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    Bundesverband
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Der Deutsche Entkoppelungsansatz
Regionale und Einzelbetriebliche Auswirkungen der EU-Agrarreform auf Sachsens Landwirtschaft:
Pressemitteilung vom 09.10.2003


1. Gewinner des Prämienmodells sind die Ackerbau-Getreide-Betriebe, die spätestens ab dem Jahr 2011 höhere Prämienbeträge erhalten im Vergleich zur Referenz-Betriebsprämie.

2. Insbesondere die milchviehhaltenden Futterbaubetriebe im Wirtschaftsgebiete 2 weisen deutliche Verluste gegenüber der Referenz-Betriebsprämie auf. Im Extremfall muss der Futterbau-Milchviehbetrieb im Haupterwerb (WG 2) im Jahr 2012 mit 20% (-89 €/ha LF) weniger Direktzahlungen auskommen. Ebenfalls mit 19% weniger Direktzahlungen (-82 €/ha LF) müssten die Futterbau-Milchviehbetriebe (WG 2) wirtschaften.

3. Die Grünlandprämie soll von Null auf 356 €/ha steigen. Betriebe mit ausschließlicher Grünlandnutzung und ggf. Kleintier- oder Wildhaltung würden überhaupt erstmals Direktzahlungsansprüche zustehen und zwar in Höhe von 356 €/ha LF: „Das ist die Agrarwende für die Grünlandbauern“, so VDL-Präsident Dieter Tanneberger.


1. Deutscher Entkoppelungsansatz
Das vorgeschlagene Kombinationsmodell setzt sich aus 3 Komponenten zusammen: – a) einer konstanten regionalen Ackerlandprämie und b) einer abzuschmelzenden Betriebsprämie zu Gunsten einer c) regionalen Grünlandprämie.
Der geplante Abschmelz-Zeitraum von 5 Jahren bedeutet ab 2007 eine jährliche Kürzung der Betriebsprämie um 20% mit einer gleichzeitigen Aufstockung der Grünlandprämie um 20%. Die Auswirkungsberechnungen zum Kombinationsmodell basieren auf den Betriebsdaten aller in der Agrarförderung erfassten 6.621 Betriebe Sachsens und deren hochgerechneten Direktzahlungen für die Jahre von 2005 bis 2012 bei konstantem Prämienplafonds ab 2006 nach Abschluss der Milchmarktreform. Alle Direktzahlungen wurden um 3% zur Bildung der nationalen Reserve gekürzt. Unberücksichtigt blieben Kürzungen infolge eines möglichen Einbehaltes von 10% („envelope“= Hülle/Umschlag) bzw. der Modulation.

1. Auswirkungen für Sachsen
Sachsen ist aufgrund seines günstigen Prämien-Flächen-Verhältnisses mit relativ hohen Direktzahlungen je ha LF ausgestattet. Damit kommt die vom Bund beabsichtigte Angleichung der Acker- und Grünlandprämien im Jahr 2011 nicht zustande (AL-Prämie=345 €/ha AL, GL-Prämie=418 €/ha GL).

1) Sofern die Bundesregierung an der Einführung einer bundeseinheitlichen LF-Prämie (317 €/ha LF) festhält müsste das sächsische Prämienvolumen um bis zu 40 Mio. € reduziert werden.

2) Im Falle der Einführung einer einheitlichen regionalen Flächenprämie in Höhe von 356 €/ha LF im Jahr 2012 kommt es zu deutlichen Umverteilungseffekten in Sachsen, die insbesondere kontraproduktiv für das Gros der Milchviehbetriebe wirken.

Die Gewinner
Gewinner des Prämienmodells sind die Ackerbau-Getreide-Betriebe, die spätestens ab dem Jahr 2011 höhere Prämienbeträge erhalten im Vergleich zur Referenz-Betriebsprämie. Diese Mehrbeträge sind mit maximal 11 €/ha LF relativ gering. Die Haupterwerb- Futterbau-Milchviehbetriebe im Mittelgebirge und Vorland (WG 3 - 318 Betriebe) können ebenfalls den Gewinnern zugeordnet werden.

Die Verlierer
Alle anderen repräsentativen Betriebe Sachsens sind Verlierer des Prämienmodells. Insbesondere die milchviehhaltenden Futterbaubetriebe im Wirtschaftsgebiete 2 weisen deutliche Verluste gegenüber der Referenz-Betriebsprämie auf. Im Extremfall muss der Futterbau-Milchviehbetrieb im Haupterwerb (WG 2) im Jahr 2012 mit 20% (-89 €/ha LF) weniger Direktzahlungen auskommen. Ebenfalls mit 19% weniger Direktzahlungen (-82 €/ha LF) müssten die Futterbau-Milchviehbetriebe (WG 2) wirtschaften.

