• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Mandelas Erbe
Weiße werden enteignet – Flächen für schwarze Bauern
Pressemitteilung vom 06.10.2005


Kapstadt - Mit der Ankündigung, mindestens weitere fünf Höfe im Besitz von weißen Bauern durch Zwangsverkäufe zu erwerben, hat die südafrikanische Regierung vorige Woche Unruhe und Empörung unter den Landwirten ausgelöst. Das seit der Demokratisierung der Kap-Republik 1994 angewandte Prinzip von Angebot und Nachfrage für den staatlichen Aufkauf von Farmland, das dann an schwarze Kleinbauern umverteilt werden soll, scheint nun durchbrochen worden zu sein. Südafrikas KP, nach wie vor Partner der ANC-Regierungsallianz, begrüßte diesen Schritt.
Wie ein Gespenst hängt die Wirtschaftskatastrophe im Nachbarland Simbabwe, wo in den vergangenen fünf Jahren Tausende weiße Farmer brutal enteignet wurden, nun über Südafrika. Simbabwe ist jedoch nur oberflächlich vergleichbar mit Südafrika. Im vergangenen Jahrhundert wurde zwar in beiden Ländern von - zumeist weißen - Pionieren eine moderne, kommerzielle Landwirtschaft aufgezogen, die nicht nur die Bevölkerung ernähren konnte, sondern in guten Erntejahren auch Millionen an Exportdevisen in die Staatskassen fließen ließ. Aber Südafrika war immer ein Riese gegenüber Rhodesien (seit 1980 das unabhängige Simbabwe). Existieren jenseits des Limpopoflusses von ehemals 6000 weißen Farmern heute nur noch 500, so sind es in Südafrika immerhin 46 000 kommerzielle Landwirte, zu 99 Prozent weißer Hautfarbe. Während in Simbabwe nun an sechs Millionen Menschen Lebensmittel verteilt werden müßten, um sie vor dem Hungertod zu bewahren, erwartet man in Südafrika in Kürze die größte Maisernte seit 25 Jahren: fast 13 Millionen
Tonnen des wichtigsten Lebensmittels im südlichen Afrika, weit mehr als im eigenen Land benötigt. Dazu kämen etwa fünf Millionen Tonnen Weizen, über zwei Millionen Tonnen Zucker und 1,4 Millionen Tonnen Zitrusfrüchte, teilte der Landwirtschaftsverband in Pretoria mit.
Aber drei Viertel der fruchtbaren Acker- und Weidefläche (etwa 100 Millionen Hektar) befinden sich nach wie vor in weißer Hand - ein Resultat der Apartheid-Ära. Bis 2014 soll fast ein Drittel dieser Landfläche an Schwarze zurückgegeben werden, der Prozeß hinkt aber weit hinter dem Regierungsplan zurück. Die Bauern geben der Regierung von Präsident Thabo Mbeki die Schuld: Pretoria sei administrativ niemals in der Lage, das Land aufzukaufen und so umzuverteilen, daß die schwarzen Besitzer überleben könnten.
Regierungssprecher weisen dies zurück: Die weißen Bauern würden seit Jahren das faire Angebot eines marktwirtschaftlichen Prinzips ausnutzen und ihre Preise schamlos in die Höhe schrauben. Nun sei man an dem Punkt angelangt, wo Ländereien mit Zwangskäufen erworben werden müßten.
Der neuen Vize-Präsidentin, Phumzile Mlambo-Ngcuka, rutschte kürzlich die Bemerkung heraus, man müsse dann eben "von Simbabwe lernen, wie man so etwas schnell machen kann". Später erklärte sie, gemeint war, daß man lernen müsse, wie man die "Probleme in Simbabwe hierzulande verhindern" könne. Aber, fügte die Stellvertreterin Mbekis hinzu: "Angebot und Nachfrage sind keine heilige Kuh." Seitdem drohen die Bauern mit massivem Widerstand. Tatsache sei, daß zu jedem Zeitpunkt mehrere tausend Farmen zum Verkauf stünden, zweitausend hätten ihr Land bereits der Regierung angeboten, sagt Chris Jordaan vom Bauernverband TAU. "Wir gehen davon aus, daß in den acht Jahren ohnehin zehntausend Bauern komplett aufgeben." Viele Bauern seien hochverschuldet und sähen sich von der Regierung drangsaliert. Überdies bangten sie um ihre Sicherheit: 1900 Bauern seien seit der Machterlangung von Nelson Mandelas ANC 1994 auf ihren Höfen ermordet worden. Auch Hunderte schwarze Farmarbeiter seien dabei ums Leben gekommen.
Rinderfarmer Hannes Visser, B