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Freya Klier: Die DDR-Vergangenheit schrumpft für viele allmählich zu einem Glas Spreewaldgurken“
aus MDR „Fakt ist“ vom 03.09.2007
Thema: Wie gut war der Osten wirklich?

Pressemitteilung vom 06.09.2007


Ein vermeintlich neu aufgetauchter Schießbefehl brachte es wieder an den Tag: Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit wird auch 17 Jahre nach der Wende hoch emotional geführt. War dieses kleine Land DDR nun repressiv, obendrein muffig, durchzogen von schmutzigen Flüssen und bevölkert von gleichgültigen Ja-Sagern? Oder lebten dort Menschen, die engagiert ihr Tagwerk vollbrachten, die durchaus kritisch dachten, wenn auch nicht immer laut, deren Kinder glücklich aufwuchsen, wenn auch nicht immer mit Bananen, dafür aber mit kostenloser Gesundheitsvorsorge. Vergleichen Ostdeutsche die Systeme in Sachen Familien-, Bildungs- und Gesundheitspolitik, dann schneidet die DDR zunehmend besser ab. Und auch die bloße Reduzierung der DDR auf Diktatur und Stasi wird oft als ungerecht empfunden. Was also ist wert, erhalten zu werden, oder – so schon beerdigt – wiederbelebt zu werden? Und was ist in der Rückschau pure nostalgische Verklärung?

Auf die Frage der Moderatorin Uta Georgi an Freya Klier was denn überhaupt möglich gewesen wäre hinüberzuretten?

Klier: (...) Fast flächendeckend haben die Genossen, (eben nicht die Arbeiter und Bauern!), über GmbH-Gründungen einen Riesenteil des DDR-Volksvermögens in Ihre Taschen umgeleitet. Da gibt es genügend Zahlen aus dem Bundestag, die sind erschreckend. Die Treuhand wiederum bestand zu 70 % aus Ostlern, die ist nämlich von Herrn Modrow eingerichtet worden und die hatten wieder 30 % Westler, die vom Charakter er ähnlich waren und dann wurden die Claims abgesteckt: „Ihr schaut bei uns nicht hin und wir schauen bei euch nicht hin!“ Die einen haben für 1 Mark die ganzen LPG´s eingesackt, mit Euro-Geldern aufgepeppt, das waren nicht irgendwelche Bauern, sondern LPG-Vorsitzende mit ihren Parteisekretären. (...)
Die Westler haben sich Ihren Teil genauso gegriffen. Was die Ostler in die BRD eingebracht haben, wurde denen brutal entrissen - und wirklich mit miesen Tricks. Der erste FCKW-freie Kühlschrank Sachsens hätte ganz Sachsen sanieren können. (...)
(...) Es war eine Goldgräberzeit, wo man keinen Überblick mehr hatte. Die meisten Menschen waren mit dieser Riesenumwälzung beschäftigt. Ihnen wurde der Teppich weggezogen. Das ganze Leben war nicht mehr gültig. Es war eine ganz neue Welt, auf die man sich vorbereiten musste. (...)

Freya Klier wurde 1950 in Dresden geboren, lernte nach dem Abitur Maschinenbauzeichnerin. Ende der Sechziger wurde sie als Teenager wegen "Republikflucht" zu 16 Monaten Haft verurteilt. Später studierte sie Theaterwissenschaften, Schauspiel und Regie. 1980 gehörte die gebürtige Dresdnerin zu den Mitbegründern der DDR-Friedensbewegung.
Ab Mitte der 80er Jahre durfte sie nicht mehr inszenieren, dafür trat sie mit dem Liedermacher Stephan Krawczyk in evangelischen Kirchen der DDR auf. 1988 wurde beide Künstler verhaftet und ausgebürgert.
In Westberlin begann Freya Klier neben ihrer dichterischen Arbeit Dokumentarfilme zu drehen. Seit 2003 tourt Freya Klier durch Schulen in Ost und West, um der jungen Generation die jüngere Geschichte nahe zubringen. 2007 wurde Freya Klier mit der Sächsischen Verfassungsmedaille geehrt - für besonderes demokratisches Engagement in Schulen, in Literatur und Kunst.


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