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Altschulden in der Ost-Landwirtschaft
Meist geringe Belastung für Nachfolgebetriebe
Pressemitteilung vom 18.10.2001


Der Agrarinformationsdienst (AID) in Bonn befasst sich in seinem jüngsten Heft mit den LPG-Altschulden: „Die Nachfolgebetriebe der früheren LPG haben durch die Altschuldenbelastung meist keine Nachteile gegenüber Unternehmen ohne Altkredite. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Humboldt-Universität Berlin und der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig. Dabei gingen die Wissenschafter der Frage nach, wie sich die Aufrechterhaltung der zu DDR-Zeiten entstandenen Altkredite und die nach der Wiedervereinigung gewährten Altschuldenerleichterung auf die LPG-Nachfolger auswirken. Sie stellten fest, dass die Mehrheit der Altschuldenunternehmen betriebswirtschaftlich sogar schlechter gestellt gewesen wäre, wenn man ihnen den nicht werthaltigen Teil der Kredite vollständig erlassen hätte, gleichzeitig aber von weiteren Entlastungsmaßnahmen abgesehen hätte. Zu den Maßnahmen gehören die Teilentschuldung durch die Treuhandanstalt, die bilanzielle Entlastung des verbliebenen Altkreditbetrages und die Rückzahlungsbegrenzung auf 20 Prozent des jeweils erzielten Jahresüberschusses. Zusätzliche Zins- und Steuerbegünstigungen machten zudem eine Nicht-Rückzahlung zur zinsgünstigsten Finanzierungsquelle. Außerdem konnten die Unternehmen im Zuge der Vermögensauseinandersetzung nach Landwirtschaftsanpassungsgesetz sowohl den teilentschuldeten als auch den bilanziell entlasteten Betrag vollständig von dem zu verteilenden Eigenkapital abziehen. Auf dem Mitte Mai in Berlin abgehaltenen Abschlusskolloquium legten die Wissenschaftler dar, dass voraussichtlich weniger als 5 Prozent der Unternehmen ihre Altschulden innerhalb der nächsten zehn Jahre zurückzahlen werden und der gesamte Altschuldenbetrag über diesen Zeitraum zunimmt. Es gebe jedoch keine Notwendigkeit für Maßnahmen, die auf eine pauschale Erleichterung abziehen, da die nominale Schuldenhöhe wegen der zukünftigen Rückzahlungsbegünstigungen nicht der wirtschaftlichen Belastung entspräche. In Frage käme allenfalls eine Regelung, bei der die Unternehmen individuell konkrete Nachweis über eine erhebliche altschuldenspezifische Zusatzbelastung bringen müssen. Sollte die Altschuldenproblematik jedoch schon jetzt beendet werden, könnte eine so genannte Ablöseregelung erwogen werden, bei der die Unternehmen einem einmaligen Betrag zur Ablösung ihrer Altschulden leisten. Die Reduzierung müsste dabei dem Gegenwartswert der bereits mit der jetzigen Regelung gewährten Rückzahlungserleichterungen entsprechen. Transaktionskosten würden so gespart.

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