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Ammoniumnitrat birgt Explosionsgefahr
Handhabung des Düngemittels unterliegt in Deutschland starken Restriktionen
Pressemitteilung vom 27.09.2001


dpa. Der folgenschwere Unfall in einer Chemiefabrik in Toulouse vor wenigen Tagen geht offenbar auf die Explosion von Ammoniumnitrat zurück. Wie es zu dieser Detonation kommen konnte, ist allerdings weiterhin unklar. Ammoniumnitrat gilt als außerordentlich träge. Die Substanz mit der chemischen Formel NH 4 NO3 kann nur durch äußere Einwirkung zur Explosion gebracht werden, etwa durch plötzliches und starkes Erhitzen, die Berührung mit brennbaren Stoffen oder eine Initialzündung beispielsweise mit Nitroglycerin. Dann allerdings zersetzt sich Ammoniumnitrat schlagartig zu Stickstoff, Sauerstoff und Wasser. Wegen dieser Gefahr ist die Handhabung von Ammoniumnitrat in Deutschland nach dem Sprengstoffgesetz geregelt. Demnach dürfen nicht mehr als 25 Tonnen zusammen gelagert werden. Größere Mengen sind durch spezielle Schutzwälle, etwa aus Erde oder Beton, voneinander zu trennen. Das Material ist gegen jegliche Fremdeinwirkung wie Erwärmung oder eine Reaktion mit anderen Stoffen zu schützen. Die Mindestentfernung zu Wohngebieten ist ebenfalls in Abhängigkeit von der gelagerten Menge vorgegeben und beträgt etwa bei 25 Tonnen knapp 350 Meter.

Diese strengen Vorgaben betreffen jedoch nur einen kleinen Teil des in Deutschland verwendeten Ammoniumnitrats. Denn während man bis zum Zweiten Weltkrieg Ammoniumnitrat vorwiegend als Sprengstoff nutzte, werden heute rund 90 Prozent der Weltproduktion zu Düngemitteln verarbeitet. Da Ammoniumnitrat keine sogenannten Ballastsubstanzen enthält, gilt es als idealer Stickstoffdünger. Aufgrund der latenten Explosionsgefahr darf die Substanz in Deutschland allerdings nicht in reiner Form verwendet werden. Vielmehr vermengt man Ammoniumnitrat mit anderen Salzen wie Kaliumchlorid oder Calziumcarbonat, die rund ein Drittel der Mischung ausmachen müssen. Dadurch ist die Explosionsgefahr gebannt. Einziger Hersteller von Ammoniumnitrat in Deutschland ist die Hydro Agri in Rostock. In der Vergangenheit haben sich beim Umgang mit Ammoniumnitrat nur wenige Unfälle ereignet. Vor 80 Jahren kam es bei der BASF in Oppau zu einer Katastrophe, als in den Silos eine Mischung aus Ammoniumnitrat und Ammoniumsulfat zusammengeklumpt war. Wie damals üblich, versuchten die Arbeiter, das festgebackene Material durch eine Sprengung mit Dynamit aufzulockern. Mehr als 500 Personen kamen bei der Explosion ums Leben und ein Großteil der Fabrik wurde zerstört.

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