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DDR-Staatsdoping
152 Opfer bereiten Klage vor
Pressemitteilung vom 12.10.2006


Frankfurt am Main - Der Konflikt um die Entschädigung für die Dopingopfer des DDR-Sports wird vor Gericht entschieden. Das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main muss sich mit der Frage beschäftigen, welche Justizbehörde für die Schadenersatzforderungen zuständig ist. Anwalt Michael Lehner vom Verein Doping-Opfer-Hilfe (DOH) fordert im Namen von 152 anerkannten Opfern Schadensersatz und Schmerzensgeld vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und von Jenapharm. Der DOSB gilt als Rechtsnachfolger des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, die Firma Jenapharm war als Hormonproduzent direkt am Staatsdoping im DDR-Sport beteiligt. Ziel ist es laut Lehner, die bisher getrennten Verfahren gegen den DOSB und Jenapharm zusammenzuführen.

Für jeden der 152 Mandanten will der DOH-Anwalt von dem Thüringer Arzneimittelhersteller sowie vom DOSB 20.000 Euro erstreiten, nachdem das jahrelange Ringen um einen außergerichtlichen Vergleich gescheitert ist. Flankiert wird die Offensive von einem weiteren Gutachten des Dopingforschers Werner Franke, das er im November vorstellen will. Darin werde „anhand von Paradebeispielen der Kausalzusammenhang zwischen Doping und körperlichen Schäden dargestellt“, so Franke. Schnelles Handeln sei geboten, weil es unter den offiziell anerkannten DDR-Dopingopfern inzwischen erste Todesfälle gegeben habe.

Zuständigkeit prüfen
Wie Anwalt Michael Lehner MDR 1 RADIO THÜRINGEN erklärte, legte er dem Oberlandesgericht Frankfurt eine Zuständigkeitsklage samt Einzelklagen der 152 Dopingopfer vor. Die Frankfurter Richter prüften nun, welches Gericht für die Klage zuständig sei. Das Oberlandesgericht bestätigte, dass damit das Klageverfahren begonnen hat. Der Heidelberger Rechtsanwalt fordert Entschädigung vom DOSB und dem Arzneimittelhersteller Jenapharm. Der DOSB gilt als Rechtsnachfolger vom Nationalen Olympischen Komitee der DDR; der VEB Jenapharm stellte einst als volkseigener Betrieb Hormonpräparate für das Doping her. Lehner will nach eigenen Angaben nun beide Verfahren zusammenzuführen. Er handelt offenbar vor dem Hintergrund einer Frist: Ein halbes Jahr nach dem Gütetermin drohen die Ansprüche zu verjähren.

Jenapharm sorglos
Die Schering-Tochter Jenapharm steht den Verfahren gelassen gegenüber. Bereits als der Gütetermin im April 2006 zur Bildung eines Hilfsfonds für die Opfer scheiterte, sagte Geschäftsführerin Roth, sie gehe davon aus, dass es nun zum Gerichtsverfahren kommen wird. Der Anwalt des Nationalen Olympischen Komitees, Günther Paul, hatte damals die Klagengrundlagen als nicht gerichtsfest, als "zu dünn" eingeschätzt. Geplant war ein Fonds über zwei Millionen Euro, aus dem jedes Opfer 20.000 Euro erhalten sollte.

Sowohl DOSB als auch Jenapharm waren nicht bereit, einen Sockelbetrag für den Fonds zu stellen. DDR-Dopingopfer sind bereits Anfang 2004 entschädigt worden. Damals hatten sich 306 Ostdeutsche um eine Hilfe beworben, 185 wurden als Geschädigte anerkannt und mit insgesamt 1,7 Millionen Euro entschädigt.

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