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Bacillus anthracis als biologische Waffe
Pressemitteilung vom 11.10.2001


dpa. Der Erreger des Milzbrandes, Bacillus anthracis, ist der Verursacher einer fast weltweit verbreiteten Viehseuche. Es gilt auch als einer der heimtückischsten biologischen Kampfstoffe. Der Grund ist, dass die Bazillen, wenn sie als Sporen über die Lunge aufgenommen werden, in den meisten Fällen unweigerlich zum Tod führen. Der Ausbruch der Krankheit bleibt in den allermeisten Fällen unbemerkt, weil die ersten Symptome denen einer lapidaren Erkältung so ähnlich sind, dass kaum jemand an die Möglichkeit einer Milzbrandinfektion denkt. Eine Übertragung von einem Menschen auf den anderen – wie beispielsweise bei Pockenviren – ist nahezu unmöglich. Sind die ersten Symptome erst einmal aufgetreten, sind die meisten Opfer kaum noch zu retten. Innerhalb von Stunden oder Tagen vermehren sich die Bakterien im Blut- und Lymphsystem des Körpers rasend schnell und befallen sämtliche Organe, diese gehen an der Wirkung des Bakteriengiftes, des Anthrax-Toxins, zugrunde. Die Epidemiologen der Weltgesundheitsorganisation haben ein solches Szenario durchkalkuliert: Würden 50 Kilogramm dieser Sporen mit einem Flugzeug über eine Fünf-Millionen-Stadt gleichmäßig verteilt, müsste man mit bis zu 250.000 Kranken und mindestens 100.000 Todesopfern rechnen. Bei anderen Infektionswegen als durch die Lunge gibt es durchaus gute Überlebenschancen, zum Beispiel bei Menschen, die mit infizierten Vieh oder mit bakterienhaltigen Textilien in Berührung kamen. Nach der Aufnahme über die Haut ist die Krankheit meistens mit einer Antibiotika-Therapie recht gut zu behandeln. Ein Impfstoff, der in drei von hundert Fällen versagt, wird seit einiger Zeit auch dem in Krisengebieten aktiven Personal der amerikanischen Streitkräfte verabreicht. Allerdings sind die Impfstoffbestände derzeit viel zu klein, als dass damit auch die Bevölkerung geschützt werden könnte. Schwer zu beantworten ist derzeit nicht nur die Frage, wie viele Menschen im Umfeld der Milzbrandopfer sich noch infizieren könnten, sondern auch die Frage, woher die Sporen stammen. Annähernd ein Dutzend Nationen sollen an Biowaffen forschen. Anthrax-Bakterien verändern sich genetisch ausgesprochen langsam, was das Aufspüren der Infektions- und Bazillenquellen mit molekularbiologischen Verfahren erschwert.

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