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Es ist schwer für den Einzelnen, sich zu wehren“
Aus AbL-Bauernstimme 10/2002
Pressemitteilung vom 10.10.2002


Ackerbauer Thomas Schröder in Mecklenburg-Vorpommern sieht sich als Wiedereinrichter in seiner Existenz bedroht, weil er im Zuge eines Bodenordnungsverfahrens öffentliche Pachtflächen der BVVG nicht weiter bewirtschaften soll – fast ein Drittel seiner Betriebsfläche

Es könnte einer dieser Geschichten sein, die beginnen mit: „Es war einmal ...“, aber leider ist es immer noch – und vor allen Dingen nicht ausgestanden. Doch kurz zu den Fakten: Für den Bau des Airbus-Werks im Gewerbegebiet Flughafen Rostock-Laage muss ein landwirtschaftlicher Betrieb weichen. Im Flächentausch mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern soll er nun 400 ha Ausgleichsfläche bekommen, die durch ein Bodenneuordnungsverfahren im Raum Siemitz-Käselow, Karow, Bredentin bereitgestellt werden. Die BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH) hat bzw. hatte in diesem Gebiet an sechs Betriebe öffentliche Flächen verpachtet, von denen nun 400 ha an den betroffenen Betrieb gehen sollen. Damit verlieren vier LPG-Nachfolgebetriebe sowie zwei Einzelbauern Pachtflächen.

In der Existenz bedroht
Ein Bauer bewirtschaftet die Flächen von Westdeutschland aus und ist zur Aufgabe bereit. Der andere, Thomas Schröder, ist als Wiedereinrichter mit insgesamt 140 ha auf die 42 ha gepachteten BVVG-Flächen existenziell angewiesen. Auf einer der ersten Versammlungen zum Bodenordnungsverfahren vor fast vier Jahren bekam er vom zuständigen Leiter des Amtes für Landwirtschaft Bützow Dr. Hoffmann öffentlich das Versprechen, er brauche als kleiner Familienbetrieb keine Flächen abzugeben. Doch wie es so kommt, ist Dr. Hoffmann inzwischen verstorben und die mündliche Zusage scheinbar spurlos verhallt. So sind die Pachtverträge, die der Betrieb Schröder bis 1. Oktober 2004 mit der BVVG geschlossen hat, bereits von dem umgesiedelten Betrieb übernommen und dieser ist nicht bereit, sie zu verlängern. Thomas Schröder sieht sich durch den drohenden Verlust der Flächen in seiner Existenz bedroht, zumal es vor Ort so gut wie unmöglich ist, an Pachtflächen zu kommen.

Den Wiedereinstieg gewagt
Er ist Wiedereinrichter. Nach der Wende nahm sein Vater die 60 ha zurück, die er in die LPG eingebracht hatte, und wagte einen Neuanfang als bäuerlicher Familienbetrieb. Sein Sohn Thomas ist ein gelernter Elektriker und hatte als solcher auf der LPG gearbeitet. Um öffentliche Flächen von der BVVG zu pachten zu können, hat er eine landwirtschaftliche Ausbildung nachgeholt und den Betrieb 2001 von seinem Vater übernommen. Bereits Anfang der 90er Jahre konnte er 19 ha öffentliche Flächen von der BVVG zukaufen sowie 16 ha von privat pachten.
So bewirtschaftet er heute mit den 42 ha gepachteter BVVG-Flächen insgesamt rund 140 ha. Er betreibt Ackerbau und hält auf 10 ha Grünland noch 20 Weideochsen und kümmert sich um die Vermarktung. Mit seinen 140 ha kommt er gerade aus, lieber würde er auf 200 ha aufstocken, aber es ist vor Ort nicht mehr zu bekommen. Anträge auf Pachtflächen hat er schon gestellt, aber sie wurden abgelehnt. Im Dorf gibt es noch vier Bauern und eine LPG. Drei sind vor Ort ansässig, der vierte lässt von Westdeutschland aus bewirtschaften.

Der mühsame Weg zum Recht
Die Nachricht, dass er die 42 ha Pachtflächen nun doch abgeben soll, trifft Thomas Schröder wie ein Schlag. Bei den am Bodenordnungsverfahren beteiligten LPGen sieht er keine Schuld, dafür um so mehr beim zuständigen Amt für Landwirtschaft. Aber sich wehren? Da setzt er auf seinen Nachbarn Helmut Peters, der aus Westdeutschland zugezogen und aktiv in AbL und IG-Boden ist. „Wir kannten das doch gar nicht, wie man vorgeht. Wenn Peters sich nicht so für mich eingesetzt hätte...“. Nun, wo kein Kläger ist, ist bekanntlich auch kein Richter. Dabei hat Thomas Schröder durch die sogenannte 70:30-Regelung in Mecklenburg-Vorpommern gute Chancen, da nach dieser Regelung große Betriebe mit einem hohen Anteil an BVVG-Pacht stärker zur Kasse gebeten werden, wenn Betriebe durch Entzug von Pachtflächen existenziell getroffen sind.
Im vorliegenden Fall bewirtschaften die vier LPG-Nachfolgeunternehmen im Bodenordnungsverfahren insgesamt ca. 10.000 ha, davon ca. 2.500 ha BVVG-Flächen. Abgeben davon sollen sie 305 ha, gerade mal ein Achtel ihrer BVVG-Pacht, während es bei dem Betrieb Schröder fast ein Drittel seiner gesamten Betriebsfläche ausmacht. Diese Ungerechtigkeit wollte Helmut Peters nicht hinnehmen und setzte sich privat für seinen Nachbarn ein, was ihm nicht nur viel Mühe brachte durch den nötigen Schriftwechsel mit dem Petitionsausschuss des Landtages, Landwirtschaftsamt, BVVG und Ministerium, vor denen er sich zunächst als Ansprechpartner im Fall Schröder legitimieren musste. Dazu musste er sich aus dem Ministerium auch den Vorwurf gefallen lassen, er setzte sich für seinen Nachbarn nur ein, um selbst an Flächen zu kommen. Dieses Eigeninteresse weist Helmut Peters von sich und fühlt sich stark diffamiert in seinem sozialen Engagement.

Stimmung gegen private Betriebe
Dass die Lokalzeitung über den Fall als Kampf Klein gegen Groß berichtet hat, macht nun auch Thomas Schröder das Leben schwer. Es wollte immer mit allen gut auskommen, doch nun reden die Leute hinter seinem Rücken. Als Selbständiger hatte er es schon vorher schwer im Ort, da spielt sicherlich auch Neid eine Rolle, aber vorwiegend Unverständnis für ihn als Wiedereinrichter. Die Arbeiter, die in der Genossenschaft geblieben sind, haben eben nicht so eine Beziehung zum Eigentum wie er als Privater, findet Thomas Schröder und muss leider feststellen, dass sich da Gräben aufgetan haben. Doch sei es gut, dass nun reiner Tisch gemacht wird und auch eine öffentliche Diskussion in Mecklenburg-Vorpommern in Gang gekommen ist. Thomas Schröder ist inzwischen der IG Boden beigetreten, denn: „Es ist schwer für den einzelnen, sich zu wehren“. Doch vielleicht haben Aufwand und Ärger sich gelohnt. Mündlich wurde ihm schon mitgeteilt, dass sich eine positive Lösung in seinem Fall abzeichne. So bemühe sich das Amt für Landwirtschaft, ihm – wenn auch nicht die gleichen – so doch adäquate Flächen zur Verfügung zu stellen. Was sicherlich nicht einfach ist bei dem angespannten Bodenmarkt vor Ort.

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