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Bauernfänger im Rapshandel
Pressemitteilung vom 20.09.2007


Der Werkleiter eines großen sächsischen Getreideaufkäufers M. in R. hatte einem Landwirt im Erzgebirge telefonisch signalisiert, er würde seinen Raps abnehmen und hatte ein Preisangebot von 28,00 €/dt genannt. Dieser aber wollte wegen seiner hohen Transportkosten 29,00 €/dt, also ca. 1,00 €/dt für die 200 km Transport nach R. und zurück, sonst könne er den Raps auch an B. verkaufen, der auf halbem Wege liege. Das Angebot, das M. dann per Fax als Kontrakt schickte, sah aber dann doch nur 28,50 €/dt als Gebot vor. Der Landwirt lies den „Kontrakt“ liegen ohne sich nochmals beim Anbieter zu melden. Gefordert war ja lt. Begleitschreiben seine Unterschrift und die Rücksendung des Vertrages.

Der Getreideaufkäufer behauptet nun, es sei zwischen ihm und dem Landwirt ein telefonischer Vertrag über die Lieferung von 100 to Raps zustande gekommen. Damit wäre nun eine Kontrakterfüllung bzw. Lieferzusage verbunden. Im übrigen würden die „Einheitsbedingungen im Deutschen Getreidehandel“ gelten, die auch mündliche Zusagen für rechtsverbindlich erklären würden.

20 Tage nach der Kontraktofferte überzog er den Landwirt wegen Nichterfüllung des Kontraktes mit Schadenersatzpflicht, Preisdifferenzersatz und Maklerprovisionsforderungen. Das Ansinnen wies der Rapserzeuger als windige Telefon-Kontraktierung und Bauernfängerei zurück. Er meint, dass derartige „landwirtschaftliche Kontrakte“ der Schriftform bedürfen. Alles andere wäre auch nicht plausibel, zumal es jedem handelsüblichen Gebaren widerspricht, dass mündlich „per sofort und Fax“ der Kontrakt abgefordert worden wäre, wie behauptet, ohne z.B. die Geschäftsbedingungen, die erst mit dem später nachgereichten Originalschreiben zugegangen waren, zu kennen. Dann nämlich erst wurden mögliche Abzüge genannt, „wie Trocknungsverluste, Schwarzbesatzabschlag, Reinigungs- und Aspirationskosten, Ölgehalt, Erukasäure, Glukoseinulat und damit in Zusammenhang stehende zusätzliche Abschläge.“

Der Händler stellt nun eine Nachfristforderung über einen angeblich getätigten Nachkauf für die 100 t Raps von 28,50 €/dt (inzwischen gestiegen) auf 31,00 €/ dt, also über 2.500 €. Dann setzt der „Bauernfänger“ noch einen drauf: „In den nächsten Tagen“ wolle er auf Kosten des Landwirts eine weitere Tagespreisfeststellung durchführen lassen (inzwischen auf 34,00 €/dt) und in der Folge ein Schiedsgericht anrufen.

So unter Druck gesetzt, nimmt der Rapsbauer nun anwaltliche Hilfe in Anspruch. Wir werden weiter berichten.

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