Nebenerwerbsbetriebe steigern um 27%
Im Vergleich zur Referenz-Betriebsprämie erhalten die Nebenerwerbsbetriebe 2012 eine um 27% und die Haupterwerbsbetriebe eine um 6% höhere LF-Prämie. Diese Prämienerhöhung tragen die juristischen Personen mit einem um 5% verringerten Prämienvolumen.

Grünlandprämie von Null auf 356 €/ha
Von der Umverteilung der Prämienmittel partizipieren die so genannten Sonderfälle. Hackfruchtbetriebe (17 Betriebe und Schäfer (253 Betriebe), die fast die dreifache Höhe an Direktzahlungen als bisher erhalten. 183 nichtlandwirtschaftliche Primärproduzenten (Betriebe mit ausschließlicher Grünlandnutzung und ggf. Kleintier- oder Wildhaltung) würden überhaupt erstmals Direktzahlungsansprüche zustehen in Höhe von 356 €/ha LF. Insgesamt partizipieren die Sonderfälle mit 2,6 Mio. € höhere Direktzahlungen an der Umverteilung der Prämien.
Die Umverteilung der Prämienmittel zwischen den Wirtschaftsgebieten 1 (- 2%) und 2 (-4%) in das Sächsische Mittelgebirge und Vorland (WG 3) ist zu erkennen.
Die Differenz zwischen prämienberechtigter und aktivierbarer Ackerfläche in Sachsen beträgt 11.130 ha AL (Problem: Gemüse, Obst, Speisekartoffeln). Bei Anwendung einer LF-Prämie von 356 €/ha LF beträgt das nichtaktivierbare Prämienvolumen fast 4 Mio. € in Sachsen (Hinweis: Verhandlungen laufen noch, dass o.g. Kulturen auch prämienberechtigt werden).
Die vorgeschlagene Konstruktion des Entkoppelungsmodells mit drei Prämienkomponenten ist während der Abschmelzphase 2007 – 2011 mit einem sehr hohen Verwaltungsaufwand verbunden, der sich erst mit der Einführung einer regionalen LF-Prämie wieder reduzieren wird.

2. Auswirkungen auf die Gewinnsituation typischer Betriebe und Spezialbetriebe

Ackerbaubetriebe
Die Ackerbaubetriebe profitieren generell vom „abschmelzen“ der Betriebsprämie und vom Übergang zur einheitlichen Flächenprämie. Aus Sicht dieser Gruppe sind insbesondere im Lößgebiet keine nachhaltigen Auswirkungen zu erwarten. Im Vergleich zu den IST-Ergebnissen der Buchführung im Wirtschaftsjahr 2001/02 können durch realistische Ertragsteigerungen ab dem Wirtschaftsjahr 2008/09 die ursprünglichen Ergebnisse wieder erreicht werden. Probleme bereitet der Ackerbau im Heide- u. Teichgebiet durch den Wegfall der Roggenintervention.

Verbundbetriebe
Die Verbundbetriebe in den 3 sächsischen Wirtschaftsregionen sind Unternehmen mit Schwerpunktsetzung in der Milchviehhaltung. Für die Gruppe der Verbundbetriebe ergibt sich insbesondere aufgrund der Milchpreissenkung eine deutliche Gewinnreduzierung im Vergleich der erzielten Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2001/02.

Große Verbundbetriebe im Vorteil
Für die Gruppe der Verbundbetriebe ist eine relativ große Flächenausstattung typisch. Flächenstarke Betriebe, wie die Verbundbetriebe, können die Negativeffekte der Prämienumverteilung durch das Abschmelzen der Betriebsprämie hin zur einheitlichen LF-Prämie in einem gewissen Umfang durch ihre Faktorausstattung (Boden) abmildern. Festzuhalten bleibt dennoch, dass eine Prämienzahlung mit Betriebsprämienanteil zu 100% kombiniert mit entsprechende AL- und GL-Prämie in den dargestellten Verbundbetrieben am wirtschaftlichsten wäre.
Betrachtet man die Gewinnhöhen absolut so kann man bei unterstellter Leistungs- und Ertragssteigerung für Verbundbetriebe im Lößgebiet Anpassungsmöglichkeiten erkennen. Ein positives Ergebnis mit 57 €/ha LF wird im Endjahr 2012 (einheitliche LF-Prämie) erreicht.
Für den Verbundbetrieb im Heide- u. Teichgebiet ist nach Umverteilung aller Prämien auf AL u. GL bzw. auf die LF ein wirtschaften an der Gewinnschwelle errechnet worden (+2 €/ha LF) (s. Abb. 1). Auch hier spielt die Roggenproblematik noch eine nicht geklärte Rolle, d.h. in den Berechnungen ist keine „Roggenbeihilfe“ bisher unterstellt. Bei Einführung einer derartigen Beihilfe würde das Ergebnis positiver ausfallen.

