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Nachruf
Pressemitteilung vom 06.10.2005


Wie der Vorstand des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen (VDL) mitteilt, ist das langjährige Präsidiumsmitglied, der Vorsitzende der Revisionskommission und Regionalverbandsvorsitzender a.D. des VDL Nordsachsen Manfred Rühl aus Krensitz am 01.Oktober 2005 im Alter vom 78 Jahren verstorben. Manfred Rühl war Mitbegründer des VDL Sachsen und als Landwirt Streiter für die bäuerlichen Interessen im Freistaat und für die Mitglieder seiner Region. Er setzte sich vor allem in der Vermögensauseinandersetzung mit den LPG-Nachfolgern und bei den Ämtern für Landwirtschaft dafür ein, daß die ehemaligen Bauern nach der Wende ihre Betriebe wieder einrichten konnten.

Wir verlieren in Manfred Rühl einen unserer verdienstvollsten Männer, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger, der mit Roland Freiherr v. Fritsch und anderen Vorstandsmitgliedern an der Trauerfeier am vergangenen Sonnabend in Krensitz teilnahm.


Manfred Rühl

Manfred Rühl schrieb 1998 in der LANDPOST einen kritischen Artikel über das Agrarmuseum in Markkleeberg, den wir heute nochmals nachdrucken. Nicht zuletzt dieser Kritik dürfte es zuzuschreiben sein, daß die Verherrlichung der Zwangskollektivierung letztlich zur Schließung des unter der Regie des damaligen Landwirtschaftsministers Rolf Jähnichen (CDU) entstanden Agrarmuseums führte.

Im Agrarmuseum Markkleeberg - der Besucher glaubt, die DDR sei wiederauferstanden, so wird mit den Machenschaften des Sozialismus auf dem Lande geprahlt. Kein Wort der Kritik. Dabei gäbe es doch so viele Gründe hierfür.
Von Manfred Rühl †

„Vielen Dank für die interessante Ausstellung“ stand auf einer Kinderzeichnung, die einer der Schüler im Ausstellungsraum abgelegt hatte; eine Lehrerin hatte mit ihrer Klasse soeben die zahlreichen Bildtafeln betrachtet, die neben Vitrinen die prächtige Ausstellungshalle schmücken.
In einem originellen, immer an der Wand entlang schräg nach oben führenden Rundgang - symbolisch für Aufwärtsentwicklung - wird der Besucher mit der Chronologie der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft der DDR vertraut gemacht, beginnend 1945/46, als Handarbeit und primitive, veraltete Technik auf dem Felde und im Stall dominierte.

Hunderttausende ehrbarer Bauernfamilien in den Ruin getrieben
Walter Ulbricht ist zu sehen und Parteitagsbeschlüsse werden zitiert, wie durch Bildung von Genossenschaften ab 1952 das Leben der Bauern erleichtert und verbessert werden sollte. Auch ist festgehalten, dass durch entsprechende Beschlüsse des ZK der Partei das Ablieferungssoll der Betriebe unter 10 ha zu Lasten der Bauern mit über 20 ha wesentlich herabgesetzt wurde. Konnte der durch die Differenzierung des Solls schwer belastete Großbauer die ihm aufgebürdete Pflichtablieferung nicht erbringen, wurde, so heißt es, ein Treuhänder eingesetzt. Das hört sich 1998 für den Laien und für die oben erwähnten Schüler als Ausstellungsbesucher logisch und normal an. Keine kritische Bemerkung weist darauf hin, welch unmenschliche Auswirkung dieser Beschluss hatte: Trieb er doch in den 50er Jahren Hunderttausende ehrbarer Bauernfamilien in den (von der Partei beabsichtigten) Ruin! Es begann ein nie da gewesener Terror mit Drangsalierungen, wie Verweigerung der Schlachtgenehmigung, Verhöre, Verhaftungen, Aberkennung der Bauernfähigkeit, Zwangsverpachtung mit Rausschmiss aus dem eigenen Bauernhof, Verweis aus dem Dorfe, Diffamierung in der Zeitung, Anklage und Verurteilung vor Gericht, Bewachung und Bespitzelung des Hofes bei Tag und bei Nacht, Durchsuchung und Beschlagnahme der Vorräte und des Viehs in den Ställen - Devastierung nannte man das.

