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Feierliche Zeugnisübergabe in den landwirtschaftlichen Berufen am 19.09.2014 in Großenhain
Pressemitteilung vom 24.09.2014


Am 19.09.2014 erhielten 15 Landwirte, 4 Landwirtschaftswerker, 8 Tierwirte und 2 Fachkräfte Agrarservice in Großenhain ihre Berufsabschlusszeugnisse. Freigesprochen wurden sie von Roland Freiherr von Fritsch, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte und des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen e.V.:

Sehr geehrter Herr Landrat Steinbach,sehr geehrter Herr Naumann als Vertreter der Ausbildungsbetriebe, sehr geehrter Herr Dr. Schmiedeknecht als Vertreter des Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie, sehr geehrter Herr Förster, meine sehr verehrten Damen und Herren und natürlich als Hauptpersonen die Absolventen der Ausbildung Landwirt, Landwirtschaftswerker, Tierwirt und Agrar- Service.

Ich habe heute die Ehre und das Vergnügen, die hier anwesenden Absolventen in unseren Berufsstand aufzunehmen. Es gibt ja viele Berufe, in denen dieser Akt regelrecht zelebriert wird. Zum Beispiel werden die Buchdrucker zum Abschluss ihrer Lehre in ein Wasserfass geschmissen und das nennt man dann gautschen.

Wir machen das heute nicht so dramatisch und werden am Ende einfach mit einem Glas Sekt anstoßen. Ihnen allen meinen herzlichsten Glückwunsch zur bestandenen Abschlussprüfung.

Für die meisten von ihnen ist es ein Start in das Berufsleben, einige von ihnen lernen weiter und streben den Abschluss zum staatlich geprüften Wirtschafter für Landwirtschaft an und ein Absolvent wird in Dresden das Studium der Landwirtschaft beginnen.

Sie werden heute oder am Wochenende im Kreise der Familie und mit Freunden feiern und sie können auch stolz auf ihre Leistung sein. Aber das Leben geht weiter, wir müssen nach Brüssel schauen, an die Betriebsprämie 2015 denken und an die neuen Greening-Anforderungen.

Dann kommt noch eine neue Düngeverordnung auf uns zu, auf 55 Seiten Papier, wo man sich fragt, wer hat sich das einfallen lassen. Aber das kann man ja nachvollziehen. Ich habe mir also auf der Website des Bundestages in der Mediathek die Sitzungen des Agrarausschusses angeschaut. Der Agrarausschuss ist ja nach Parteienproporz besetzt und wenig nach fachlicher Qualifikation. Da bekommt man wirklich den Eindruck, ein Abgeordneter aus dem Emsland macht den Entwurf der Düngeverordnung und der wird dann bis zu den bayerischen Alpen breit gewalzt. Ebenso interessant sind die Diskussionen zum Glyphosat-Einsatz. Für mich kleinen Landwirt haben diese Redebeiträge eine gewissen Unterhaltungswert, manchmal sind sie regelrecht frustrierend. Immerhin soll es bald ein Bundesprogramm für den ländlichen Raum geben, allerdings wird voraussichtlich darin kein nationales Konzept für den Hochwasserschutz enthalten sein. Man konnte sich bisher nicht einigen.

Die Abgeordneten haben sich auch ein neues Tierschutzgesetz vorgenommen.
Bis Ende 2015 wird es ein neues Prüf- und Zulassungsverfahren für neue Tierhaltungssysteme geben. Wer legt die Kriterien dazu fest? Wenn ein Landwirt seinen Schweinen die Ringelschwänze kupiert, ist er in der öffentlichen Wahrnehmung ein Tierquäler. Kupiert er die Schwänze nicht, ist er auch ein Tierquäler, weil sich seine Schweine dann die Schwänze gegenseitig abbeißen. Der Landwirt kann seine Schweine aber auch nicht einfach in die Freilandhaltung entlassen, dann bekäme er es wieder mit den Schweinekrankheiten von früher zu tun und einer höheren Sterblichkeitsrate. Dadurch weniger Ertrag für den Betrieb.

Wir Landwirte stecken also in einem Dilemma, einmal brauchen wir die Massentierhaltung als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Bestand des Betriebes, andererseits brauchen wir auch die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Produktionsmethoden. Es stimmt mich allerdings sehr nachdenklich, wenn ich den Argumentationen einzelner Bundestagsabgeordneter folge, die z.B. den Schenkelbrand bei Pferden, als etwas ganz schreckliches und schlimmes darstellen, darüber eine halbe Stunde reden, andererseits aber das Tierschutzgesetz ganz schnell ändern, um den religiösen Traditionen einiger Minderheiten im Lande Raum zu geben. Ich meine hier das Schächten. Dieses Beispiel könnte ich noch verschärfen aber wir wollen bei der Landwirtschaft bleiben.

