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FAZ: Namen & Nachrichten
Theo Müller firmiert künftig in der Schweiz
Keine Steuer, oder was?
Pressemitteilung vom 18.09.2003


Pflegeleicht war der Mann noch nie. Theo Müller ist bekannt für seinen ruppigen Umgang mit Geschäftspartnern und Kritikern. Nun bekommt Finanzminister Hans Eichel den Zorn des Milchkönigs zu spüren. Müller hat die Nase voll vom deutschen Steuerrecht. Er habe sich entschlossen, in die Schweiz überzusiedeln, teilte er diese Woche mit. Erst mal verlegt er nur seinen privaten Wohnsitz in die Berge, droht aber schon damit das „weitere Wachstum der Müller-Gruppe künftig von einer Schweizer Holdinggesellschaft aus zu steuern.“
Zunächst habe der Wegzug keine Folgen für die deutschen Werke und das Steueraufkommen der dortigen Kommunen, beruhigt er die Bürgermeister an den Müller-Standorten. „Die in Deutschland erzielten Gewinne sind hier weiterhin voll steuerpflichtig.“ Vorerst. Im Jahr 1970 hatte der gelernte Molkereimeister von seinem Vater einen kleinen Betrieb in einem Dorf bei Augsburg übernommen. Daraus bastelte er mit Hilfe großangelegter Werbekampagnen (unter anderen mit Gerd Müller und Boris Becker) ein Milchimperium, das im vorigen Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro erzielte. Zahlen zum Gewinn veröffentlicht Theo Müller als Alleininhaber der Unternehmensgruppe nicht. Seinen Wegzug begründet er damit, dass ein „dreistelliger Millionenbetrag an Schenkung- beziehungsweise Erbschaftssteuer“ fällig würde, sobald er sein Vermögen an seine Kinder überträgt. „Dies würde den Fortbestand des Unternehmens mit mehr als 4400 Mitarbeitern gefährden.“
Zudem benachteiligte das Steuerrecht die Müller-Gruppe als Familienunternehmen gegenüber Wettbewerbern. „Weder Aktiengesellschaften, deren Anteile weit gestreut sind, noch Molkereigenossenschaften werden durch die Erbschaftsteuer belastet.“ Die Schweiz dagegen hat die Erbschaftsteuer abgeschafft. Müller bekräftigt, dass seine Entscheidung nicht einem spontanen Wutausbruch entspringt. Er habe Politiker aller Parteien auf das Problem hingewiesen. Im Gespräch hätten die ihm auch zugestimmt. Nur passiert sei nichts. „Es sind keine Initiativen zur Reform in diesem Bereich erkennbar.“

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