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Preiseinbruch bei Sachsens Ostbauern
Sauerkirschen bleiben auf den Bäumen – Ernte zu teuer
Pressemitteilung vom 09.09.2004


Obwohl in diesem Jahr viel Beerenobst, Kirschen, Pflaumen und Äpfel reiften, sind Sachsens Obstbauern sauer. Der Grund: Sie verzeichnen einen enormen Preisverfall sowohl bei Frischobst, mehr noch bei Konservenobst.

Im Supermarkt darf das Glas Kirschen nicht mehr kosten. Im Vorjahr lag der Preis bei 1,19 Euro, jetzt kostet die Konserve keine 80 Cent mehr. „Die Lage ist für einige Obstbauern so dramatisch, daß sie die Sauerkirschen hängen lassen. Ernten würde nichts anderes bedeuten als Geld hinauszuwerfen“, konstatiert Klaus Griesbach, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Obstbauern. Der Preis für Sauerkirschen sei im Vergleich zu den Vorjahren um 50 Prozent eingebrochen. „Wir bekommen noch 32 bis 35 Cent je Kilogramm, müssen aber allein 24,25 Cent fürs Pflücken zahlen. Da bleiben nicht mal zehn Cent für Baumschnitt und Pflanzenschutz. Es rechnet sich also nicht.“ Als Ursache für den Preisverfall nennt Griesbach die als schick propagierte Geiz-Mentalität breiter Verbraucherschichten und den gebremsten Import von Obst vor allem aus Ungarn und Polen, wo in den letzten Jahren die Plantagen deutlich erweitert worden seien.

Obstbauer Christian Franke aus Leipzig rechnet die Erntekosten vor:

Der Stundenlohn für Hilfskräfte im Obstbau beträgt 3,27 €; bei Akkordgrundlohn 3,80 €. Normal erntet ein Pflücker 15 kg „Sauerkirschen mit Fruchtstiel“ in der Stunde. Das ist ein Lohnanteil von 0,25 € pro kg am Verkaufserlös.

Erntekosten Sauerkirschen je kg (Handernte)
Lohn für pflücken.............................0,25 €
Technologische Kosten.....................0,05 €
Leergut – Verpackungskosten...........0,07 €
Transport zur Verarbeitung...............0,03 €
Gebühr für Makler............................0,05 €
Kosten Insgesamt............................0,45 €
Preisangebot der Verarbeitungsindustrie.........0,35 bis 0,40 € pro kg

Als beliebtes Argument bei der Agitation gegen den Kapitalismus wurde von DDR-Ideologen immer wieder vorgetragen, daß im Westen zur Stabilisierung hoher Profite Kaffee verbrannt, Obst vernichtet, Gemüse eingeackert und Milch in die Jauchegrube geschüttet werde. Und das alles bei hungernden Kindern in der 3. Welt. Jetzt sind wir wieder so weit!

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