlussgebieten, die den umweltverträglichen Ausbau von Windkraftanlagen sichert.

Touristenattraktion Windkraft
Windkraftanlagen sind kein Touristenschreck: Untersuchungen haben gezeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Touristenaufkommen und der Anzahl der Windturbinen vor Ort gibt. Ganz im Gegenteil: Besichtigungstouren und „Windmill-Climbing“ sowie Aussichtsplattformen auf den Anlagen können das touristische Angebot bereichern. Darüber hinaus stehen Windmühlen auch als Zeichen für orientierte Entwicklung und den Umweltschutz, was gerade in Tourismusgebieten zu einem positiven Image beiträgt.

Gewinne bleiben in der Region
Die Windenergie bewirkt die wirtschaftliche Belebung des ländlichen Raums durch zukunftsfähige, dezentrale Technologien. Die regionalwirtschaftlichen Vorteile dieser dezentralen Energiebereitstellung liegen auf der Hand. Die Gewinne aus der Produktion von Windstrom fließen nicht in die großen, überregionalen Stromkonzerne, sondern bleiben zum großen Teil im regionalen Wirtschaftskreislauf und können – so vor Ort – wieder investiert werden. Pachteinnahmen, Eigenbetrieb oder Beteiligungen an Betreibergemeinschaften stellen ein wachsendes Zusatzeinkommen für die Landwirtschaft dar.
Von dem Aufbau der Windkraftanlagen profitieren nicht nur lokale Bauunternehmen und Servicefirmen. Auch die regionale Kaufkraft wird durch die Menschen, die dort arbeiten und leben erhöht. Zudem werden durch die Gewerbesteuereinnahmen die kommunalen Haushalte stabilisiert. Auf diesem Weg ist eine bäuerliche und mittelständige Betreiberstruktur entstanden. Und das ist kein Zufall. Um Wind in Energie umzusetzen, bedarf es vieler einzelner Anlagenbetreiber, die über windhöffige Flächen verfügen. Und das sind meistens Landwirte.

Bau- und Stromeinspeisegenehmigung
Nach VDL-Angaben werden in Sachsen seit zwei Jahren generell keine neuen Windmühlen mehr genehmigt. Seit MP Kurt Biedenkopf auf seinen Fahrten von Dresden nach Leipzig entlang der Autobahn ganze Windmühlenwälder wachsen sah, kam das Aus für die „Gelddruckmaschinen“. Nun wird unter Bezug auf die Regionalpläne von den Regierungspräsidien überhaupt nichts mehr genehmigt und es mehren sich die Klagen vor den Verwaltungsgerichten. Auch die Stromeinspeisegenehmigungen werden von dem EVU-Versorger, in Sachsen die ENVIA, durch die Benennung von kilometerweit entfernten Einspeisepunkten wirtschaftlich erschwert. Durch die neue Bundesregierung und die Stärkung Trittins erwartet die Windenergiebranche den Abbau der Genehmigungsbürokratie und der Verpflichtung der Strommonopolisten zum Ausbau ihrer Netze für den grünen Strom.
Je mehr sich die unumstößliche Einsicht durchsetzt, dass eine dauerhafte, zukünftige Ökonomie nur auf der Nutzung erneuerbarer Ressourcen basieren kann, umso mehr wird die Bedeutung der Landwirtschaft für die gesamte Volkswirtschaft wieder zunehmen. Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe werden das Rückgrat einer neuen industriellen Revolution sein. Die direkten und indirekten Formen der Sonnenenergie, die Windenergie und die energetische Nutzung der Biomasse werden dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Das Ziel der Agrarpolitik wird also sein: Die Einkommensalternativen durch erneuerbare Energien zu stärken, um letztendlich damit die Entwicklung des ländlichen Raums zu fördern.

(Quelle: Auszüge aus einer Studie des Bayerischen Rundfunks)

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