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Polens Bauern in der Regierung
Lepper, Schlepper, Bauernfänger
Pressemitteilung vom 18.10.2001


Gerhard Gnauck berichtet in der Welt über die Beteiligung polnischer Bauern an der neuen Regierung unseres östlichen Nachbarn:

Eigentlich sind es zwei Binsenweisheiten: Die Bauernparteien in Mittel- und Osteuropa haben eine mehr als hundertjährige Tradition. Die größte Hürde auf dem Weg in die EU sind für Polen seine zwei Millionen privaten Bauernhöfe. Im Lichte dieser Wahrheiten erscheint die Entscheidung von Ende September fast zwangsläufig: Die siegreiche Linksallianz holt die gemäßigte Bauernpartei PSL mit auf die Regierungsbank. Doch der Schock darüber, dass vor vier Wochen erstmals auch die „Selbstverteidigung“ des radikalen Bauernführers Andrzej Lepper ins Parlament gewählt wurde, wo sie die drittgrößte Fraktion stellt, sitzt tief. Zwar hat Lepper etwas Kreide gefressen und der neuen Regierung etwas Unterstützung versprochen. Doch dass er sich von der Rolle des Tribuns der Unzufriedenen, die auf dem Lande und zum Teil in den Städten für ihn gestimmt haben, über Nacht verabschieden wird, ist nicht zu erwarten. Vielmehr könnte er in Zeiten grausamer Sparzwänge als Verteidiger der kleinen Leute zu großer Form auflaufen. Die gemäßigte PSL wird sich Mühe geben müssen, die Landwirte vom Nutzen eines EU-Beitritts für sie persönlich zu überzeugen. Das wird den Druck auf Brüssel in den Beitrittsverhandlungen erhöhen und könnte so die Lage Polens – etwa bezüglich der Direktbeihilfen – paradoxerweise verbessern. Zum Glück haben der neue Premier Leszek Miller und Präsident Kwasniewski deutlich gemacht, dass Warschau an anderer Stelle jetzt flexibler sein will: bei den Übergangsfristen. Hopfen und Malz sind in Polen also keineswegs verloren.

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