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Gentechnik schont die Umwelt und ist gut für den Menschen, sagt der Forscher Bernd Müller-Röber über die jüngsten Funde von "Gen-Reis" in Deutschland.
Pressemitteilung vom 14.09.2006


Die Zeitung DIE WELT interviewte den Potsdamer Universitäts-Professor und Gentechnik-Experte des Max-Planck-Institutes Bernd Müller-Röber. Er ist einer der Autoren des "Gentechnikberichtes - Analyse einer Hochtechnologie in Deutschland" der Berlin-Brandenburgischen Akademien der Wissenschaften.
Müller-Röber sagt, nach seinen Informationen habe man dem Reis ein spezielles Gen eingefügt, das längst in anderen, für den Markt zugelassenen Pflanzen vorhanden sei. „Dort ist es sicherheitsüberprüft. Warum dieses Gen nun im Reis problematisch sein soll, erkenne ich nicht.“
Auf die Frage, welchen Zweck dieses zusätzliche Gen erfüllen soll, sagte Müller-Röber: „Es erhöht die Herbizid-Toleranz der Reispflanze.“

WELT: Mit anderen Worten: Die Pflanze verträgt mehr Unkrautvernichtungsmittel, die Bauern können mehr davon einsetzen - was wir dann alles auf den Tisch bekommen, dank Gentechnik.

Müller-Röber: „So denken viele. Das Gegenteil ist aber richtig. Gerade weil den GV-Pflanzen - anders als den herkömmlichen - bestimmte "Breitband-Herbizide" nichts mehr ausmachen, kann man heute ganz gezielt solche einsetzen, die für uns weit weniger giftig sind. Sie waren früher nur im Obst- oder Weinbau zu verwenden. Dass heute auch andere Pflanzen diese harmloseren Mittel vertragen, wurde erreicht, indem man ihnen ein Gen von einem Bakterium einpflanzte, das diese Herbizide durch ihren Stoffwechsel im Boden abbaut. Das kann die Pflanze nun selbst. Zum einen können weniger giftige Spritzmittel verwendet werden, zum anderen wird dies auch noch in der Pflanze vernichtet. Es kommt also aus zwei Gründen weniger Gift auf den Teller.“ Zu der Befürchtung, diese Herbizid-Verträglichkeit könne aber von der GV-Pflanze auf das Unkraut überspringen, sagte der Gen-Forscher: „Die Möglichkeit besteht in der Tat, wenn auskreuzbare Wildpflanzen daneben stehen - aber unabhängig davon, ob es sich um eine GV-Pflanze handelt oder um eine traditionelle Zucht. Bislang hatten wir da keine Schwierigkeiten. Kämen sie dennoch, so müsste man im schlimmsten Fall eben wieder auf die Spritzmittel zurückgreifen, die zuvor eingesetzt wurden, bei den herkömmlichen Pflanzen.“

WELT: Warum ist grüne Gentechnik immer noch so verrufen, was hat die Forschung falsch gemacht?

Müller-Röber: „Wir sind da in der Tat in der Defensive. Ich merke das in meinem eigenen Bekanntenkreis. Wenn ich dort erzähle, dass ich gentechnische Experimente durchführe und mich auch für die Nutzung solcher Verfahren einsetze, befinde ich mich sofort in einer Verteidigungshaltung. Es kostet geraume Zeit, die Menschen zu überzeugen. Am ehesten gelingt dies bei Leuten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund.“

WELT: Die Deutungshoheit über Gentechnik haben nicht die Wissenschaftler, die liegt bei Greenpeace und seiner Totalablehnung.

Müller-Röber: „Das stimmt wohl ebenfalls. Wir führen allerdings ausgedehnte und regelmäßige Gespräche auch mit den Gegnern der Gentechnik. Zum Beispiel mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), bei dessen Mitgliedern wir durchaus ein differenziertes Bild feststellen. Manche Aussichten der Genforschung, wie zum Beispiel der geringere Chemieeinsatz, oder auch die höheren Erträge, die weniger Dünger erfordern, leuchten auch einigen von ihnen ein. Mit Greenpeace zu sprechen hat allerdings wenig Sinn. Die sind leider dogmatisch und völlig festgefahren. Sie nehmen wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten einfach nicht wahr, nutzen einige davon sehr selektiv und aus dem Zusammenhang gerissen. Es haben sich ja schon Wissenschaftler beschwert, dass Greenpeace ihnen das Wort im Munde herumdreht.“

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