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Trockenheit in USA
Amerikas Landwirte leiden unter einem der heißesten Sommer seit 100 Jahren
Pressemitteilung vom 04.10.2002


Zwischen der amerikanischen Regierung und dem Kongress in Washington ist ein Streit über zusätzliche Finanzhilfe für Landwirte entbrannt, die unter der großen Trockenheit in weiten Landesteilen leiden. Dabei übt sich die Landwirtschaftsministerin Ann Veneman in Kritik am Senat, der den Bauern 6 Milliarden Dollar zusätzlich zur Bewältigung der Dürre-Schäden bewilligen will. „Die Folgen der Dürre müssen mit dem Geld aus dem erst kürzlich beschlossenen Agrargesetz überwunden werden. Die Pläne des Senats sind nicht akzeptabel“, schrieb Veneman an die Führer von Republikanern und Demokraten im Senat. In Deutschland undenkbar, dass sich Bundestag und Bundesrat an die Regierung wenden und mehr Geld für die unter Missernten leidenden Bauern fordern würden.

Seit Beginn der Temperaturaufzeichnung vor mehr als 100 Jahren ist dieser Sommer nach 1936 und 1934 der drittheißeste in den Vereinigten Staaten gewesen. In mehr als der Hälfte aller 50 Bundesstaaten fielen die Niederschläge deutlich geringer aus als im Durchschnitt.

Das Agrargesetz sagt den amerikanischen Landwirten in den kommenden zehn Jahren finanzielle Unterstützung von zusammen 180 Milliarden Dollar zu, 82 Milliarden Dollar mehr als ursprünglich geplant. Der Senat hatte kürzlich mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt, der zusätzliche Finanzhilfe vorsieht. „Wir werden alle Hilfsmöglichkeiten für die Landwirte unter dem geltenden Gesetz ausschöpfen“, kündigte die Ministerin an.

Die Dürre dürfte in vielen Bundesstaaten zu spürbaren Ernteausfällen führen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bewirtschaften amerikanische Landwirte seit August Felder in einer Größenordnung von fast 28.000 Quadratkilometern aufgrund der Trockenheit nicht mehr. Im besonders betroffenen Bundesstaat Ohio würden vermutlich rund 27 Prozent weniger Mais und 19 Prozent weniger Sojabohnen geerntet als im vergangenen Jahr. Das Ministerium schätzt, dass in Amerika in diesem Jahr rund 7 Prozent weniger Mais und rund 8 Prozent weniger Sojabohnen geerntet werden. Betroffen von der Dürre sind aber auch viele Viehzüchter, die das Futter für ihre Tiere gar nicht oder nur zu sehr hohen Preisen bekommen können. „Unsere Bauern haben schon ganz erhebliche Verluste erlitten. Einige wissen noch nicht, wo sie das Futter für ihre Rinderherden im Winter herbekommen sollen“, klagt Merrill Karlen, Präsident des Verbands der Rinderzüchter in South Dakota.

Einer Studie der Universität von North Dakota zufolge belaufen sich die Schäden der Dürre in diesem Bundesstaat auf rund 1,8 Milliarden Dollar. Der Verband habe nun ein Netzwerk geschaffen mit der Bezeichnung „Wo ist das Futter“, um den Futterhandel zwischen den einzelnen Mitgliedern deutlich zu erleichtern. Der Gouverneur von South Dakota, Bill Janklow, will sich derweil in Washington für eine Reform der staatlichen Dürre-Hilfen einsetzen, die seiner Ansicht nach nicht gerecht vergeben werden. „Viele Landwirte, die einen Teil ihrer Rinderherde verkaufen müssen, weil sie kein Wasser oder kein Gras haben, haben derzeit keinen Anspruch auf Hilfe. Auch Schaf- und Bisonzüchter werden nicht erfasst. Das muss sich ändern“, sagt Janklow. Die Hilfeleistungen an Bauern, die Feldfrüchte anbauen, sehen unter anderem zinsgünstige Darlehen von bis zu 500 000 Dollar vor. Nach einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums von South Dakota rechnen mehr als 80 Prozent der Viehzüchter des Staates damit, aufgrund der Schäden ihre Herden verkleinern zu müssen.

Carl Zulauf, Agrarökonom an der Universität von Ohio, weist allerdings darauf hin, dass nicht alle Landwirte wegen der Dürre große Einbußen zu verzeichnen hätten. „Es steht außer Frage, dass all jene, die im Zentrum eines Dürregebiets liegen, ein schlechtes Jahr haben werden. Für die Landwirte insgesamt aber sind die Folgen überschaubar“, sagt Zulauf. Das geringere Angebot beispielsweise von Mais, Weizen und Sojabohnen schlage sich in steigenden Preisen nieder, die die geringeren Erntemengen vielfach ausglichen. „Der prozentuale Preisanstieg ist größer als der prozentuale Rückgang der Produktionsmenge“, erklärt der Agrarwissenschaftler gegenüber dpa.

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