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60 Jahre nach Flucht und Vertreibung
Gottesdienst um Frieden und Schutz für das Lebenx
Vortrag von Karl Berger, Dahlen am 14. August 2005 in der Kirche zu Lampertswalde
Pressemitteilung vom 08.09.2005


„Ich glaube, dass der Krieg die Menschheit erniedrigt und dass jeder Krieg im Sieger wie im Besiegten die niedrigsten Instinkte hervorruft. Kriege sind der Menschheit unwürdig."

Wenn man diese Worte von Konrad Adenauer mit den Geschehnissen von vor 60 Jahren vergleicht, entdeckt man viele Wahrheiten. Wenn wir heute auch der Flucht und Vertreibung des Sächsischen Landadels gedenken, will ich an die sich anschließenden Zerstörungen in einem bereits zerstörten Teil Deutschlands erinnern.
Marianne Hamm von Sahr verdeutlicht in ihrem Buch „Von Deutschland nach Deutschland" diese Zeit der Verfolgung, der Internierung, der Enteignung und Entwürdigung. Internierung auf Schloss Colditz und der anschließende Transport ins Ungewisse, der für die meisten auf der Insel Rügen ein erstes Ziel fand. Der Tod saß immer mit im Eisenbahnwaggon oder der engen Herberge - viele überlebten diese Tortur nicht, andere wurden in die NKWD- Speziallager oder in die Sowjetunion verschleppt, viele davon sahen ihre Heimat nicht wieder. Durch die Freunde gewarnt, es gibt in Notzeiten recht wenige davon, flüchteten viel in Richtung Westen, ließen fast alles zurück - sie suchten eine neue Heimat.
Die Bodenreform von 1945 betraf in Sachsen 1.155 Gutwirtschaften, vernichtete mit einem Schlage in Jahrhunderten gewachsene wirtschaftlich-kulturelle Einheiten.
Nur an wenigen Beispielen können wir uns heute noch ein Bild von der Funktionsweise derartiger Komplexe machen, so wie etwa hier in Lampertswalde. Zu diesen Einheiten gehörten nicht nur Schloss oder Herrenhaus, sondern auch Stallungen und Scheunen, der Park mit seinen Plastiken, sowie in den Innenräumen der Stuck, die alten Möbel, Ahnenbilder und Gemälde großer Künstler. Geblieben sind außer einem Teil der Schlösser und Herrenhäuser meist ungepflegte Parkanlagen, oft zum Wald geworden, vernutzte, oft bis zur Unkenntlichkeit entstellte Gutsanlagen sowie Dorfkirchen mit ihren Patronatslogen, ihren Epitaphen, Altären, Kanzeln, in denen vieles an die ehemaligen Besitzer der Schlösser erinnert.
Die Bodenreform wurde durch eine Verordnung der Landes-Verwaltung Sachsen vom 10. September 1945 beschlossen und durch die Befehle 124 und 126 der sowjetischen Militäradministration vom 30. und 31. Oktober 1945 endgültig in Kraft gesetzt.
Nicht vergessen darf man jedoch Versuche Kulturgut zu retten, was auch teilweise gelang. Namhafte Kulturhistoriker und Denkmalpfleger wie Walter Hentschel, Fritz Löffler und Hans Nadler seien hier stellvertretend genannt. Zwischen Juni 1946 und 1949 wurde Inventar aus 660 Herrenhäusern in Museen verbracht, dabei darf man die damaligen chaotischen Transportmöglichkeiten nicht vergessen.
Dann kam der Befehl 209, der den Abbruch von Gebäuden zum Inhalt hatte, eine ideologisch begründete Zerstörungswut fand ihren Anfang. Neben vielen Schlossanlagen wurde auch Lampertswalde ein Opfer dieses Befehles. Es begann eine bewusste Denkmalzerstörung. Aus heutiger Sicht war es absolut Unsinn in einem zerstörten Land weitere Zerstörungen anzurichten. In einigen Orten wie Dahlen, Cavertitz, Heyda oder Börln gelang es den Abriss von Schloß oder Herrenhaus zu verhindern.
Wir sollten nicht über damalige Gemeinderäte oder Bürgermeister urteilen. Aus den Protokollen des Gemeinderates in Lampertswalde ist ersichtlich welcher Druck von „Oben" herrschte und in einer Zeit der erneuten Unterdrückung gegen Befehle der Militärregierung stimmen konnte tödlich sein. Natürlich hatte diese Nachkriegszeit auch ihre treuen Diener. Treue Diener waren viele Leute bis 1989, nur wollen sie heute nicht an ihre treue Dienerschaft erinnert werden. Dieses Problem finden wir leider in der Deutschen Geschichte immer wieder. Als sich 1989 die Grenzen öffneten, wurden bis dahin vertrauliche Kontakte ganz offiziell und Besuche von ehemaligen Gutsbesitzern und deren Nachkommen waren die Regel. In unserem Dorf war es zuerst Christoph von Zechau, der nach Lampertswalde kam. Schweineschlachten bei Erich Grundmann war dabei ein Höhepunkt und ich selbst ging mit dem Erben von Lampertswalde durch den Park und überließ ihn nach einem langen, unvergesslichem Gespräch seinen Gedanken und Erinnerungen. Aus gesundheitlichen Gründen musste Christoph von Zeschau dann von Reisen zu uns absehen und Jobst-Heinrich von Zeschau kam dann regelmäßig mit Familie nach Lampertswalde. Skepsis und Kritik fanden wir zuerst im Dorf - der will uns wohl das Bodenreformland wegnehmen? - aber die Wogen waren bald geglättet. Da wurde ein Baum der Begegnung gepflanzt. Herr von Zeschau wurde Ehrenmitglied im Armbrustschützenverein und seine Hinweise auf dörfliche Traditionen, wie z.B. das Kranzreiten, können sie heute beim Drescherfest erleben. Sehr oft erinnern wir uns an Jobst-Heinrich von Zeschau, mit dem wir gern seinen 80. Geburtstag am 27. April diesen Jahres gefeiert hätten. Ich möchte hier Worte seiner Verbundenheit mit uns zitieren: „Sie können mir glauben, dass es nicht alltäglich ist, dass sich zwischen alten Gutsbesitzern und jungen Dorfbewohnern ein so intensives Verhältnis entwickelt. In meinem Bekanntenkreis werde ich um dieses Verhältnis beneidet." In den Jahren nach der Wende wurden hier in Lampertswalde viele Möglichkeiten genutzt, Vergangenes zu bewahren, neu zu gestalten und zu nutzen.
Ich lade Sie zu einen kleinen Spaziergang nach dem Gottesdienst ein. Die Wiederentstehung eines Teiles der Anlage verdanken wir dem Verantwortungsbewusstsein und der Achtung vor der Geschichte. Es ist keine Wiedergeburt des Vergangenen, sondern Ehrfurcht vor dem Vergangenen. Neues Leben in alte Mauern zu bringen ist hier gelungen, dafür sind wir Gott dankbar.

(Mit Genehmigung des Autors)

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