Übrigens ist dieses Jahr das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe. Auch unser Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt bezeichnet den Familienbetrieb als agrarpolitisches Leitbild für Deutschland. Es gehen in der Bundesrepublik Deutschland täglich etwa 74 ha landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Im Umkehrschluss bedeutet das, täglich sterben zwei landwirtschaftliche Familienbetriebe in Deutschland.

Wir sollten uns 25 Jahre nach der Deutschen Einheit fragen - hat ein Familienbetrieb gleiche Chancen gegenüber einem LPG-Nachfolgebetrieb? Zur Umwandlung der LPG´n und Neugründung der Agrarbetriebe gibt es eine Studie der Universität Jena, die den hohen Grad an fehlerhaften Umwandlungen nachweist. Es ist auch unstrittig, dass nur etwa 8 % der wirtschaftlichen Schulden getilgt wurden, es wurden 3 Milliarden Altschulden gestrichen in mehreren Entschuldungen von der letzten Volkskammer bis hin zum ersten gemeinsamen deutschen Parlament. Das bedeutet, der deutsche Steuerzahler hat das erledigt.

Es sind nur maximal 30 % der finanziellen Ansprüche aus der Vermögensauseinandersetzung zur Auszahlung gekommen, nur jeder dritte Haupterwerbsbetrieb konnte BVVG-Land anpachten, von den Nebenerwerbslandwirten so gut wie keiner. Die Familienbetriebe erhielten kaum Möglichkeiten des privilegierten Landerwerbs, bei den Lieferrechten und Quoten wurden die Familienbetriebe benachteiligt, der überwiegende Teil der Flächen der Landgesellschaften und der BVVG befindet sich im Zugriff von agrarindustriellen Großbetrieben.

Trotzdem, hier Zahlen aus Sachsen-Anhalt - erwirtschaftet ein Familienbetrieb oder eine GbR im Zwölf-Jahresdurchschnitt etwa 208 € pro Hektar Gewinn, während eine so genannte juristische Person nur auf 86 € pro Hektar Gewinn kommt. Auch bei den Arbeitsplätzen gibt es Unterschiede: Ein Einzelunternehmen beschäftigt etwa 2,6 AK je 100 ha während juristische Personen weniger als zwei AK je 100 ha beschäftigen. (Quelle: Alternativer Agrarbericht Deutscher Bauernbund)

Ich bin für die Chancengleichheit aller Betriebsformen. Die langfristigen Auswirkungen der Benachteiligung der Familienbetriebe sieht doch jeder, der durch unsere Dörfer fährt, besonders östlich der Elbe. Viele Bauernhöfe verfallen, zuerst und besonders die Wirtschaftsgebäude und die Jugend zieht weg, der Arbeit hinterher. Landwirtschaftspolitik hat also auch nachhaltige soziale und infrastrukturelle Auswirkungen.

Zum Schluss noch ein Thema, das uns alle angeht, die in der Landwirtschaft tätig sind - das ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau.

Wir kennen die Geschichte, wir Sachsen haben nicht nur die Wende eingerührt, wir haben auch als einziges Bundesland im Osten sofort eine eigene Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft gegründet. Einige Jahre später erfolgte die Fusion zur Berufsgenossenschaft MOD Mittel- und Ostdeutschland. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, denn aufgrund unserer Mitgliederstruktur hatten wir ein Verhältnis von zehn Einzahlern zu einem Zahlungsempfänger und wir konnten auch relativ schnell die gesetzlich geforderten finanziellen Reserven aufbauen. Das haben unsere Brüder und Schwestern im Westen schnell mitbekommen, dort ist das Verhältnis genau andersherum, besonders ungünstig in Bayern und Baden-Württemberg. Der Deutsche Bundestag beschloss also das Gesetz zur Neuordnung der Organisation der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, welches nun seit 1. Januar 2013 in Kraft ist. Es ist dadurch eine völlig neue Solidargemeinschaft entstanden. Die Beiträge wurden neu berechnet. Um Härtefälle zu vermeiden, haben wir eine beitragsrechtliche Übergangszeit bis zum Jahr 2017.

Dann ist nicht nur Bundestagswahl, sondern auch Wahl der Vertreterversammlung der BG. Sie selbst könnten einer dieser Vertreter in einer der Gruppen AG, AN oder SofA sein. Diese Versammlung entscheidet letztendlich über die neue Beitragsgestaltung. Wie viele Sachsen sind dann dabei und entscheiden mit?

Deshalb meine Botschaft an Sie: Werden Sie oder bleiben sie aktiv für die Belange unseres Berufsstandes und darüber hinaus, bringen sie sich selbst mit ein oder schauen sie den Leuten genau auf die Finger, die Sie in verantwortliche Positionen wählen und deren Entscheidungen sie dann ertragen müssen.

Es ist unsere Heimat, unser Land und dafür sind wir zuerst selbst verantwortlich. Danke für die Aufmerksamkeit.

Quelle: VDL


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