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Die Zukunftsmodelle für eine neue Krankenversicherung
Landwirtschaftliche Krankenkassen drohen Beitragserhöhungen von bis zu 18%
Pressemitteilung vom 16.10.2003


Die derzeit bei Regierung und Opposition heftig diskutierte Bürgerversicherung oder Kopfpauschale kann die wahren Probleme des Sozialsystems nicht dauerhaft lösen. Neue Ansätze müssen tiefer greifen, so der Kassenvorsitzende der Sächsischen Berufsgenossenschaft Dieter Tanneberger.

Bürgerversicherung
Die rot/grüne Bundesregierung will, dass bisherige Ausnahmen werden gestrichen: Auch Beamte, Selbständige und Politiker sollen dann in gesetzliche Kassen einzahlen. Privatversicherungen trocknen mangels Neukunden aus.
Bis zu zehn Millionen neue Einzahler könnten so die Beitragssätze zunächst spürbar senken. Von derzeit 14 Prozent (Höchstbetrag 483 Euro/Monat) auf zehn bis zwölf Prozent (345 Euro). Allerdings werden Beiträge auch auf Zinsen oder Mieteinnahmen fällig.
Das wäre das Ende der Dreiklassenversicherung (Kasse, Privat, Beamter). Doch nur, weil alle in eine Kasse einzahlen, bleibt es auf Dauer noch lange nicht günstiger.
Sobald nämlich auch die neuen Beitragszahler altern und vermehrt Leistungen in Anspruch nehmen, steigen die Beiträge wieder – der Spareffekt verpufft.

Kopfpauschale
Die Union will nach Plänen der Herzog-Kommission die Kopfpauschale. Aber hier herrschen zwischen CSU-Chef Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Merkel noch große Differenzen. Der Arbeiterbeitrag zur Krankenversicherung würde nach diesem Modell mit dem Lohn ausgezahlt. Die Pauschale träfe jeden Versicherten, Kinder blieben mitversichert.
Unabhängig vom Einkommen sollen zwischen 200 und 300 Euro monatlich als Pauschale genügen. Wer mehr als 60 000 Euro im Jahr verdient, wird somit entlastet, alle anderen legen drauf. Als sozialen Ausgleich müssen Geringverdiener etwas weniger Steuern zahlen.
Zusätzlich angesparte Altersrückstellungen sollen die Pauschalen möglichst lange konstant halten. Ohne Strukturreformen bleibt dies jedoch ein Wunschdenken.
Das Modell läuft bislang nirgendwo erfolgreich. Zudem bleibt unklar, woher jedes Jahr die 27 bis 40 Mrd. Euro für den „Sozialausgleich“ kommen sollen.

Der dritte Weg
Die Trennung zwischen gesetzlichen Kassen und privaten Versicherungen verschwindet, jeder darf seinen Versicherer frei wählen, auch die Landwirte. Damit würden auch die Landwirtschaftlichen Krankenkassen in ganz Deutschland obsolet, deren Pflichtmitgliedern ab 2004 Beitragserhöhungen von bis zu 18% drohen. Den Personalüberhang bei den Landwirtschaftlichen Krankenkassen mit 250 Versicherten je Kassenmitarbeiter hat der Bundesrechnungshof bereits moniert. Die Betriebskrankenkassen (BKK) liegen bei 482 Versicherten je Bediensteten, die AOK bei 302, die Innungskrankenkassen bei 297 und die Seekasse bei 297.

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