Schwere Zeiten für Betriebe im Mittelgebirge und Vorland
Im Mittelgebirge und Vorland erreicht der Verbundbetrieb in keinem Jahr des Prämienmodells vom BMVEL zur Abschmelzung der Betriebsprämie die Gewinnschwelle. Vorteilhafteste Variante ist hier die Beibehaltung einer vollen Betriebsprämie zu 100% kombiniert mit Prämienzahlungen auf AL und GL, wobei aber auch hier ein Verlust von 49 €/ha LF zu verzeichnen ist.

Futterbaubetriebe
Die Gruppe der Futterbau-Milchbetriebe ist am stärksten von der Agrarreform durch die starken Einschnitte in der Milchproduktion betroffen. Für diese spezialisierten Unternehmen sowohl im Mittelgebirge u. Vogtland als auch im Lößgebiet ist eindeutig die Prämienzahlung entsprechend einer Kombination zwischen Betriebsprämie zu 100% und AL- und GL-Prämie in den Vordergrund zu stellen. Das Abschmelzen des Betriebsprämienanteils auf die Fläche (AL u. Gl bzw. LF) verstärkt die negative Entwicklung des Betriebsergebnisses in dieser Gruppe.
Durch den Prozess des Abschmelzens ergibt sich ein zusätzlicher Verlust für die Futterbau-Milchviehbetriebe in den Spannweiten,
64 bis 84 €/ha LF (Abschmelzen auf Grünland) bzw.
65 bis 103€/ha LF (Abschmelzen auf einheitliche LF-Prämie9
Im Vergleich jeweils zur Prämienzahlung Betriebsprämie zu 100% kombiniert mit AL- und GL-Prämie.

Für die Futterbau-Milchviehbetriebe stellt sich generell die Frage ihrer weiteren Existenz.

Entwicklung der Wirtschaftlichkeit
Der entstehende Preisdruck wird zu weiteren Anpassungen führen. In erster Linie wird dabei das Betriebsmanagement im Vordergrund stehen. Betrachtet man das obere Viertel der typischen Haupterwerbsbetriebe und Personengesellschaften in den Wirtschaftsgebieten Lößgebiet und Mittelgebirge und Vorland so kann resümiert werden, dass diese Betriebe das Entkopplungsmodell des BMVEL bis 2012 tragen könnten. Im Vergleich liegt das obere Viertel im Gewinn/ha LF mit ca. 300 – 360 €/ha über dem bisher betrachteten Durchschnitt der Betriebe.

Das obere Viertel der typischen Futterbau-Milchviehbetriebe der Rechtsform Juristische Personen im Mittelgebirge und Vorland weist lt. Buchführungsauswertung einen Gewinn von (lediglich) ca. 90 €/ha LF aus. Für diese Gruppe sind die Abschmelzungsschritte bis hin zur einheitlichen Flächenprämie nicht tragbar.

Probleme für die spezialisierten Futterbaubetriebe sind insbesondere in den Gebirgslagen zu erwarten. Eine wesentliche Ursache besteht in den Nachteilen des Standortes.

Anpassungen
Die o.g. Spitzenbetriebe werden die Milchproduktion auch nach einer vollständigen Umverteilung der Prämien auf die Fläche aufrecht erhalten können. Entscheidend wird u.a. die zukünftige Ausgestaltung der Maßnahmen der 2. Säule für Futterbau-Milchviehbetrieb in Gebieten mit natürlichen Standortnachteilen sein.

Für wirtschaftlich schwache Futterbau-Milchbetriebe wird zwangsläufig die Aufgabe der Milchviehhaltung kommen. Die vollständige und schnelle Entkopplung der Milch wird ein abwandern der Quote zum besseren Wirt beschleunigen.

Spezialbetriebe
Für die Spezialbetriebe wurde die Gewinnveränderung (entspricht der Änderung der Prämienumverteilung) ermittelt. Daraus geht hervor, dass die Kombination von Betriebsprämie zu 100% mit AL- u. GL-Prämie die vorteilhafteste Variante ist. Besonders für Bullenmastspezialbetriebe kommt nur diese Form der Prämiengewährung in Frage.

Die betrachteten Pferde-, Schaf- und Mutterkuhbetriebe profitieren jeweils vom Abschmelzen der Betriebsprämie.

Quelle: Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

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