Völlig verzweifelt und verarmt wegen eines unmenschlichen Regimes
In ihrer Not und Bedrängnis flohen die so Misshandelten Nacht für Nacht in Scharen über Berlin in den Westen, und das jahrelang. Bis die Partei mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 die Notbremse zog, um ein weiteres Ausbluten des Landes zu verhindern. Die da in den Westen geflüchtet sind, haben das nicht aus Übermut oder Abenteuerlust getan, sondern im Ergebnis unerträglicher seelischer Belastung, um ihr nacktes Leben zu retten. Sie haben ihre in Jahrhunderten gewachsenen, mit dem Schweiß und Fleiß und vielen Entbehrungen ganzer Generationen von Bauern errichtete Höfe nicht verantwortungslos verlassen, sondern völlig verzweifelt und verarmt wegen eines unmenschlichen Regimes, das in den Dörfern wütete, um die Zwangskollektivierung durchzusetzen. Doch darauf fehlt jeder Hinweis in dieser Ausstellung. Im Gegenteil: Die sozialistische Umgestaltung der Dörfer wird eindeutig verherrlicht. Die „Straße der Besten“ ist mit Wimpeln, Orden und Ehrenzeichen zu sehen. Honecker, Felfe und andere vom Politbüro werden auf Schautafeln gezeigt und zitiert, die Fahnen der DDR, der VdgB, des FDGB und der DBD (Bauernpartei) werden als Kostbarkeit auf seidenen Tüchern in wertvollen Schaukästen dargeboten.

Mit Machenschaften des Sozialismus auf dem Lande geprahlt
Der Besucher glaubt, die DDR sei wiederauferstanden von den Toten, so wird mit den Machenschaften des Sozialismus auf dem Lande geprahlt. Kein Wort der Kritik. Dabei gäbe es doch so viele Gründe hierfür: Das Eigentumsrecht der Bauern wurde mit Füßen getreten - sie hatten kein Verfügungsrecht mehr über ihren Grund und Boden und über ihre Gebäude. Beides mussten sie jahrzehntelang unentgeltlich der LPG überlassen, und diese hat noch nicht einmal die Werterhaltung durchgeführt. Der Besuch von Hochschulen war den Bauern verwehrt.
Dem Autor wurde bei seiner Bewerbung unverhohlen ins Gesicht geschleudert: „Wir brauchen Arbeiterkinder an unseren Hochschulen, keine Großbauernsöhne!“ Die Bauern und ihre Kinder waren nur als Landarbeiter, Traktoristen und Viehpfleger gefragt. Kein Wunder, dass sich jetzt so wenige selbständig machen: ihnen fehlt das betriebswirtschaftliche Können, das Kaufmännische, das Management.

Zwangskollektivierung unkritisch verherrlicht
Das Deutsche Landwirtschaftsmuseum in Markkleeberg ist blendend eingerichtet - es blendet im wahrsten Sinne des Wortes. Unkritisch wird die Zwangskollektivierung verherrlicht, als wäre sie das Non plus Ultra für die Bauern gewesen. Natürlich hatte sie auch ihre Vorzüge, weil auf großen Schlageinheiten kostengünstiger produziert und die Landtechnik höher ausgelastet und rationeller betrieben werden kann. Auch die mit der Zwangskollektivierung verbundene Spezialisierung und Arbeitsteilung in der Feld- und Stallarbeit bedeutete einen Fortschritt gegenüber der herkömmlichen Landarbeit. Schwere Handarbeit wie Kartoffelnlesen, Dungbreiten u.a. wurde mechanisiert. Die alljährlichen Betriebsausflüge waren für viele die ersten und einzigen Urlaubsreisen. Das wird gar nicht in Abrede gestellt; doch der Weg dahin, die Art und Weise der Umwandlung war - wie beschrieben - fragwürdig, wird aber im Agrar-Museum völlig negiert.

Für: „Die LPG und die DDR gehen eines Tages pleite“ in Haft genommen
Gemeckert werden durfte nicht. Wer das tat, wurde eingesperrt. Wie mein Schwiegervater. Der hat über zwei Jahre im Gefängnis verbringen müssen, weil er 1961 geäußert hat: „Die LPG und die DDR gehen eines Tages pleite.“ Von solchen Repressalien erfährt der Museumsbesucher nichts. Diese unkritische Zurschaustellung der „Errungenschaften“ des Sozialismus - das ist es, was ich an der Einrichtung des Museums zu bemängeln habe. Die Ausstellung ist nicht komplett, solange die hier aufgezeigten Tatsachen nicht eingearbeitet worden sind. Übrigens: Die Bildungsstätte, von der hier die Rede ist, nennt sich „Deutsches Landwirtschaftsmuseum“, zeigt aber nur die Entwicklung in Ostdeutschland; nach der in Westdeutschland befragt, wurde mir empfohlen, nach Stuttgart zu fahren ...“

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