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Fußnoten
aus: DIE WELT vom 11. September 2004 (Forum)
Pressemitteilung vom 16.09.2004


Fünfzehn Jahre nach dem Fall der Mauer befindet sich der Osten Deutschlands in einer historisch einmaligen Situation. In den nun nicht mehr ganz so neuen Bundesländern überlagern sich die Phänomene Geburtenschwund, Abwanderung und Überalterung zu einer neuartigen Gemengelage. Bisher nämlich "hatten die klassischen Auswanderungsländer immer auch hohe Reproduktionsraten. In Ostdeutschland", stellt die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, das theoretische Organ der SPD, in ihrer Septemberausgabe fest, "ist dies anders. Die Folge wird eine besonders schnell alternde Gesellschaft sein, eine Gesellschaft, in der Kinder immer seltener werden."

Es handelt sich um die Spätfolgen eines überaus erfreulichen Vorgangs, der Wiedervereinigung. Der Geburteneinbruch, der die Zahl der Neugeborenen schlagartig auf weniger als die Hälfte ihres langjährigen Durchschnitts absinken ließ, war die Antwort der Ostdeutschen auf die Unwägbarkeiten des Einigungsprozesses. Zwar hat es in den neunziger Jahren vorübergehend eine bescheidene Erholung gegeben, doch diese Zeit ist schon wieder vorbei, denn inzwischen gehen die Geburtenzahlen abermals zurück. Wenn die Anzahl der neu geborenen Kinder etwas über die Seelenlage der Nation und über das Zukunftsvertrauen der Menschen aussagt, dann sieht es schlecht aus in Ostdeutschland, heißt das resignierende Resümee des Autors.

Drei Phänomene prägen die Entwicklung. Auffällig ist zunächst das stetige Anwachsen des Anteils, den die Angehörigen jüngerer Jahrgänge und insbesondere der Frauen unter den Abwanderern stellen. Zweitens hat die Bewegung nach den Städten nun auch den ländlichen Raum erfaßt, was diese Regionen ihres Zukunftspotenzials beraubt. Schließlich die Beobachtung, daß es vor allem die besser Gebildeten sind, die das Land verlassen. Der Anteil der Abiturienten und Hochschulabsolventen liegt unter den Abwanderern etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Hält dieser Trend an, wird der Osten Deutschlands intellektuell ausbluten.

Die Aussichten sind bedrückend: "Der Einbruch bei den Geburtenzahlen und die Abwanderung der jungen Leute trifft vor allem die kleinen Orte: Sie sterben aus. Zuerst ging der Konsum, dann kam kein Zug mehr. Erst ging die Post, später wurden die Briefkästen abgebaut. Kneipen oder Klubs existieren kaum noch, Kitas und Schulen wurden in den letzten Jahren geschlossen." Was hilft? Eine Politik, "die offensiv darauf ausgerichtet ist, daß mehr Kinder geboren werden". Die gibt es allerdings noch nicht.

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